Nachgefragt: Pierre Vanhove
"Die Rally geht langsam zu Ende"

Pierre Vanhove ist Leiter im Rentenbereich bei Fortis Investment Management. Im Interview erklärt er, dass der steigende Ölpreis mittelfristig die Inflation in der Euro-Zone auf 2,2 Prozent treiben wird.

Handelsblatt: Die Kurse von Staatsanleihen steigen seit über 20 Jahren, und die Renditen liegen schon wieder nahe ihrer kürzlich erst erreichten historischen Tiefs. Wird die Renten-Rally noch lange weitergehen?

Pierre Vanhoe:Da muss ich leider sagen: Nein. Ich denke, wir haben bald einen Boden bei den Renditen von lang laufenden Staatsanleihen in der Euro-Zone gefunden.

So pessimistisch? Sie selbst fahren doch mit der Wette auf weiter fallende Renditen seit Jahren sehr gut ... Das stimmt. Aber die Hoffnungen auf eine Leitzinssenkung der Europäischen Zentralbank (EZB), welche die Anleihekurse zuletzt getrieben haben, halte ich für übertrieben. Außerdem stabilisiert sich das Wirtschaftswachstum, wenn auch auf niedrigem Niveau. Darauf weisen die jüngsten Frühindikatoren wie der Index des Mannheimer Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung hin. Und deflationäre Tendenzen, also ständig sinkende Preise, kann ich in der Euro-Zone auch nicht ausmachen. Warum nicht, schließlich ist die Teuerungsrate im Mai im Vergleich zum Vorjahr auf 1,9 Prozent gefallen.

Mittelfristig wird aber der steigende Ölpreis die Inflation in der Euro-Zone auf 2,2 Prozent treiben. Das wäre über dem EZB-Ziel von zwei Prozent. Das ist ein Grund, der die Notenbank an Zinssenkungen hindern wird.

Das hört sich nicht gut an für den Rentenmarkt. Droht jetzt doch die schon lange prognostizierte Wende?

Nein, das auch nicht. Wir werden tendenziell in einem Umfeld niedriger Renditen bleiben. Ich sage nur, dass ich nicht mehr viel Spielraum für noch deutlich weiter sinkende Zinsen sehe.

Wie stark werden die Renditen denn Ihrer Meinung nach am langen Ende – gemessen an zehnjährigen Bundesanleihen – steigen?

Es ist gut möglich, dass die zehnjährige Bund-Rendite in diesem Jahr auf 3,50 bis 3,75 Prozent klettert. Dabei sollte dann angesichts der insgesamt niedrigen Inflation und der verhaltenen Wirtschaftsentwicklung Schluss sein.

Was bedeutet das für Ihren Fonds, der schwerpunktmäßig in Anleihen mit langer Laufzeit investiert?

Bei einem Renditeanstieg um 0,30 Prozentpunkte, ist es möglich, dass der Fonds auch mal einen oder zwei Monate leichte Verluste macht. Deshalb verkürze ich jetzt schon etwas die durchschnittliche Laufzeit meines Portfolios. Der Fonds hat sich aber auch in diesem Jahr gut entwickelt, so dass kleinere Verluste den Gesamtertrag kaum belasten sollten. Außerdem eröffnen moderat steigende Renditen auch wieder attraktivere Einstiegschancen.

Die Fragen stellte Andrea Cünnen.

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