Nachgefragt
„Positionen sind oft falsch besetzt“

Neun Fragen zum Thema Asset-Management an Kjell Nordström, Professor am Institut of International Business der Stockholm School of Economics.

KJELL NORDSTRÖM

Was macht Erfolg im Asset-Management aus?

Es sind die Menschen. Darum geht es: gute Spieler zu finden – wie im Fußball.

Viele Experten sprechen über technologische Anforderungen, die man bewältigen müsse ...

Das ist notwendig, sicher. Aber die Branche hat ihren Blick zu sehr darauf eingeengt. Technologie auf hohem Standard ist heute für jeden zu haben und kein Differenzierungsmerkmal mehr. Weiche Faktoren werden jetzt wichtiger.

Wo liegt das Problem?

Gute Spieler zu finden ist schon nicht einfach. Aber einen guten Trainer zu finden ist noch schwieriger. Und „tun“ ist etwas ganz anderes als „coachen“, verlangt deshalb andere Begabungen und damit Personen. Doch die Praxis ist ernüchternd: In Krankenhäusern werden gute Mediziner in Chefpositionen befördert, wo sie nur noch Bürokratie bewältigen müssen; in Anlagefirmen wird beispielsweise ein guter Verkäufer Leiter der Vertriebsableitung.

Was ist die Herausforderung für diese Führungsleute?

Sie müssen inspirieren, motivieren und ihre Mitarbeiter koordinieren – so dass sie gerne bei der Firma bleiben und nicht zum Konkurrenten abwandern.

Gibt es noch andere Herausforderungen für die Anlagebranche?

Ja, das Stichwort ist Transparenz. Die Gesellschaften müssen noch mehr Informationen liefern als bisher. Aber die meisten Akteure sind zu ängstlich, obwohl sie sich einen Wettbewerbsvorteil sichern könnten.

Beispiele bitte ...

Starten wir mit anderen Branchen. Scandinavian Airlines listet auf seiner Internetseite auch Preise der Wettbewerber auf. Oder nehmen wir die Autoindustrie. In den USA können es sich immer weniger Händler leisten, nur mit einer Marke aufzuwarten. Die Kunden wollen wählen.

Das bedeutet für die Fondsbranche?

Es werden mehr Informationen gebraucht, etwa über Produktpreise, die Gehälter der Beschäftigten und die Anreizsysteme. Es geht auch um Unternehmensführung: Wer ist verantwortlich für was und wer berichtet an wen?

Was ist Ihrer Meinung nach der am meisten unterschätzte Erfolgsfaktor im Asset-Management?

Es ist der gleiche wie in allen anderen Lebensbereichen. Man muss sich erinnern, dass eine kleine Gruppe hochgradig engagierter Personen das World Trade Center zum Einsturz brachte. Motivation und Organisation sind der Schlüssel. Nehmen wir Leute wie den bekannten Unternehmer Richard Branson, berühmte Musiker oder Künstler. Sie können den Lauf der Geschichte verändern.

Und wer hat in der Anlagebranche einen Wettbewerbsvorteil?

Berkshire Hathaway. Die Beteiligungsgesellschaft von Warren Buffett ist natürlich nicht direkt im Asset-Management aktiv – indirekt aber schon. Über viele Jahrzehnte hat die Aktie den Index überholt. Mit Buffett und Munger hat die Firma zwei alte, erfahrene und hoch motivierte Chefs.

Die Fragen stellte Ingo Narat.

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