Nachgefragt: Ralf Lochmüller
"Quote von fünf Prozent ist zu gering"

Mehr Spielraum für private und institutionelle Anleger, auch in Hedge-Fonds zu investieren, fordert Ralf Lochmüller, Partner von Lupus Alpha Asset Management in Frankfurt.

Warum läuft das Geschäft mit Hedge-Fonds so schleppend an?

Bisher fehlte die Rechtssicherheit für institutionelle Investoren. Das hat sich geändert. Vor wenigen Wochen wurde die Anlageverordnung für Versicherungen erlassen. Jetzt weiß diese wichtige Anlegergruppe und wissen auch die Pensionskassen, woran sie sind. Ein zweiter Grund: Die Institutionellen müssen vor einem Engagement viel Zeit auf die Prüfung der Produkte und ihrer Anbieter verwenden. Das dauert sechs bis neun Monate.

Jetzt können die Versicherer bis zu fünf Prozent in Hedge-Fonds investieren.

Ich wünsche mir, dass es nicht dabei bleibt. Investoren brauchen neue Anlagestrategien für das neue Umfeld niedriger Renditen bei Aktien und Anleihen, um ihr Ertrags/Risikoprofil zu verbessern. Das erste Halbjahr lief für Hedge-Fonds zwar enttäuschend. In den Jahren davor zeigten sie aber, dass manche Strategien auch bei schlechten Börsen gute Erträge abwerfen können. Der traditionelle Fondsmanager muss dagegen auf seinen Beständen sitzen und die Verluste bedauern.

Warum sind fünf Prozent zu wenig?

Dafür lohnt sich der Aufwand des Prüfungsprozesses kaum. Außerdem macht sich eine so kleine Quote nicht nachhaltig im Portfolio bemerkbar. Zehn bis 20 Prozent wären angemessen.

Und das Risiko?

Hedge-Fonds sind ein Sammelbegriff für unterschiedlichste Strategien. Manche Arbitragestrategien sind extrem risikoarm. Warum sollten die nicht mit Quoten von über fünf Prozent erlaubt sein? Ein Beispiel: Die Wertschwankungen in traditionellen Aktienmärkten sind mehr als doppelt so hoch wie die Hedge-Fonds-Strategie Convertible Arbitrage, bei der Wandelanleihen eine wichtige Rolle spielen.

Das Ziel wären also Risikolimite auf Basis des Gesamtportfolios?

Richtig. Der Status quo ist: Fünf Prozent Limit für alle Hedge-Fonds und außerdem maximal ein Prozent für einen Einzel-Hedge-Fonds. Die denkbare Zukunft: Es gäbe beispielsweise eine Risikoklasse für Anleihestrategien in welchen Formen auch immer, seien es direkte Bondinvestments oder Strategien mit ähnlichem Risikoprofil. In diese Gruppe einbezogen wären auch die entsprechenden Arbitragekonzepte. Und es würde keine Rolle spielen, ob sie rein rechtlich als Hedge-Fonds angeboten werden oder diese wiederum in Zertifikate, Genussscheine oder Zerobonds "verpackt" sind.

Wer könnte sich dafür einsetzen?

Eine ganzheitliche Portfoliosicht könnten der Fondsverband oder der Versicherungsverband anschieben.

Welche Reformen wären noch wünschenswert?

Im zweiten Schritt könnte man Privatanlegern Einzel-Hedge-Fonds zugänglich machen. Getreu dem Motto: Freie Fahrt für freie Bürger. Ihnen ist bisher nur der Kauf von Dachfonds erlaubt, die mit Investments in Einzel-Hedge-Fonds die Risiken streuen sollen. Es ist aber nicht einzusehen, warum Private zum Beispiel risikoreiche klassische Aktienfonds für Tech-Werte in allen Volumina kaufen können, aber keine Einzel-Hedge-Fonds.

Die Fragen stellte Ingo Narat.

Ralf Lochmüller ist Partner von Lupus Alpha Asset Management in Frankfurt.

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