Nachgefragt: Uwe Johannhörster
"Momentan eine sinnvolle Strategie"

Uwe Johannhörster ist Gründer und Geschäftsführer von Concept Vermörgensmanagement. Im Interview spricht er über die Vor- und Nachteile von Outperformance-Zertifikaten.

Handelsblatt: Mit Outperformance-Zertifikaten fährt man nie schlechter als der Markt, verspricht die Werbung. Wo ist der Haken?

Das Versprechen gilt nur zum Zeitpunkt der Endfälligkeit des Zertifikats. Beim Kauf sollten Basispreis des Zertifikats und der Kurs des Basiswerts identisch sein, damit der Hebel nur in eine Richtung funktioniert, nämlich vom Basispreis aus nach oben. Der Kurs des Zertifikats verläuft später nicht zwingend linear zum Basiswert. Auch die überdurchschnittliche Partizipation ist damit nur zum Ende der Laufzeit sicher. Den eigentlichen Pluspunkt des Zertifikats, also den Hebel, müssen Anleger mit der fehlenden Dividende bezahlen.

Auch der Emittent will mit dem Papier Geld verdienen und baut für sich Margen in die Konstruktion ein. Wie können Privatkunden sehen, ob der Preis des Papiers fair ist?

Wie viel Marge in der Konstruktion steckt, können Anleger nicht nachvollziehen. Sie können aber ein Gefühl dafür entwickeln, ob der Preis eines Zertifikats stimmt, indem sie die Produkte miteinander vergleichen. Bei einigen Produktklassen, beispielsweise Discount- oder Indexzertifikaten, ist die Konkurrenz der Emittenten massiv zu Lasten der Margen gegangen. Bei diesen Papieren sind daher die Preisunterschiede zwischen den Emittenten gering.

Wie setzen Sie Outperformance-Zertifikate in der Vermögensverwaltung ein?

Sie sind ein Bestandteil in Beratung und Verwaltung - und in den vergangenen Monaten wichtiger geworden. Das ergibt sich aus dem aktuellen Marktumfeld. Call-Optionen sind jetzt am Markt sehr preiswert weil die Volatilität (Schwankungsbreite) gefallen ist. Deswegen ist die Strategie, Volatilität in Form von Calls zu kaufen zurzeit sinnvoll. Genau diese Strategie ist in den Zertifikaten enthalten. Außerdem sind die Dividenden gestiegen; dadurch haben die Banken mehr Spielraum für die Finanzierung der Optionen. Aus den Optionen wiederum berechnet sich der Hebel der Zertifikate.

Für welche Anleger eignen sich die Produkte?

Ob man Outperformance- oder Sprint-Zertifikate kauft, ist stark von der eigenen Marktmeinung abhängig. Der Kauf ist nur sinnvoll, wenn man von steigenden Märkten ausgeht. An Kurssteigerungen nimmt man überproportional teil, nach unten setzt man sich nur dem Marktrisiko aus.

Welche Laufzeit sollten Anleger wählen, die von steigenden Kursen ausgehen?

Wir raten im Privatkundengeschäft grundsätzlich zu zwölf Monaten plus X. Denn ab einer Haltefrist von einem Jahr sind die Gewinne steuerfrei. In der aktuellen Marktsituation würde ich bei Outperformern etwas längere Laufzeiten empfehlen, denn die Volatilität wird kaum weiter sinken.

Die Fragen stellte Daniel Zwick.

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