Nachgerechnet
Riesenrad-Fonds – ein Flopp für Anleger mit Ansage

Nach dem Flopp eines Riesenrad-Fonds klagen Hunderte Anleger. Die Deutsche Bank hat das Produkt federführend vertrieben. Doch andere Institute haben von Beginn an Warnzeichen gesehen. Ein internes Dokument zählt sie auf.
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DüsseldorfKürzlich ist mir eine Broschüre der Deutschen Bank in die Hände gefallen. Post für die Privatkunden aus dem Jahr 2006. „Eine runde Sache" heißt da ein kleiner Artikel, er empfiehlt ein Engagement in Riesenrädern. Es war der Anfang einer traurigen Geschichte, bei der Anleger viel Geld verloren haben und nach der heute noch mehrere hundert Klagen anhängig sind. „Erfahrene Initiatoren haben die Renditepotenziale dieses Marktes erkannt" so der Text in dem kleinen Deutsche-Bank-Artikel. Doch die Kreditabteilungen führender Geldhäuser haben die geplanten Aussichtsräder wohl damals schon kritisch gesehen, belegt ein interner Bericht. Kaum eine Bank war bereit, sie mitzufinanzieren. Der einzige Kredit, der zu horrenden Gebühren zugesagt wurde, ist später geplatzt. Am Ende wurde kein einziges Rad gebaut. Hätte die Deutsche Bank, die tausende Anleger in den Fonds gelockt hat, es nicht besser wissen müssen?

Zum Riesenrad in Peking, dem ersten geplanten Projekt, liegt dem Handelsblatt eine interne Einschätzung aus einer der damals angefragten Banken vor. Auch sie wollte keine Finanzierung bereitstellen. Gestört hatten schon mal die Kosten - für das Rad in Peking waren 180 Millionen Euro veranschlagt, mehr als doppelt so viel wie das London Eye gekostet hat. Gestolpert ist man über Posten wie etwa Entwicklungskosten (17,3 Millionen) hohe Provisionen der Fondsgesellschaft und horrende Bereitstellungsgebühren für den Kredit.

Unsicherheiten bestanden auch, ob auf die chinesischen Baupartner Verlass ist und sie das Projekt pünktlich fertigstellen können. Die Zuverlässigkeit der Einnahmeströme ist für finanzierende Banken besonders wichtig. Hier hatte die Prognose ein Immobilienunternehmen gemacht, erfahren bei Bürohäusern, nicht aber in der Freizeitbranche.

Besonders hatte auch die Organisationsstruktur irritiert. Gleich zwei Holdings wurden in Peking zwischen Geldgeber und Projektgesellschaft geschaltet. Die Fondsgesellschaft sagt, das sei aufgrund der dortigen Verhältnisse notwendig gewesen. Doch Kreditgeber fürchten, dass bei solchen Konstruktionen Geld in den einzelnen Ebenen versickert.

208 Millionen Euro sind bis auf 20 Millionen Euro und ein paar Grundstücke weg. Die ABN Amro Gruppe, zu der der Fonds gehörte, erstattete den rund 10.000 Anlegern nach dem Ende des Fonds 60 Prozent des Einsatzes. Die meisten haben die Offerte angenommen. Der Rest klagt auf Falschberatung. Katja Fohrer von der Kanzlei Mattil sagt, die Deutsche Bank habe nicht klar kommuniziert, dass sie zwölf Prozent Provision erhalten habe. Erkenntlich seien nur zehn Prozent.

Zehn Prozent, zwölf Prozent... wer 10.000 Euro angelegt hat, hat mindestens tausend Euro Provision bezahlt. Dafür darf man erwarten, dass die Bank die Risiken gründlich geprüft hat. Schließlich unterhält sie ja selbst große Analystenteams. Die Deutsche Bank sagt, alle Produkte würden vor Einführung auf ihre Geeignetheit für Privatkunden überprüft. Auch im Riesenradfonds "Global View" seien Chancen und Risiken ausführlich beleuchtet worden.

Ein Warnzeichen wäre wohl schon die Prospektstärke von 250 Seiten gewesen. Ehe ich mich da durchwühle, würde ich lieber in London Riesenrad fahren. Es steht schon und liefert wirklich beste Aussichten.

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  • Ja, da habe ich noch Glück gehabt mit meiner Investition in den Singapore Fyler, auch von ABM Anro initiiert. Dieses Rad dreht sich wenigstens, und ABM Amro hat nicht prolongierte Kredite übernommen. Von Ausschüttungen ist der Fonds aber weit entfernt, man kann froh sein, dass immerhin Umsätze generiert werden, um Kredit(e) zu bedienen.

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