Nachgerechnet: Wie die Deutsche Bank Tausende Anleger in Seenot brachte

NachgerechnetWie die Deutsche Bank Tausende Anleger in Seenot brachte

Einer der größten Schiffsfonds ist schon zum zweiten Mal in Not, 5.650 Anleger sind betroffen. Die Deutsche Bank hatte den Fonds exklusiv angeboten – als Experten bereits vor dem Einbruch der Branche warnten.
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DüsseldorfDer Anruf von der Deutschen Bank erreichte Birgit Wechsler (Name geändert) im Urlaub: „In Ihrem Depot ist ein Betrag freigeworden, wir hätten da was Interessantes für Sie“, erinnert sie sich. Das war im Sommer 2008. Der Berater habe sie überzeugt, dass ein Investment im Schiffsfonds „Nordcapital Bulkerflotte 1“ für Sie genau richtig sei. Sicher, langfristig, renditestark.

Sie zeichnete mit 30.000 Dollar. Heute bezweifelt sie, dass sie davon jemals etwas wiedersieht. Der riesige Fonds mit 5.650 Anlegern und einer Zeichungssumme von 170 Millionen Dollar ist schon zum zweiten Mal in Seenot. Es ist eines der prominentesten Beispiele für die Misere, in der sich viele Schiffsfondsanleger befinden. Sie haben viel Geld verloren, sie werden gebeten, nochmals Geld nachzuschießen um das Schlimmste zu verhindern und erfahren häufig genug, dass auch das nichts genützt hat.

Bulker sind Frachter, die Rohstoffe wie Eisenerz oder Kohle transportieren. Die Frachtraten waren hier bis 2008 explosionsartig gestiegen. Was Birgit Wechsler nicht wusste: Als sie den Fonds zeichnete, warnte das Fachblatt „Fondszeitung“ schon vor einem „Ende der Bulkerstory“. Es würden deutlich mehr Schiffe gebaut als gebraucht. Redakteur Wolfhart Fabarius sagt, er musste sich damals den Prospekt zur Bulkerflotte aus einer Deutsche-Bank-Filiale holen, weil das Emissionshaus nicht bereit war, die Informationen zu schicken. Man war offenbar schon nervös. Fabarius riet speziell auch von der Nordcapital Bulkerflotte ab. Teuer sei der Fonds, und der Prospekt rechne viel zu optimistisch. Er riet Anlegern, die Bulkerflotte „an sich vorbeischwimmen“ zu lassen.

Bei dem Fonds trafen dann die schlimmsten Befürchtungen ein. Die Frachtraten brachen ein, eine koreanischer Reeder, der sieben von neun Schiffen des Fonds fünf Jahre nutzen sollte, ging pleite. Im Sommer 2011 bat das Emissionshaus die Anleger im Rahmen eines Sanierungskonzepts um frisches Geld. Sie sagten 21 Millionen Dollar zu.

Vor ein paar Tagen erfuhren sie nun, dass derzeit mit den finanzierenden Banken um Stundungen der Kredite verhandelt würde. Das frische Anlegergeld ist offenbar auch schon weg.

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Anleger werfen häufig gutes Geld schlechtem hinterher

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  • Ich kann nur sagen, dass ich selbst von der Deutschen Bank betrogen wurde und dass ich manche Aussagen hier erschreckend finde. Wahrscheinlich wurden diese Berichte auch von Bankern verfasst. Zumindest von Personen, die wenig Skrupel haben

  • Ihre Anregungen für weitere Artikel, besonders zu den Themen Anwälte und zur Rolle der Banken bei der Abwicklung nehme ich gerne auf. Schreiben Sie an hussla@handelsblatt.com

  • Und Frau Merkel lässt sich i.S. europäischer Finanzpolitik von dieser Klique 'beraten'

    Hallelujah

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