Nebenwerte
Kleine Aktien ganz groß

In der Krise gerieten die Nebenwerte weltweit stark unter Druck, doch mittlerweile haben sie deutlich an Boden gut gemacht. Mehr noch. In Deutschland haben MDax und SDax den großen Bruder Dax deutlich überragt. Und das ist keine Überraschung.
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"Es ist generell so, dass Nebenwerte in der Krise früher und vor allem schneller fallen als Standardwerte", sagt Maximilian Kreitlmeier, Analyst bei Morningstar. "Im Aufschwung steigen sie dann auch zuerst und legen stärker zu." Immerhin 20 Prozent hat der Dax seit Jahresbeginn gewonnen. Doch viel besser war die Performance mit einem Plus von 31 Prozent beim MDax für mittelgroße Unternehmen. Und der 50 kleinere Werte umfassende SDax schaffte ein durchschnittliches Plus von 27 Prozent. Ein ähnliches Bild zeigt sich bei den europäischen Nebenwerten, der MSCI Europe Small Caps kletterte sogar um stolze 53 Prozent, bei den Mid Caps waren es 29 Prozent. Zum Vergleich: Der MSCI Europe legte 21 Prozent zu.

Anleger können mit verschiedensten ETFs auf Nebenwerte setzen. Das Angebot wurde in den vergangenen Monaten immer größer. Neben diversen Papieren auf die europäischen Börsenbarometer MSCI Europe und DJ Euro Stoxx, gibt es auch einige ETFs auf Small und Mid Caps einzelner Länder. Gerade kam die Credit Suisse mit ihrer Produktpalette auf den deutschen Markt. Davon setzen gleich vier Papiere auf die Kleinen aus Japan, Großbritannien, USA und natürlich aus Europa.

Rar ist das Angebot bei deutschen Indizes - das einzige ETF auf den MDax bietet Ishare. ETFs auf den SDax gibt es noch nicht. Viele der europäischen Nebenwerte-Indizes notieren übrigens in Dollar. Für europäsiche Anleger in Europa eher ungewöhnlich. ETFlab hat sich für einen besonderen Weg entschieden: Bei dem Produkt auf den MSCI Europe Mid Cap werden die Euro-Aktienkurse für den Index zwar in Dollar umgerechnet, für den ETF dann aber direkt wieder in Euro zurückgerechnet - zum gleichen Wechselkurs und ohne Geld-Brief-Spanne.

Wer auf die Börsenzwerge setzt, braucht allerdings gute Nerven. Die rasante Berg- und Talfahrt, die die Werte in den vergangenen Monaten hingelegt haben, erstaunt Analysten nicht. Aufgrund ihrer geringen Liquidität, kann es schon bei kleineren Kauf- und Verkaufsaufträgen zu heftigen Kursschwankungen kommen. "Die Ausschläge sind immer stärker", so Kreitlmeier. "Geht der Markt zurück, ziehen die Anleger bei den kleinen Werten zuerst das Geld ab und setzen auf die großen Unternehmen, die sie für krisenresistenter halten." Steigen die Kurse wieder, haben die Kleinen dann das größere Erholungspotenzial.

Bei den Anlegern zählen die deutschen Nebenwerte derzeit auch deshalb zu den Favoriten, weil sie von der weltweiten Konjunkturerholung überdurchschnittlich profitieren dürften. Außerdem erwarten Experten jüngsten Prognosen zufolge, dass Deutschland die Wachstumslokomotive in Europa sein wird. "Natürlich hilft ein höheres Wachstum den Unternehmen", sagt Kreitlmeier. Doch auch Rückschläge sind in den kommenden Monaten nicht ausgeschlossen, vor allem wenn die weltweiten Konjunkturpakete enden, könnten einige Unternehmen noch einmal in unruhiges Fahrwasser geraten. "Wir erwarten für das Jahr 2010 eine sogenannte Sägeblatt-Konjunktur", sagt Johannes Harbig, Leiter Bereich Privatkunden beim Bankhaus Lampe. "Das heißt, dass das erste Halbjahr relativ positiv verlaufen wird - auch für die Aktienmärkte. Wenn im zweiten Halbjahr die Konjunkturprogramme auslaufen, wird es schwieriger."

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