Nebenwerte
Kleine auf der Überholspur

Im Jubel um die Dax-Rekorde werden Nebenwerte oft vergessen. Dabei waren Firmen mit geringem Börsenwert zuletzt sogar die größeren Gewinner auf dem Parkett. Was hinter dem Erfolg steckt und wo sich Investieren lohnt.
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DüsseldorfAn Europas Börsen herrscht Euphorie: Nicht nur der deutsche Aktienindex Dax erreicht in dieser Woche mit mehr als 8800 Punkten ein neues Allzeithoch. Auch die 50 größten europäischen Unternehmen, gelistet im Euro Stoxx 50 Index, haben deutlich Boden gutgemacht. Beide Indizes, Dax und Eurostoxx, legten auf Jahressicht mehr als 21 Prozent an Wert zu. Doch waren in den vergangenen zwölf Monaten nicht nur große Unternehmen wie Continental oder Daimler, Santander oder L'Oréal - sogenannte Blue Chips - heiß begehrt.

Denn noch besser sind zuletzt die Nebenwerte gelaufen, solche Unternehmen also, die an der Börse bis zu zehn Milliarden Euro wert sind. Die erfolgreichsten Aktien aus der zweiten und dritten Reihe, also der Small und Mid Caps, sind für Deutschland im MDax der 50 größten Dax-Verfolger gelistet. Der Bezahlsender Sky und der Anlagerbauer Dürr etwa konnten auf Jahressicht ihren Kurs mehr als verdoppelt. Die Aktie des Baukonzerns Hochtief legte im selben Zeitraum um 75 Prozent an Wert zu. Im Schnitt gewann der MDax in den vergangenen zwölf Monaten mehr als 36 Prozent an Wert.

International zeigen zwei Referenzindizes Investoren die Richtung an. Der MSCI Europe Small Cap bildet die grundlegende Entwicklung europäischer Nebenwerte ab: Derzeit sind das 893 Unternehmen mit einem Börsenwert bis zu 6,35 Milliarden Euro. Der MSCI Global Small Cap umfasst dagegen weltweit zurzeit 4196 Unternehmen mit einem Börsenwert bis zu 3,4 Milliarden Euro. Während der globale Index in einem Jahr knapp 29 Prozent zulegen konnte, schafften der europäische Nebenwerte-Mix wie der MDax 36 Prozent. Experten gehen davon aus, dass das noch nicht das Ende der Geschichte war.

Denn einiges spricht dafür, dass Nebenwerte – in Europa und global – noch eine Zeitlang auf der Überholspur bleiben. Zwar bremsen die USA mit dem andauernden Streit um ihre Schuldenpolitik ihrer Konjunktur ab. Doch davon abgesehen bietet das derzeitige Marktumfeld den Nebenwerten vielerorts einen nährreichen Boden: „Small Caps profitieren immer dann, wenn es eine Volkswirtschaft aus der Rezession herausschafft“ sagt Erik Esselink, der bei der Investmentgesellschaft Invesco den globalen Nebenwerte-Fonds steuert.

„Wir sehen Investoren aus der ganzen Welt, die mit einer Erholung der Konjunktur in Europa oder den USA rechnen und jetzt die Small-Cap-Karte spielen.“ Es sind nämlich vor allem geringer kapitalisierte Unternehmen, die zu Beginn einer Hausse besonders billig sind – und damit interessant für Anleger, die ihr Geld zurück in altbekannte Währungsräume schichten wollen.

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