Neudefinition
Geldmarktfonds: Alles wird anders

Massive Abflüsse, wachsende Konkurrenz durch Indexfonds und Reputationsverlust: Die Folgen der Krise und der zunehmende Wettbewerb verändern die Bedeutung aktiv gemanagter Geldmarktfonds. Nach den Krisen-Erfahrungen der letzten Monate will die EU-Kommission jetzt diese Form der Kapitalanlage neu definieren.
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FRANKFURT. Das Vermögen in den aktuell 265 für alle Anleger offenen Publikums-Geldmarktfonds ist im vergangenen Jahr um ein gutes Drittel geschrumpft, hauptsächlich durch Abflüsse. Große Anbieter wie die DWS streichen bereits ihre Palette zusammen, andere warten auf eine neue Klassifkation für die Fondsklasse durch die EU.

In den ersten sieben Monaten des Jahres zogen die überwiegend institutionellen Anleger der Geldmarktfonds wie Pensionskassen oder Versicherungen Kapital in Höhe von knapp 17 Mrd. Euro ab - eine Rekordsumme. Im Juli flossen nach der am Donnerstag veröffentlichten Statistik des Fondsverbands BVI allein 5,8 Mrd. Euro ab. Aktuell gehen Investoren raus aus den Fonds, weil die Renditen aufgrund der gesunkenen Geldmarktzinsen unattraktiv sind, wie Anbieter berichten. Einen Teil des Geldes schichten Anleger demnach in chancenreichere Fonds wie Aktien- und Firmenanleihen-Fonds um. Darunter leiden aktiv gemanagte Fonds wie passive Indexfonds gleichermaßen. Doch insgesamt gibt es einen Trend hin zu passiven, Indizes nachbildenden Geldmarktfonds, wie Fondsberater beobachten. "Viele professionelle Anleger parken ihr Geld lieber in den billigeren, oft transparenteren Indexfonds", sagt Jan Altmann, Geschäftsführer von 4Assetmanagement.

Große Anbieter wie die Deutsche-Bank-Tochter dbx-tracker berichten trotz jüngster Abflüsse über deutlich gestiegenes Interesse an passiven Geldmarktfonds. "Durch die Krise sind Investoren aufgewacht", meint Werner Hedrich, Leiter Fondsresearch beim Fondsratinghaus Morningstar. Für Privatanleger seien aktiv gemanagte Geldmarktfonds ohnehin zu teuer, sagt er.

In der Krise hatten viele Fondsmanager auf der Jagd nach höherer Rendite Papiere mit forderungsbesicherten Anleihen gekauft, die in der Krise illiquide wurden und den Fonds Verluste bescherten. Dies beschädigte den Ruf der Geldmarktfonds als sicherer Geldparkplatz. Als Bundeskanzlerin Angela Merkel im vergangenen Herbst nach der Lehman-Pleite dann die Staatsgarantie auf Spareinlagen ausrief, Geldmarktfonds davon aber ausgenommen waren, zogen private wie institutionelle Anleger panisch Geld aus den Fonds ab - allein in der ersten Oktoberhälfte 23 Mrd. Euro. Einige Anbieter mussten ihre Fonds sogar stützen, um Anleger auszahlen zu können. Der Engpass ist vorüber: Da der Geldmarkt nicht mehr ausgetrocknet ist, können Anbieter nun wieder Fonds-Wertpapiere zu angemessenen Preisen verkaufen, um Fondsanteile zurückzunehmen.

Doch von dem Vertrauensverlust hat sich die Fondsklasse noch nicht erholt. Hinzu kommt, dass wegen der Abgeltungsteuer bestimmte Geldmarktfonds nicht mehr als Steuersparfonds verkauft werden können. Die Fondsanbieter überprüfen deshalb ihre Produkte. Der größte Anbieter für Publikumsfonds im Land, die Deutsche-Bank-Tochter DWS, räumt kräftig auf: "Bis Mitte 2010 verringern wir die Zahl der Geldmarktfonds um gut die Hälfte auf unter 20", sagt ein Sprecher. Andere große Anbieter wie Allianz GI schließen zwei von 21 Fonds, bei der Deka wurden zwei von elf dicht gemacht. Andere Häuser warten hingegen auf neue EU-Regeln für die Fondsgruppe. Bei der Unicredit-Tochter Pioneer, deren drei krisengeschüttelte Geldmarkt-Fonds nur noch einen Bruchteil früheren Kapitals managen, wartet man auf "neue Definitionen aus Brüssel".

Die EU-Kommission plant Regeln für Geldmarktfonds, im September soll es eine Anhörung geben. Der europäische Fondsverband Efama hat einen Vorschlag erarbeitet, wie die Fondsgruppe europaweit einheitlich definiert werden kann. Demnach soll es künftig zwei Gruppen von Geldmarktfonds geben: "kurzfristig anlegende" und "reguläre Geldmarktfonds". Chancen und Risiken je Gruppe werden genau abgesteckt.

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