Neue Produkte
Fonds entdecken Zertifikate

Anleger wollen beides: Rendite und Sicherheit. Die Kursabsicherungen in Zertifikaten traf daher den Nerv der Zeit und verhalf der Branche zu einem Boom. Aktien fristeten unter Privatanlegern nach den verlustreichen Erfahrungen des Crashs vor fünf Jahren ein Schattendasein, ebenso wie Aktienfonds. Nun schauen viele Investoren auf die gute Entwicklung der Aktien im vergangenen Jahr und wollen sich nicht mehr mit mageren Renditen am Geld- und Anleihemarkt bescheiden.

HB FRANKFURT. Fondsgesellschaften stellen sich darauf ein, indem sie Produkte mit Zertifikaten oder Zertifikatestrategien auf den Markt bringen.

„Private Anleger wie auch institutionelle Investoren mögen feste Renditeversprechen möglichst ohne Risiko“, sagt Joachim Meyer, Vorstand des Schweizer Beratungshauses Complementa Investment Controlling. Für immer mehr Fondshäuser liegt die Antwort darauf in Zertifikaten wie Discount- oder Bonuspapieren, die Anleger an Aktienmarktentwicklungen teilhaben lassen und einen Sicherheitspuffer gegen Kursverluste bieten. Die Fondsindustrie nutze die Chance, sich mit der boomenden Zertifikate-Branche zu verbinden, sagt Meyer. Die Fonds könnten leicht mit Zertifikaten werben und auf ihren Vorteil hinweisen, kein Emittentenrisiko zu bergen wie Zertifikate, meint Analystin Natalia Siklic von Morningstar. Bei einer Pleite eines Zertifikateanbieters müssen Anleger um ihr Geld bangen, während das Fondskapital unabhängig davon als externes Sondervermögen verwaltet wird.

Die Fondsgesellschaften nähern sich überwiegend der Zertifikate-Welt, indem sie Fonds auf den Markt bringen, die Zertifikate enthalten. Bislang gibt es laut Researchhaus Feri elf Zertifikatefonds, die vor allem auf Discountzertifikate setzen – Tendenz steigend. Denn die meisten großen deutschen Fondshäuser planen neue Zertifikate-Fonds. Als Vorreiter lobt Meyer die Deutsche-Bank-Tochter DWS, die vor kurzem einen Fonds auf Bonuszertifikate aufgelegt hat: „Der Fonds mit Sicherheitspuffer passt genau ins Nachfragegefüge.“

Auch die Allianz-Tochter Dit will in Kürze neue Fonds auf Zertifikate anbieten. Die Commerzbank-Tochter Cominvest und die HVB-Tochter Activest denken nach eigenen Angaben darüber nach. Keine Zertifikate-Fonds auflegen wollen hingegen Deka und Union Investment. Die Sparkassentochter Deka bildet solche Strategien über Derivate direkt ab, was nach Angaben von Chef-Produktmanager Dirk Degenhardt flexibler und kostengünstiger ist, als Zertifikate zu kaufen. Wenig von Zertifikaten in Fonds halten auch große ausländische Anbieter wie Fidelity oder Franklin Templeton. „Unser Kern-Geschäft ist das klassische Stockpicking“, sagt ein Fidelity-Sprecher.

Ob Zertifikate-Fonds zu einem Mega-Trend werden, bleibt nach Auffassung der Berater abzuwarten. „Die Frage ist, ob die bereits an Zertifikate gewöhnten deutschen Anleger die Extra-Gebühren für diese Fonds bezahlen wollen“, sagt Diana Mackkay, Chefin der Researchfirma Feri Funds Markets. Sie schätzt, dass sich die Fonds zumindest am Markt etablieren können. An Kosten fallen vergleichbar mit Aktienfonds bis zu 1,5 Prozent Managementgebühren an. Dazu kommen die Zertifikatekosten. Diese Fonds unterscheiden sich sehr in Strategien und Risikostruktur. S&P-Analyst Heiko Nitzsche sieht daher hohen Beratungsaufwand für den Vertrieb und fürchtet, dass die Kunden „die komplexen Produkte dennoch nicht verstehen“.

Aus Anlegersicht sind Zertifikatefonds dennoch zu begrüßen, wie Meyer meint. Denn nur Profis könnten den intransparenten Sekundärmarkt von Zertifikaten systematisch bearbeiten. „Das Problem bei Zertifikaten ist doch, dass sie zur Auflegung intensiv beworben werden und sich danach niemand mehr dafür interessiert“, sagt er. Siklic von Morningstar rät Anlegern aber abzuwarten, wie sich die Fonds entwickeln und vorerst allenfalls geringe Summen zu investieren.

Wandel durch Annäherung

Schulterschluss

Statt der jahrelangen Konfrontation wollen sich Fonds - und Zertifikateindustrie nun die Vorteile des Konkurrenten zu eigen machen.

Fonds

Die Anbieter legen vor allem Fonds auf, die stark oder nur Zertifikate kaufen. Discountzertifikate dominieren, neuerdings auch Bonuszertifikate. Beide sichern Anleger gegen leicht fallende Kurse ab. Bei Bonuszertifikaten hat der Investor voll an den Kursgewinnen teil, bei Discounttiteln sind die Gewinne begrenzt. Die DWS will direkt Zertifikate anbieten.

Zertifikate

Die Anbieter bringen Papiere auf den Markt, die auf Fonds setzen. Sie mischen verschiedene Anlageklassen oder gut bewertete Fonds.

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