Neue Regeln für Investmentfonds
EU-Markt wächst zusammen

Das Handelsblatt beleuchtet in einer Serie neue Regeln für Investmentfonds in Europa. Im ersten Beitrag steht der Standortwettbewerb im Mittelpunkt.

FRANKFURT. Die bestehenden Vorschriften für den europäischen Investmentfondsmarkt sollen überarbeitet werden. Im Herbst dürfte die EU-Kommission ihre Vorschläge vorlegen. Das Handelsblatt beschäftigt sich in einer vierteiligen Serie im Wochenrhythmus mit wesentlichen Diskussionspunkten bei der Schaffung eines europäischen Binnenmarktes für Fonds. Im ersten Beitrag steht der Standortwettbewerb im Mittelpunkt.

In den vergangenen Jahren wuchsen die einzelnen Fondsmärkte in Europa in unterschiedlichem Tempo. Mit an der Spitze liegen die Domizilierungszentren, die sich auf Verwaltungsaufgaben für Fonds und nicht das Portfoliomanagement konzentrieren. Führend sind hier die Länder Luxemburg und Irland, die das Fondsvermögen innerhalb von vier Jahren um 13 bzw. 21 Prozent pro Jahr steigerten.

„Einige reifere Länder wachsen dagegen auffallend langsam“, sagt Wolfgang Mansfeld, Vorstand Union Asset Management und Europa-Experte. Die Wachstumszahl für Deutschland über den erwähnten Zeitraum ist mit sechs Prozent schon gering. Zählt man nur die „echten“ deutschen Fonds, die im Heimatland aufgelegt und hier angeboten wurden, sind es sogar magere 1,5 Prozent jährlich. Die Differenz erklärt sich dadurch, dass deutsche Häuser häufig Produkte in Luxemburg für den Verkauf in Deutschland lancieren. „In dem Umweg liegt die eigentliche Standortfrage – das gilt auch für Italien und die Schweiz“, erläutert Mansfeld. Luxemburg hat eine lange Tradition als Standort mit flexibler Aufsicht und mit spezialisierten Dienstleistern für den grenzüberschreitenden Vertrieb.

Ein Verwaltungszentrum darf man nach Ansicht Mansfelds nicht als Standort für untergeordnete Aufgaben unterschätzen. „Am Standort muss die Depotbank sein; häufig sind dort auch die Fondsbuchhaltung und das Risikomanagement ansässig – das ist dann schon relativ nahe am Portfoliomanagement“, sagt der Union-Mann. Einige Anbieter etablierten in Luxemburg jetzt auch vertriebsunterstützende Stellen. Im Standortwettbewerb mischen zunehmend andere kleine Länder mit. „Vor allem Anbieter aus dem deutschsprachigen Raum wählen zur Auflage häufiger Liechtenstein“, sagt Matthias Voigt, Präsident des nationalen Anlageverbandes. Laut Insidern könnten in Zukunft auch Malta und Zypern Ambitionen entwickeln. Der Standort Luxemburg probt derweil die Expansion. „Wir wollen unsere Produkte stärker in Asien und in Lateinamerika anbieten“, sagt Robert Hoffmann, Generaldirektor des Luxemburger Fondsverbandes Alfi. Luxemburger Fonds würden schon in über 140 Ländern angeboten.

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