Neue Standards und Marktentwicklung bewirken Umdenken
Institutionelle kaufen Publikumsfonds

Viele am Kapitalmarkt tätige Unternehmen müssen bis spätestens 2007 ihre Bilanzierung auf die internationalen Rechnungslegungsstandards IAS/IFRS umstellen. Danach sind die in der institutionellen Vermögensverwaltung üblichen, maßgeschneiderten Spezialfonds ähnlich aufwändig wie Unternehmensbeteiligungen in der laufenden Berichterstattung des Unternehmens zu berücksichtigen. Durch den Einsatz von Publikumsfonds entfällt der Zwang zur Vollkonsolidierung nach IFRS, wenn der Investor keinen maßgeblichen Einfluss auf das Sondervermögen hat und weniger als die Hälfte besitzt.

Hinzu kommt die größere Popularität des Core-Satellite-Ansatzes. Hier werden diversifizierte Anlagen mit hohen Ertragserwartungen um einen Kern gebildet, der zumeist aus passiven Komponenten besteht. Der Kern übernimmt das Marktrisiko, während die sorgfältig ausgesuchten kleineren Satelliten für überdurchschnittliche Performance sorgen sollen. Werden Publikumsfonds als Satelliten eingesetzt, so lassen sich diese wesentlich leichter austauschen als herkömmliche Mandate.

Außerdem lassen sich auch kleinere Engagements mittels Publikumsfonds realisieren. Die Auflage eines Spezialfonds erfordert dagegen in der Regel ein Mindestvolumen von rund 25 Mill. Euro. Diesen Vorteilen stehen die vergleichsweise hohen Gebühren der Publikumsfonds entgegen. Dazu kommt ein höherer Portfolioumschlag und damit höhere Transaktionskosten, verursacht durch die laufenden Mittelzu- und -abflüsse.

Hat sich der Anleger für das Vehikel Publikumsfonds entschieden, stellt sich die Frage, wie die passenden Fonds gefunden werden sollten. In der Praxis werden dabei häufig Publikumsfondsdatenbanken herangezogen, was jedoch das Problem des so genannten „Cherry Picking“ nach sich zieht: Man findet tatsächlich sehr schnell das beste Produkt in seiner Klasse, welches hinsichtlich Rendite und Risiko am attraktivsten erscheint. Aber aufgepasst: Dieser Zusammenhang gilt für die Vergangenheit und leider häufig nicht für die Zukunft.

Für eine professionelle Selektion von Publikumsfonds bietet sich ein dreistufiges Auswahlverfahren an, bei dem im ersten Schritt Composite-Daten analysiert werden. Ein Composite umfasst sämtliche gleichartig gemanagte Mandate eines Asset-Managers. Verwaltet also ein Vermögensverwalter zwei Aktienmandate mit dem Schwerpunkt europäische Aktien, von denen das eine während der vergangenen fünf Jahre den Stoxx 600 um drei Prozent-Punkte pro Jahr geschlagen hat, während das zweite Mandate die selbe Benchmark um drei Prozentpunkte pro Jahr underperformt hat, so weist das Composite für diesen Zeitraum eine neutrale Performance auf. Mit einer auf Composites zugeschnittenen Datenbank lässt sich also sehr schnell herausfinden, welche Fondsgesellschaft in welcher Asset-Klasse eine besondere Expertise besitzt.

Im zweiten Schritt werden dann die Investmentprozesse und die jeweiligen Fondsprodukte der selektierten Asset-Manager mittels eines maßgeschneiderten Fragebogens und eines darauf abgestimmten Scoring-Modells analysiert, bevor im dritten Schritt die Häuser und Produkte im Rahmen individueller Präsentationen begutachtet werden, um so schließlich das am besten geeignete Produkt zu selektieren. Ein solcher umfassender Due-Dilligence-Prozess, der in besonderem Maße qualitative Aspekte bei der Fondsauswahl mit einbezieht, ist für den Anleger natürlich teurer als die Nutzung einer kommerziellen Fondsdatenbank – er liefert aber Vertrauen in die eigene Entscheidung und macht sich in der Regel schnell bezahlt.

Publikumsfonds werden in Zukunft für einige institutionelle Anleger zur ernsthaften Alternative von Spezialfonds. Allerdings bleibt der Einsatz oft ein Kompromiss: Nicht immer ist der standardisierte Publikumsfonds ohne die Möglichkeit einer Einflussnahme auf Ausschüttungen oder Anlagepolitik für das jeweilige Anlageziel geeignet. Die Frage „Publikumsfonds oder Spezialfonds“ lässt sich also keinesfalls pauschal beantworten und wird deshalb zunehmend von Institutionellen Anlegern gestellt.

Der Autor, Jochen M. Kleeberg, ist Geschäftsführer der Alpha Portfolio Advisors GmbH in Bad Soden/Taunus.

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