"Nicht nur für grüne Exoten"
Großinvestoren fördern Reform der Aktienanalyse

Umweltschutz, Mitarbeiterführung und Wertschöpfung durch Fusionen gewinnen an Bedeutung. Nachhaltige Wirtschaft heißt der Faktor, der auch für Analysten immer mehr an Bedeutung gewinnt.

HB BERLIN. Führende europäische institutionelle Investoren legen Wert auf umfassende Aktienanalysen, die Aufschluss darüber geben, ob Unternehmen nachhaltig wirtschaften. Broker, die diese Angaben zusätzlich zur klassischen Aktienanalyse liefern, erhalten von den Branchengrößen ab 2005 mindestens fünf Prozent von deren Provisionen für Transaktionen – bis zu fünf Mrd. Euro. In solche Analysen fließt auch die Bewertung der Unternehmensführung ein, außerdem die der Mitarbeiterführung sowie Umweltgesichtspunkte und die Wertschöpfung oder -zerstörung durch Fusionen und Übernahmen.

An dem Projekt namens „Enhanced Analytics Initiative“ (EAI) beteiligen sich Vermögensverwalter, Pensionsfonds und Stiftungen mit einem gesamten verwalteten Vermögen von 364 Mrd. Euro. Darunter sind die französische BNP Paribas Asset Management sowie die zur Allianz gehörenden Institute Deutscher Investment Trust (Dit), Dresdner Bank Investment Management (DBI), die britische RCM und die französische AGF Asset Management, ferner der niederländische Pensionsfonds PGGM als einer der größten der Welt und der britische USS als einer der größten Europas. Elf weitere Institute erwägen, sich der im Oktober gegründeten Initiative anzuschließen; eine größere skandinavische Fondsgesellschaft hat diese Woche bereits unterzeichnet.

Die klassische Aktienanalyse sei zu sehr auf kurzfristige Verkaufsinteressen und Quartalsergebnisse konzentriert, lautet ihre Kritik. Dies sei das entscheidende Hindernis für Investoren, zu einer langfristigen, vollständigeren Beurteilung unternehmerischer Leistungen zu kommen. „Die EAI-Mitglieder haben durch das eigene Research im Bereich nachhaltiger Geldanlagen festgestellt, dass soziale und ökologische Themen auch für das klassische Aktiengeschäft wichtig sind“, erläutert Dit-Portfolio-Manager Felix Schnella. Zudem verlangten große Kunden solche Informationen zunehmend.

„Nichtfinanzielle und immaterielle Werte und Leistungen können einen signifikanten Anteil am Unternehmenswert haben, insbesondere auf längere Sicht“, meint USS-Investmentchef Peter Moon. Broker vernachlässigten diese aber. Aktuelles Beispiel sind Finanzbelastungen durch den Handel von Kohlendioxid-Verschmutzungsrechten. „Die Analysten haben das Thema erst spät entdeckt, obwohl es lange absehbar war“, sagt Schnella.

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