Noch Potenzial in der zweiten und dritten Reihe
Broker stürzen sich auf Nebenwerte

Die fulminante Kursentwicklung der deutschen Nebenwerte in den vergangenen Jahren sowie Börsengänge viel versprechender kleinerer Unternehmen locken zunehmend internationale Investoren an. Daher haben in- und ausländische Institute nach einer Untersuchung des US-Analysehauses Starmine ihr Aktienresearch in diesem Bereich kräftig ausgebaut.

FRANKFURT. So erweiterten internationale Banken vor allem ihre Analyseabteilungen für mittelgroße Aktien aus dem Index MDax. Viele deutsche Häuser, deren Schwerpunkt ohnehin auf dem Heimatmarkt liegt, intensivierten ihre Analyse mittelgroßer und kleiner Aktien aus den Indizes MDax, SDax und dem technologielastigen TecDax.

Starmine nahm 31 Institute unter die Lupe. Mit Blick auf den MDax analysieren zwei Drittel der Banken mehr Titel als vor zwei Jahren. "Im Durchschnitt haben die Broker die Zahl der beobachteten Aktien um knapp ein Viertel auf 27 Titel gesteigert", sagte Stuart McLean, Leiter des Europa-Geschäfts von Starmine, dem Handelsblatt. Am stärksten ausgebaut haben ihre Analyse zwar deutsche Häuser wie die Hypo-Vereinsbank, NordLB oder WestLB, die den 50 Werte umfassenden Index mit 46 beziehungsweise je 44 Aktien fast vollständig abdecken. Aber internationale Broker wie Merrill Lynch oder UBS analysieren inzwischen immerhin rund die Hälfte der MDax-Werte, Goldman und Citigroup kommen auf 20 bzw. 19. "Wir haben unser Analystenteam vergrößert, um unsere Coverage europäischer Small- und Mid-Caps, darunter deutsche Nebenwerte, zu erweitern", sagt Gary Baker, stellvertretender Leiter des Aktienresearchs Europa, Mittlerer Osten und Afrika bei Merrill Lynch.

Im SDax mit 50 kleinen deutschen Aktien mit einer Marktkapitalisierung von derzeit 80 Mill. bis 930 Mill. Euro stieg die Zahl der analysierten Titel sogar um fast die Hälfte auf durchschnittlich zwölf. Im Technologie-Index TecDax beobachten die Analysten jetzt im Mittel elf der 30 Titel, 15 Prozent mehr als 2004. Zahlreiche Banken stellten dafür zusätzliche Analysten ein. So haben etwa Citigroup, Deutsche Bank, Merrill Lynch, Dresdner Kleinwort und Sal. Oppenheim ihre Researchteams für Nebenwerte aufgestockt. Als neue Sektorschwerpunkte nennen die Häuser vielfach alternative Energien wie Solarenergie und Immobilien.

Für die Banken wird das Analysieren deutscher Aktien generell interessanter. "Auslandsinvestoren schauen stärker auf die deutsche Makro-Story", sagt Kai Kaufmann, Leiter des Aktienresearch Deutschland bei Dresdner Kleinwort. "Fondsmanager, vor allem Hedge-Fonds interessieren sich jetzt zunehmend für mittelgroße und kleine Werte", ergänzt McLean. Denn bei den Standardtiteln werde es immer schwerer, dem Kerngeschäft von Hedge-Fonds entsprechend, Ineffizienzen auszunutzen. Daher wendeten sie sich nun den etwas weniger liquiden Aktien zu.

Andere Fondsmanager, die bei ihrer Aktienauswahl stärker als Hedge-Fonds die Marktentwicklung nachvollziehen , dürften ihr Interesse an deutschen Nebenwerten weiter verstärken, wenn sich die Kurse fortgesetzt überdurchschnittlich entwickeln, argumentiert Lothar Weniger, Leiter des Aktienresearch der DZ Bank.

Der Trend zu Nebenwerten dürfte Firmen wie Anleger freuen: Das zunehmende Interesse stützt tendenziell die Kurse. Und Firmen erleichtert es die Refinanzierung, wenn die eigenen Aktien gefragt sind.

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