Noch sind Verwalter kaum in Edelmetallen investiert
Fondshäuser suchen Gold

Die Hausse der Rohstoffpreise läuft bereits sechs Jahre, aber nur wenige Vermögensverwalter haben mit darauf zielenden Produkten reagiert. „Einige große Häuser springen auf den Zug, aber viele Adressen haben das Thema noch nicht gespielt“, sagt Achim Küssner, Deutschland-Chef von Blackrock. Vor allem kleine Verwalter arbeiten derzeit an Fondsauflagen.

FRANKFURT. Laut Barclays Capital haben Großanleger wie Pensionsfonds, Stiftungen oder Investmentfonds ihre Engagements in den vergangenen Jahren zwar rasant auf rund 100 Mrd. Dollar aufgestockt. Doch die Summe verblasst vor der Größe des internationalen Vermögensverwaltungsmarktes, den die Consultingfirma Watson Wyatt auf 53,6 Billionen Dollar taxiert.

Die Analyse der Publikumsfonds in Europa führt zu ähnlichen Resultaten. Nach Berechnungen von Feri FMI in London bieten die Anlagefirmen fast 36 000 Produkte an. Davon sind nur 199 auf Rohstoffanlagen und dort meist auf Aktien der Branche ausgerichtet. Von diesen wiederum konzentrieren sich lediglich 32 auf Edelmetallaktien, das ist nicht einmal ein Promille des Marktes. Im bisherigen Jahresverlauf setzten die Anbieter europaweit netto für fast 232 Mrd. Euro Anteilsscheine ab. Davon flossen nur knapp elf Mrd. Euro in rohstoffbezogene Produkte und nicht einmal eine Mrd. Euro in Produkte für Edelmetallaktien.

An den europäischen Fondsvermögen von 4,8 Bill. Euro, sind Rohstoffe insgesamt nur mit 0,8 Prozent beteiligt. Blackrock als Käufer der Fondssparte von Merrill Lynch hat hier übrigens eine dominierende Stellung. Das Rohstoffteam von Graham Birch verwaltet über 17 Mrd. Dollar in entsprechenden Fonds. Merrill war früh dabei. Das gilt auch für den ehemaligen Hedge-Fonds-Manager und bekannten Investor Jim Rogers. Er macht sich seit Jahren für Rohstoffe stark und glaubt, dass die Hausse noch viele Jahre dauert.

Jetzt bereiten vor allem kleine Anbieter neue Produkte vor. Den Minenwerten verhaftet bleibt Werner Ullmann, Chef der Firma Euromerica Resource Advisors. Er verfügt über einen Edelmetallfonds und lanciert mit der Vermögensverwaltung Advice Portfolio Management, die Anleger beim Kauf von Explorationswerten berät, einen auf dieses Segment spezialisierten Fonds. „Außerdem kommt bald ein Silberaktienfonds“, sagt Ullmann.

In andere Richtungen zielen die Pläne der 3 000 Kunden zählenden Heidelberger Vermögensverwaltung. Gründer Günther Luitz sagt: „Wir arbeiten an einem Goldsparplan mit Auslieferungsanspruch des Metalls, außerdem an einer Versicherungspolice, die in Rohstofffonds investiert und auch physische Bestände halten kann.“

Unter Verwaltern von Edelmetallportfolios findet der Standort Deutschland wenig Freunde. Die meisten Fonds werden wegen größerer Anlagefreiheiten in Luxemburg oder an anderen Plätzen aufgelegt. Das gilt erst recht bei den auch in physischen Beständen anlegenden Fonds – weil dies nach deutschem Recht unzulässig ist.

So residiert Jürg Schatz als Vorstand der Perfect Management Services in Liechtenstein. Er hält das kleine Land als Standort mit Rechtssicherheit und Eigentumsgarantie für ideal. Schatz bietet einen auf Edelmetallaktien und physisches Metall konzentrierten Fonds an, außerdem ein ausschließlich auf Silber und Silberwerte ausgerichtetes Produkt. „In absehbarer Zeit will ich Großanlegern einen nur in physischem Metall anlegenden Fonds anbieten.“

Erst am Montag gab der bekannte Vermögensverwalter Jens Ehrhardt, der 6,8 Mrd. Euro managed, eine Kooperation mit der Wilhelm Peinemann Vermögensbetreuung bekannt. Die Partner bieten im Rahmen einer Gesellschaft bürgerlichen Rechts eine Einkaufsgemeinschaft für Edelmetalle in Barren- und Münzenform an. „Gold, aber auch Rohstoffe stehen erst am Anfang des so genannten Rohstoff-Superzyklus“, argumentiert Ehrhardt, dessen Firma auch mit einem Aktienfonds für Ressourcenwerte im Rennen ist.

Der Ehrhardt-Vorstoß illustriert das wachsende Interesse am Besitz des physischen Metalls. Ein Beispiel liefert die ebenfalls als Gesellschaft bürgerlichen Rechts organisierte Einkaufsgemeinschaft von Jürgen Müller, der vor einem Jahr mit 18 Gesellschaftern startete. Jetzt gibt es bereits 164 Teilhaber mit 1,5 Mill. Euro Vermögen. Müller lagert die Silberbarren in deutschen Bankschließfächern. „Aber mit dem Handel und der Lagerung von Gold haben wir jetzt eine Bank in Liechtenstein beauftragt.“

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