Novum
Société Générale heizt Preiskampf bei ETFs an

Die französische Großbank Societe Generale heizt den Preiskampf beim Vertrieb von börsengehandelten Fonds (ETF) an. Als erster Anbieter in Deutschland will deren Vermögensverwaltungstochter SGAM beim Vertrieb ihrer Exchange Traded Funds Provisionen zahlen.

HB FRANKFURT. "Wir zahlen 50 Prozent der Management Fee", sagte Katrin Müller, Produktmanagerin bei SGAM, am Donnerstag bei einem Pressegespräch in Frankfurt. Die Management Fee sind die vom Anleger zu zahlenden jährlichen Verwaltungskosten.

Branchenkenner sprachen von einem "Sündenfall". Die bei anderen Fondskategorien durchaus übliche Praxis, dem Vertrieb Provisionen zu zahlen, ist bei ETFs ein Novum. Da die wie Aktien an der Börse gehandelten Fonds die Renditeentwicklung eines Referenz-Index nachbilden, gelten sie als liquide, transparent und eben auch sehr kostengünstig. Entsprechend sind die vom Anleger zu zahlenden Verwaltungskosten im Vergleich zu anderen Fondsprodukten sehr niedrig. Der Verkauf von Aktienfonds beispielsweise setzt üblicherweise einen höheren Beratungsbedarf des Kunden und höhere Kosten für das Fondsmanagement voraus.

"Da ETFs ja frei über die Börse handelbar sind, ist das wohl eine Art Bestandsvergütung", sagte ein Branchenkenner. "Mit ihrem Vorgehen will die SGAM offensichtlich einen Kaufanreiz für institutionelle Anleger schaffen und sie dazu bringen, das Volumen zu erhöhen."

Für ihre drei seit Oktober an der Deutschen Börse notierten ETF-Fonds stellt der französische Vermögensverwalter dem Anleger jährliche Verwaltungskosten von 0,6 Prozent in Rechnung. Der zur Deutschen Bank gehörende Konkurrent db xtrackers verlangt nach eigenen Angaben im Schnitt 0,3 Prozent für seine Fonds. Vertriebsprovisionen würden generell nicht gezahlt, sagte ein Sprecher. "Wir zahlen keine Vertriebsprovision und denken auch nicht darüber nach", reagierte auch der Geschäftsführer der ETFlab Investment GmbH, Michael Langmack. Die Verwaltungsgebühren der Münchener Gesellschaft liegen den Angaben zufolge zwischen 0,15 und 0,65 Prozent.

Exchange Traded Funds gehören europaweit zu den am stärksten wachsenden Anlageformen. Auf Quartalsbasis hat sich einer Statistik der Reuters-Fonds-Tochter Lipper zufolge das Volumen des in europäischen ETFs verwalteten Vermögens von April bis Juni erstmals auf mehr als 100 Milliarden Euro erhöht. Einer Untersuchung der französischen Wirtschaftsuniversität EDHEC zufolge nutzen inzwischen fast 80 Prozent der institutionellen Investoren ETFs für Aktieninvestments.

Wegen ihrer Transparenz und der geringen Kosten werden vor allem Versicherungen und Pensionsfonds von der stetig wachsenden Anbieterschar als Kunden umworben. Kaum erreicht wird dagegen bislang der Privatanleger. Branchenkenner begründen es bislang damit, dass die Vermittler keinen Anreiz haben, ETFs den Kunden zu verkaufen. "Das Vorgehen der SGAM könnte der Versuch sein, das zu ändern", sagte der Branchenkenner.

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