Öl Norwegischer Staatsfonds macht Verluste wett

Im laufenden Jahr musste der norwegische Staatsfonds historische Verluste hinnehmen. Im dritten Quartal waren es 29 Milliarden Euro. Alles halb so wild, erklärt Geschäftsführer Slyngstad. Das Jahr werde positiv enden.
Die Erträge aus Norwegens Ölbranche werden in den „Statens Pensjonsfonds Utland“ überführt. Sie sollen auch künftigen Generationen den Wohlstand wahren. Quelle: dpa
Norwegische Ölbohrinsel in der Nordsee

Die Erträge aus Norwegens Ölbranche werden in den „Statens Pensjonsfonds Utland“ überführt. Sie sollen auch künftigen Generationen den Wohlstand wahren.

(Foto: dpa)

DüsseldorfYngve Slyngstad ist optimistisch. Norwegens 800 Milliarden Euro schwerer Staatsfonds werde seine Verluste aus dem zweiten und dritten Quartal bis zum Jahresende wieder wettmachen. Das zumindest behauptet der CEO des Fonds. Die Entscheidung, Anleihen zu verbannen und dafür stärker in Aktien und Sachanlagen zu investieren, hätte sich ausgezahlt.

Gerade vor dem Hintergrund der wahrscheinlichen US-Zinserhöhung in der kommenden Woche sieht der Norweger eine „herausforderndes Umfeld für Investitionen“. Er zeigt sich dennoch überzeugt: „Wir haben sämtliche Verluste aus den vergangenen zwei Quartalen wieder reingeholt. Auch dieses Jahr wird also positiv für den Fonds enden.“

Durch schwächelnde chinesische Aktien sowie die Aussicht auf eine Zinserhöhung in den USA verloren die internationalen Finanzmärkte Billionen von Dollar. Darunter litt auch der norwegische Staatsfonds. Denn der soll die Einnahmen aus der Ölwirtschaft international investieren. Auf diese Weise soll der Wohlstand des Landes auch für die Zeit nach dem Öl-Boom garantiert werden. Doch in den vergangenen Monaten verzeichnete der sogenannte „Statens Pensjonsfond utland“ (zu Deutsch: Staatlicher Rentenfonds Ausland) seine größten Verluste seit vier Jahren. Allein im dritten Quartal verlor er 29 Milliarden Euro.

Diesen Öl-Konzernen laufen die Anleger weg

OMV AG INHABER-AKTIEN O.N.

WKN
ISIN
AT0000743059
Börse
Xetra

-0,73 -1,52%
+47,40€
Chart von OMV AG INHABER-AKTIEN O.N.
OMV
1 von 12

Als einer der wenigen Konzerne hat es der österreichische Öl- und Gaskonzern OMW bisher erfolgreich geschafft, dem Preisverfall an den Ölmärkten die Stirn zu bieten. Die Aktien konnten seit Jahresanfang über 15 Prozent zulegen. Zwar brach der bereinigte Gewinn im dritten Quartal um 25 Prozent auf 495 Millionen Euro ein. Experten hatten jedoch mit deutlich höheren Verlusten gerechnet. Abgefedert wurden die sinkenden Erträge in der Ölförderung von einem starken Raffineriegeschäft.

Kursentwicklung: + 15,2 Prozent

TOTAL S.A. ACTIONS AU PORTEUR EO 2,50

WKN
ISIN
FR0000120271
Börse
Xetra

+0,41 +0,86%
+47,23€
Chart von TOTAL S.A. ACTIONS AU PORTEUR EO 2,50
Total
2 von 12

Der französische Öl-Konzern Total sieht angesichts der jüngsten Opec-Konferenz nicht unter Druck. Das läge vor allem daran, dass der derzeitige Ölpreis vieles davon schon eingepreist habe. Allerdings ist der Blick in die Zukunft alles andere als zuversichtlich. 2016 erwartet Total keine Erholung beim Ölpreis. Im kommenden Jahr werde die Fördermenge weiterhin über der Nachfrage liegen. „Ich bin nicht sehr optimistisch für 2016“, sagte Total-Chef Patrick Pouyanne. Die Aktien haben sich im laufenden Jahr bislang wacker geschlagen. Seit Jahresanfang liegen die Papiere leicht im Plus.

Kursentwicklung (seit dem 1. Januar 2015): + 0,8 Prozent

ENI S.P.A. AZIONI NOM. O.N.

WKN
ISIN
IT0003132476
Börse
Xetra

+0,11 +0,80%
+13,81€
Chart von ENI S.P.A. AZIONI NOM. O.N.
Eni
3 von 12

Effizienzsteigerung ist beim italienischen Ölförderer Eni derzeit oberstes Gebot. Zuletzt hatte sich der Konzern daher von der portugiesischen Galp Energia getrennt. Eni verkaufte seinen Vier-Prozent-Anteil für 325 Millionen Euro. Das Geld soll in Investitionen ins Kerngeschäft von Randgesellschaften fließen. Die Aktien haben den Preisverfall an den Rohölmärkten bisher recht gut verkraftet. Analysten der UBS und von Goldman Sachs halten ihre Kaufempfehlungen für die Eni-Aktien daher bei.

Kursentwicklung: - 1,8 Prozent

HALLIBURTON CO. REGISTERED SHARES DL 2,50

WKN
ISIN
US4062161017
Börse
Xetra

-0,23 -0,60%
+38,75€
Chart von HALLIBURTON CO. REGISTERED SHARES DL 2,50
Halliburton
4 von 12

Der zweitgrößte US-Öldienstleister Halliburton muss neben der Flaute in der Energiebranche auch zunächst die Übernahmekosten des Rivalen Baker Hughes verdauen. Im dritten Quartal schrieb der Konzern daher einen Verlust von 54 Millionen Dollar. Im Vorjahr hatte Halliburton noch einen Gewinn von 1,2 Milliarden Dollar erwirtschaftet. Der US-Konzern beliefert Ölförderer mit Ausrüstung. Der Investitionsrückgang der großen Ölkonzerne macht Halliburton daher stark zu schaffen.

Kursentwicklung: - 7,0 Prozent

STATOIL ASA NAVNE-AKSJER NK 2,50

WKN
ISIN
NO0010096985
Börse
FSE

+0,16 +0,87%
+18,70€
Chart von STATOIL ASA NAVNE-AKSJER NK 2,50
Statoil
5 von 12

Der norwegische Ölkonzern sucht fieberhaft nach Möglichkeiten seine Kosten zu drücken, um trotz des Ölpreisverfalls eine Dividende auszahlen zu können. Daher will Statoil im kommenden Jahr seine Ausgaben zur Erforschung neuer Ölquellen und Produktionsmethoden senken. „Unsere Aktivitäten werden im nächsten Jahr abnehmen“, erklärte der Chef der Statoil-Forschungsabteilung Tim Dodson.

Kursentwicklung: - 9,8 Prozent

BP PLC REGISTERED SHARES DL -,25

WKN
ISIN
GB0007980591
Börse
Xetra

+0,02 +0,35%
+5,38€
Chart von BP PLC REGISTERED SHARES DL -,25
BP
6 von 12

Unter dem Öl-Überangebot leidet auch die britische BP. Seit dem 1. Januar haben die Aktien über 15 Prozent verloren. Das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) bewegt sich derzeit bei 14,9. Im kommenden Jahr rechnen die Experten mit einem KGV von 15,3. Doch angesichts der Entwicklungen auf den Öl-Märkten muss mit einem weiterhin sinkenden Preis gerechnet werden. Dementsprechend geringer dürfte der BP-Gewinn 2016 ausfallen. Ein KGV von 15,3 könnte daher als gewagte Prognose verstanden werden. Bei BP überwiegen derzeit die Abwärtsrisiken die Aufwärtschancen.

Kursentwicklung: - 15,4 Prozent

EXXON MOBIL CORP. REGISTERED SHARES O.N.

WKN
ISIN
US30231G1022
Börse
Xetra

+0,20 +0,32%
+62,35€
Chart von EXXON MOBIL CORP. REGISTERED SHARES O.N.
Exxon Mobil
7 von 12

Auch der größte Ölkonzern der Welt kann dem Preisverfall kaum etwas entgegensetzen. Im laufenden Jahr haben die Aktien von Exxon Mobil fast 17 Prozent verloren. Der Gewinn fiel im dritten Quartal um satte 47 Prozent auf 4,2 Milliarden Dollar. Obwohl das Unternehmen die Produktion zum Vorjahr leicht steigerte, blieb wegen des massiven Preisrückgangs bei Rohöl viel weniger Geld in der Kasse. Exxon hält mit kräftigen Ausgabenkürzungen dagegen. „Wir legen den Fokus schonungslos auf die Fundamentaldaten, dazu zählt das Kostenmanagement“, erklärte Vorstandschef Rex Tillerson.

Kursentwicklung: - 16,9 Prozent

Die Turbulenzen an den Finanzmärkten stellen die Strategie des Fondsverwalter Slyngstad auf die Probe. Das liegt nicht zuletzt an den Negativzinsen vieler Länder. „Jeder Investor muss darüber nachdenken, wie er sich am Markt positioniert“, sagt Slyngstad. „Wir haben uns entschieden, Anleihen zu reduzieren. Gleichzeitig investieren wir stärker in Aktien und Immobilien. Und es ist gut möglich, dass wir das auch weiterhin tun.“ Im Verlauf der vergangenen fünf Jahre habe der Fonds seine Anleihen „dramatisch reduziert“, sagte Slyngstad.

Künftig seien auch Investitionen in Infrastruktur denkbar. „Eine der großen Fragen dabei ist: In welchem Markt und in welcher Höhe sollen wir in diesem Bereich investieren?“ Die norwegische Zentralbank, die die Aufsicht über den Fonds hält, wird dazu noch im Dezember seine Empfehlungen aussprechen – oder von den Investments abraten.

Der norwegische Staatsfonds ist der größte Staatsfonds der Welt. Dank der in den vergangenen zehn Jahren steigenden Ölpreise ist er um das Sechsfache gewachsen. Doch die Erträge aus der Ölbranche fallen mit dem Preis für den Rohstoff. Gleichzeitig könnten schon im kommenden Jahr die staatlichen Zuschüsse für den Fonds versiegen. Haushaltsentwürfe aus dem Oktober legen nahe, dass die Regierung erwägt, 440 Millionen Dollar aus dem Fonds abzuziehen. Das Geld, das aus Ölerträgen des Landes stammt, soll stattdessen genutzt werden, um die Norwegens schwächelnde Konjunktur abzufedern.

Diese Rohstoffpreise sind im freien Fall
Platz 20: Stahl
1 von 21

Kein anderer Rohstoff hat von Januar 2015 bis November 2015 so stark nachgegeben wie Stahl. Die Verluste belaufen sich auf fast 40 Prozent. Verantwortlich für den Preisverfall ist die absackende Nachfrage aus China. Zudem etabliert sich das Reich der Mitte immer mehr als Stahlanbieter, denn -nachfrager. Der Preis für eine Tonne des Rohstoffs nähert sich daher dem tiefsten Stand seit zehn Jahren. Eine Stabilisierung der Preise ist dennoch nicht in Sicht. Die Stahlhersteller rechnen auch im kommenden Jahr mit fallenden Preisen.

Preisentwicklung (seit Jahresanfang 2015 bis Ende November 2015): - 38,5 Prozent

Platz 19: Erdgas
2 von 21

Der bisher milde Winter sorgt für einen Nachfragerückgang beim Erdgas. Industriegase-Unternehmen wie Linde leiden darunter.

Preisentwicklung: - 33,4 Prozent

Platz 18: Platin
3 von 21

Die hohen Fördermengen südafrikanischer Minen drücken den Platinpreis. Im Jahr 2015 hat sich das Edelmetall zeitweise um über 30 Prozent verbilligt. Rohstoffexperten erwarten jedoch im kommenden Jahr eine Preiserholung. Denn die Nachfrage nach Platin aus dem Automobil- und Industriesektor wird 2016 aller Voraussicht nach steigen.

Preisentwicklung: - 32,4 Prozent

Platz 17: Palladium
4 von 21

Nach dem VW-Abgasskandal erlebte Palladium eine kurzfristige Hausse. Denn Palladium ist einer der Bestandteile, die die Autohersteller in ihre Dieselkatalysatoren verbauen. Die Kurserholung hielt allerdings nicht lange an. Denn wie Platin leidet auch Palladium unter einem Überangebot. Doch im Gegensatz zu Platin rechnen Analysten im Jahr 2016 nicht mit einer Erholung der Palladiumpreise, da die Nachfrage in China wahrscheinlich zurückgehen wird.

Preisentwicklung: - 31,7 Prozent

Platz 16: Eisenerz
5 von 21

Der Nachfragerückgang bei Stahl wirkt sich unmittelbar auf die Eisenerzpreise aus. Denn Eisenerz ist ein elementarer Bestandteil bei der Stahlproduktion. Der Preis rutschte daher mit 39,28 Dollar pro Tonne auf den tiefsten Stand aller Zeiten. „Die Stabilisierung der chinesischen Stahlpreise sind der Schlüssel für einen Stimmungsumschwung am Eisenerz-Markt“, schrieben die Analysten der ANZ Bank in einem Kommentar. „Um dies zu erreichen, muss die Branche aber ihren Ausstoß verringern.“ Doch genau das tut sich nicht. Dahinter steckt ein Verdrängungswettbewerb. Das Kalkül: Die größeren Rohstoffunternehmen wollen kleine Rivalen entweder aus dem Markt drängen oder einverleiben.

Preisentwicklung: - 29,8 Prozent

Platz 15: Kaffee
6 von 21

Die Baisse an den Rohstoffmärkten macht auch vor Kaffee nicht halt. Doch die Zeichen stehen gut, dass sich der Preis künftig erholen könnte. Denn aufgrund des Wetterphänomens El Niño wird die Produktion in Kolumbien zurückgehen. Die weltweite Nachfrage hingegen geht kaum zurück und dürfte in den Wintermonaten 2015/16 noch steigen, da der Kaffeekonsum in der kalten Jahreszeit in der Regel zunimmt.

Preisentwicklung: - 28,7 Prozent

Platz 14: Kupfer
7 von 21

China fragt nicht nur weniger Stahl nach. Auch Kupfer ist bei chinesischen Unternehmen nicht mehr so begehrt. Das liegt vor allem am Wachstumsrückgang im Reich der Mitte. Selbst chinesische Kupferunternehmen drosseln bereits ihre Kupferproduktion, weil sie im eigenen Land immer weniger Abnehmer finden. 200.000 Tonnen wollen die Konzerne im Jahr 2016 weniger produzieren. Aus diesem Grund ist 2016 allenfalls mit einer Stabilisierung des Preises zu rechnen.

Preisentwicklung: - 27,6 Prozent

  • mats
  • Bloomberg
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