Ölkonzerne und Atomkraft
Wie schmutzig die sauberen Fonds sind

Nachhaltige Fonds versprechen mehr als sie leisten. Die Grünen fordern deshalb Mindeststandards und klarere Definitionen. Bei den Fondsanbietern stößt das auf Ablehnung, fördert aber auch konstruktive Ideen.
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DüsseldorfAnbieter nachhaltiger Kapitalanlagen wünschen sich schon seit Jahren mehr Aufmerksamkeit. Dank der Studie mit dem spitzen Titel „Von ethischen Maschinenpistolen und ökologischem Uranabbau“, die im Auftrag der Bundesfraktion der Grünen erstellt worden ist, haben sie diese jetzt bekommen.

Unglücklich nur, dass es wieder einmal keine positiven Meldungen waren. Die Studie zeigt, dass der Begriff „Nachhaltigkeit“ extrem dehnbar ist. In Fonds, die ethische, soziale und ökologische Kriterien als Basis für ihr Investment angeben, finden sich auch Hersteller von Kampfhubschraubern und Waffen sowie Betreiber von Atomkraftwerken und Ölbohrungen. Jeder Anbieter legt ethische, ökologische und soziale Kriterien eben anders aus.

Das Fazit der Grünen-Studie sorgt in der Branche für heftige Abwehrreaktionen. Einen gesetzlichen Mindeststandard oder ein Siegel lehnen die meisten Anbieter ab. Die Fraktionsvorsitzende der Grünen in Bayern, Margarete Bause, hält dagegen: „Wir brauchen eine Vergleichbarkeit und das geht nur mit klaren Kriterien, die man dann an die Vergabe eines Siegels knüpfen kann.“

Es ist nicht das erste Mal, dass das heitere Bild der nachhaltigen Geldanlage getrübt wird. Die Enthüllungen kommen im Jahrestakt: Im April 2011 kam durch das Unglück in Fukushima ans Licht, dass auch Fonds mit Anspruch auf Nachhaltigkeit in den japanischen Atomkonzern Tepco, den Betreiber des Fukushima-Atomkraftwerks, investiert hatten. Und etwa ein Jahr davor führte die Explosion einer Ölplattform von BP im Golf von Mexiko dazu, dass der Ölkonzern aus dem Dow Jones Sustainability Index und verschiedenen anderen nachhaltigen Fonds verbannt wurde.

Die Fondsanbieter sind dennoch gegen ein Siegel. „Einen einheitlichen – und, wie im Moment diskutiert, extrem strengen – Standard für nachhaltige Fonds lehnen wir ab“, sagt Andreas Knörzer, Leiter Asset Management bei der Privatbank Sarasin. „Dieser würde die Wahlmöglichkeiten der Anleger zu stark einschränken, das Risiko nachhaltiger Fonds aufgrund stark abnehmender Diversifikationsmöglichkeiten erhöhen und somit schlussendlich dazu führen, dass Nachhaltigkeit zu einer kleine Nische in der Kapitalanlage verkümmert.“

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  • Wie gesagt, ich manage mein Portfolio selbst und bin dabei noch nie schlechter gefahren als die Fonds (was evtl. auch was heissen mag bzgl. der Fonds im Allgemeinen).

  • Wann werden die Ököfaschisten endlich lernen wie Welt- und Volkswirtschaft funktioniert. Ein Trauerspiel was zur Zeit in Deutschland passiert. Ich wünsche den Grünen die bundesweite Abwahl aus allen Parlamenten, bevor unsere "noch" gut funktionierende Wirtschaft zugrunde geht.

  • Wer diesen Öko-Firlefanz als Anlagekriterium ernst nimmt, sollte sein Geld lieber aufs Sparbuch legen.

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