Ölkrise
Abu Dhabi könnte seinen Staatsfonds plündern

Öl-Unternehmen beschert der niedrige Ölpreis Milliardenverluste, ölreichen Staaten Lücken im Haushalt. Nun will sich offenbar Abu Dhabi aus seinem Staatsfonds bedienen, um das eigene Defizit zu reduzieren.

Abu Dhabi/DüsseldorfDer Staatshaushalt für das Jahr 2016 steht noch nicht, da holt Abu Dhabi sein Defizit schon ein: 13,2 Prozent betrug die Lücke im vergangenen Jahr, in diesem Jahr sollen es erneut elf Prozent sein, kalkuliert die Ratingagentur Fitch. Etwa die Hälfte der Wirtschaftsleistung des Emirats stammt aus dem Ölgeschäft.

Nach den Informationen von Fitch soll das Problem wohl schon gelöst sein: Das Emirat am Persischen Golf will offenbar seinen Staatsfonds Abu Dhabi Investment Authority (ADIA) anzapfen. Das Anlagevermögen soll von 460 Milliarden Euro im Jahr 2014 bis zum Ende dieses Jahres auf 435 Milliarden Euro sinken, um damit die Lücken im Haushalt zu füllen. ADIA gehört zu den größten Staatsfonds der Welt.

Um gegen das Staatsdefizit vorzugehen, könnte die Regierung Abu Dhabis ebenso Staatsanleihen begeben, sowohl auf dem heimischen Markt als auch in Fremdwährungen. Das Finanzministerium des Emirats führe dazu intensive Gespräche mit der Zentralbank und Geschäftsbanken, berichtet Fitch. Ganz frisch ist die Idee nicht: Mit Anleihen kämpft auch der größte Ölförderer der Welt, Saudi-Arabien, gegen sein Staatsdefizit.

Fitch glaubt, dass Abu Dhabi in diesem Jahr Anleihen in Höhe von 40 Milliarden Dirham, etwa zehn Milliarden Euro, auf dem heimischen Markt begeben könnte. 2017 könnte die Summe auf 60 Milliarden Dirham (15 Milliarden Euro) steigen.

„Der Verfall bei den Ölerträgen hat den Reformwillen in den Vereinigten Arabischen Emiraten angefacht. Davon profitiert Abu Dhabi, das den größten Beitrag zum Budget liefert“, erklärte Fitch. Die Wirtschaft der Vereinigten Arabischen Emirate, die aus insgesamt sieben Emiraten bestehen, hängt zu etwa einem Drittel vom Ölgeschäft ab. Obwohl Abu Dhabi mit der Hälfte seiner Wirtschaftsleistung noch stärker vom Öl abhängt, bescheinigt die Ratingagentur Fitch dem Emirat eine gute Schuldenfähigkeit mit „AA“ und glaubt auch künftig an eine stabile Entwicklung.

Abu Dhabi ist nur das neueste Mitglied in einer Reihe von Ölförderländern, die wegen des niedrigen Ölpreises zu den Reserven in ihren Staatsfonds greifen. Regierungen von Moskau über Riad bis hin zu Oslo tun es ihnen gleich. Sie alle leiden unter der Krise, die durch ein Überangebot am Ölmarkt ausgelöst wurde und nun von der schwächelnden Wirtschaft Chinas – einem der wichtigsten Nachfrager – noch befeuert wird.

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