Ölpreis-Hausse lockt Spekulanten an
Hedge-Fonds setzen auf den Energiesektor

Der Rohölmarkt ist zum Paradies für Spekulanten geworden. Die steigenden Energiepreise haben eine bunte Horde von Investoren angelockt – auch solche, die sonst von Rohstoffen die Finger lassen.

WSJE NEW YORK. Ihr fieberhaftes Treiben lässt die Preise weiter nach oben schießen. Gestern kostete ein Barrel Rohöl der Marke Brent 44,30 Dollar. Ohne die Spekulanten läge der Rohölpreis bei etwas über 40 Dollar je Barrel, schätzt ein Experte.

Die Spekulanten profitieren von der Volatilität der Energiepreise , indem sie bei ihren Investmentstrategien Fremdkapital nutzten und zum Beispiel Derivate einsetzen. Unter den Gewinnern sind neben bekannten Hedge-Fonds auch Ableger einst großer Energiehändler wie Enron und Ölmarkt-Veterane wie Boone Pickens. Aber auch die Investmentbanken und Brokerhäuser der Wall Street wollen den Zug nicht verpassen. Sie engagieren sich verstärkt per Eigenhandel im Energiesektor. Und sie vermarkten aggressiv Produkte, die auf energielastigen Rohstoffindizes basieren. Die Adressaten sind Pensionsfonds in Amerika, Europa und Asien, die sich in den vergangenen Monaten auf den Energie-Bereich verlegt haben.

Die Energiepreise sind seit mehr als zwei Jahren kontinuierlich gestiegen. Die Gründe liegen in der wachsenden Nachfrage auf Grund der globalen Wirtschaftserholung, in der Angst vor Lieferschwierigkeiten im Nahen Osten und in den begrenzten Raffineriekapazitäten.

Seit etwa einem Jahr spekulieren die Investoren verstärkt auf einen Preiszuwachs. Bis zuletzt haben Hedge-Fonds und vergleichbare Investorengruppen an der Energie- Terminbörse Nymex rund 28 Prozent aller Futures-Kontrakte auf steigende Rohölpreise ausgerichtet. Anfang 2002 beliefen sich sich die „Long“-Positionen noch auf weniger als 13 Prozent. Die Spekulationen auf fallende Ölpreise sind auf 21 Prozent aller Kontrakte gesunken, gegenüber 28 Prozent an „Short“-Positionen vor drei Jahren.

Nach Ansicht von Analysten sind die Spekulanten in die Rolle von Grenzkäufern geschlüpft und heizen damit den Preisauftrieb weiter künstlich an. Dem generellen Aufwärtstrend, der auf breitere Marktfaktoren wie etwa die verstärkte Nachfrage zurückzuführen sei, werde wenig entgegengesetzt.

Der Einfluss der Finanzinvestoren auf den Markt wird vermutlich noch zunehmen. Eine ganze Reihe namhafter Investmentfirmen hat sich in großem Stil auf den Energiehandel gestürzt. Der drei Milliarden Dollar schwere Londoner Hedge- Fonds Rubicon Fund Management LLP hat dafür eigens William Callanan angeworben, einen ehemaligen Händler des Soros Fund. Auch andere Hedge-Fonds wie Citadel Investment Group, Vega Asset Management und Ritchie Capital Management LLC durchkämmen den Markt nach erfahrenen Energiehändlern.

Die Investmentbank Morgan Stanley kündigte an, von Anadarko Petroleum für 775 Mill. Dollar die Rechte auf 24 Mill. Barrel Rohöl zu kaufen, die in den nächsten vier Jahren gefördert werden sollen. Schon 2003 hatte die Bank Erdöl- und Erdgasreserven im Golf von Mexiko für 300 Mill. Dollar von Apache Corp übernommen. Ziel von Morgan Stanley ist es, Aktiva im Energiesektor tatsächlich zu besitzen und nicht nur für Kunden oder auf eigene Rechnung zu handeln.

Es ist schwierig, die Rolle der Finanzinvestoren genau zu belegen, doch ihr Einfluss wächst eindeutig. „Finanzkapital spielt am Ölmarkt eine große Rolle. Die Investoren haben Zugang zu mehr Kapital als traditionelle Energiehändler", sagt ein ehemaliger Enron-Direktor.

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