Österreichische Fondsgesellschaften
Kurze Wege, langer Atem

Österreichische Fondsgesellschaften heimsen seit Jahren überproportional häufig Fondspreise ein. Man könnte es sich einfach machen und derlei Erfolge auf die Kursexplosion der Wiener Börse und die geografische Nähe zu den Boomländern Osteuropas schieben. Tatsächlich aber punkten österreichische Gesellschaften in Disziplinen, in denen sie keine Standortvorteile besitzen.

DÜSSELDORF. Auf den ersten Blick wirkt das Büro-Interieur wie das einer Allianz-Agentur auf dem Land. Doch hier in der österreichischen Hauptstadt, im gutbürgerlichen 13. Bezirk Hietzing, wo die Straßen zwischen den Jugendstilvillen baumgesäumt und die Rentnerdichte höher ist als in jedem anderen Wiener Stadtteil, hier verwaltet Gerhard Hoffmann einen Investmentfonds mit dem unprätentiösen Namen „E+S Erfolgs-Invest“. Das ist kein gewöhnlicher Fonds, sondern der nach dem Urteil von Standard & Poor’s beste von 108 flexiblen Mischfonds des vergangenen Jahres – die, wohlgemerkt, auf dem deutschen Markt angeboten werden.

„Gemeinsam mit einem Anlageausschuss von acht Mitgliedern tagen wir alle zwei Wochen. Hier ist jeder willkommen, der gute Ideen hat“, sagt Hoffmann. – Acht Manager? Vierzehntägliche Sitzungen? Jeder willkommen? Das klingt nicht gerade nach der Betriebsamkeit jung-dynamischer Fondsmanager, die ihr Ohr stets in Hörweite des Marktes haben. Doch das Geheimnis des Erfolges lautet im Wiener Schmäh des Geldverwalters: „Nur kane Wön“ – bloß keine Wellen schlagen!

Begeben wir uns also auf Spurensuche in Wien: Österreichische Fondsgesellschaften heimsen seit Jahren überproportional häufig Fondspreise ein. Vier der 18 Plätze auf den Treppchen der Gruppenwertungen gingen im Rahmen des Standard & Poor's Fund Awards 2007 an Gesellschaften aus Österreich – jeder neunte Sieg im Segmentvergleich gegen die weltweite Konkurrenz von 120 Gesellschaften auch. Der britischen Branchendienst Citywire kürte Peter Pühringer und Christian Hirschmann von der Wiener ZZ Vermögensverwaltung im vergangenen Jahr zu den besten Fondsmanagern Europas. Auch in den Ranglisten der besten Investmentgesellschaften des Bad Homburger Analysehauses Feri Trust sind die österreichische Fondsgesellschaften wie Raiffeisen Capital Management, Erste Sparinvest (ESPA) und Volksbank Invest auf Spitzenplätze abonniert.

Man könnte es sich einfach machen und derlei Erfolge auf die Kursexplosion der Wiener Börse und die geografische Nähe zu den Boomländern Osteuropas schieben. So schloss vergangene Woche die Immobilienholding Immoeast eine Kapitalerhöhung ab, mit der sie sich an der Wiener Börse knapp drei Milliarden Euro besorgt hat. Der größte Börsengang in Deutschland – ein achtmal größerer Investmentmarkt als Österreich – seit dem Jahr 2000 war nicht halb so groß.

Tatsächlich aber punkten österreichische Gesellschaften in Disziplinen, in denen sie keine Standortvorteile besitzen. Etwa im Segment der Misch- und Anleihenfonds. „Wir haben in vielen Märkten bereits seit 20 Jahren eine gute Expertise, treten aber erst seit kurzem im Ausland auf. Zudem ist der Wettbewerbsdruck auf dem heimischen Markt enorm hoch“, sagt etwa Mathias Bauer, Chef von Österreichs größter Investmentgesellschaft, Raiffeisen Capital Management. Mehr als die Hälfte der im heimischen Österreich zugelassenen Fonds stammt aus dem Ausland.

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