Offene Fonds
Ein Vorzeigeprodukt schreibt rote Zahlen

Vom Musterknaben zum Pechvogel: Knapp 50 Jahre lang lief für die deutschen offenen Immobilienfonds alles wie am Schnürchen - stetig wuchs die Zahl derer, die ihr Spargeld den Immobilienprofis den Banken anvertrauten. Doch seit einigen Jahren geht es nun abwärts.
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DÜSSELDORF. Fast 46 Jahre lang lief für die deutschen offenen Immobilienfonds alles wie am Schnürchen: Jahr für Jahr wuchs die Zahl derer, die ihr Spargeld den Immobilienprofis der großen deutschen Banken und Sparkassen anvertrauten. Die investierten das Geld der Kleinanleger zumeist in große Bürogebäude, später auch in Shoppingcenter, Hotels oder Logistikhallen.

Den Anlegern brachte das schöne Erträge: Über einen Zeitraum von 30 Jahren betrachtet, rentierten sich offene Immobilienfonds mit durchschnittlich 5,3 Prozent pro Jahr, hat der Branchenverband BVI aktuell ermittelt. Nicht schlecht für eine Anlageform, die anders als die Anlage in Aktien als besonders sicher galt.

Aufregung in der Branche

Doch als Ende 2005 die Deutsche-Bank-Tochter DB Real Estate - sie heißt heute Rreef - erstmals die Rücknahme von Anteilen an ihrem Fonds Grundbesitz Invest (heute Grundbesitz Europa) aussetzte, sorgte das in der gesamten Branche für helle Aufregung. Inzwischen hat der Fonds Grundbesitz Invest viele Nachahmer gefunden. Klar ist jedenfalls, dass die offenen Immobilienfonds in der harten Realität des Finanzmarkts angekommen sind.

"Ausschließlich positive Renditen wird es in Zukunft nicht mehr geben", schrieb Barbara Knoflach, Chefin des Fondsanbieters SEB Asset Management, der Branche der offenen Immobilienfonds ausgerechnet bei deren 50-Jahr-Feier im vergangenen Herbst ins Stammbuch. Die gerade veröffentlichte Statistik gibt ihr recht: Die durchschnittliche Einjahresperformance des Vorzeigeprodukts rutschte erstmals mit 0,6 Prozent ins Minus - eine Folge der schlechten Wertentwicklung zweier Degi-Fonds und des Morgan Stanley P2 Value.

Anleger allerdings, die sich im Überschwang der deutschen Wiedervereinigung eine Eigentumswohnung irgendwo zwischen Rügen und Erzgebirge kauften, mussten Schlimmeres hinnehmen: 30 667 Euro haben jene durchschnittlich verloren, die sich seit Ende der 80er-Jahre an überteuerten Ostimmobilien beteiligten. Insgesamt schätzt die Verbraucherzentrale Bundesverband die Zahl dieser Geschädigten auf 300 000.

Für Steffen Sebastian, Professor am Lehrstuhl für Immobilienfinanzierung an der Universität Regensburg, gibt es auch deshalb für Immobilienanleger "keine bessere Anlageform" als die offenen Fonds. Zwar könnten Immobilienaktien eine Alternative sein, dabei müssten Anleger aber deutlich höhere Schwankungen und ein entsprechend höheres Risiko in Kauf nehmen. Und was ist mit dem eigenen Haus? Das ist immerhin die einzige Geldanlage, in der man wohnen kann.

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  • Der begriff "Pechvogel" ist wohl reichlich deplaziert. Vieles was hier schief gelaufen ist, beruht im Wesentlichen auf Unvermögen und mangelnder fachlicher Kompetenz der für die immobilien-investments zuständigen Verantwortlichen.

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