Offene Immobilienfonds
Regierung will Fonds-Anleger schützen

Mit einem neuen Gesetz will die Bundesregierung den Markt für offene Immobilienfonds stabilisieren. Grund sind die Verwerfungen der vergangenen Monate, ausgelöst durch die Flucht der Anleger aus den Produkten. Künftig sollen Investoren ihre Anteile länger halten müssen. Auch die Fonds müssen bei der Bewertung der Immobilien Änderungen vornehmen.
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HB BERLIN. Die Bundesregierung will die in der Finanzkrise ins Straucheln geratenen Offenen Immobilienfonds wieder auf festen Grund stellen. Das Kabinett verabschiedete am Mittwoch einen Gesetzentwurf, der den Anlegerschutz verbessern soll. Darin wird eine zweijährige Haltefrist für Fonds-Anteile vorgeschrieben. Das soll plötzliche Geldabflüsse verhindern, mit denen Profianleger mehrere Fonds 2008 in eine Liquiditätskrise gebracht hatten. Um Kleinanleger zu schonen, sind Beträge von bis zu 5000 Euro pro Monat und Anleger davon ausgenommen.

Offene Immobilienfonds waren in Deutschland lange Zeit eine beliebte Anlageklasse. Sie bieten auch Privatanlegern die Chance, in Immobilien zu investieren, ohne selbst Bauherren zu sein. Bisher gilt die Regel, dass die Investoren ihre Anteile jederzeit zurückgeben und so ihr Geld wiederbekommen können.

Neben der Haltefrist werden künftig für zwei weitere Jahre gestaffelte Abschläge bei der Rückgabe von Anteilen fällig. Ab dem fünften Jahr soll die Rückgabe den Investor dann nichts mehr kosten. Mit der Novelle des Investmentgesetzes wird außerdem die Frequenz zur Bewertung der Immobilien erhöht. Für Fonds, deren Anteilrücknahme ausgesetzt wird und bei denen keine Aussicht auf eine nachhaltige Wiedereröffnung besteht, wird ein verbessertes Verfahren zu ihrer geordneten Abwicklung eingeführt.

Wegen der plötzlichen Geldabflüsse sind einige Fonds seit fast zwei Jahren eingefroren und müssen demnächst wegen gesetzlicher Vorschriften wieder öffnen, um nicht abgewickelt zu werden. So hatte kürzlich der Immobilienfonds P2 Value der US-Bank Morgan Stanley erklärt, er bereite seine Wiedereröffnung vor. Dabei müssen sich die Anteilseigner allerdings auf herbe Verluste ihrer Anteilswerte einstellen.

Die Änderungen bei den Offenen Immobilienfonds sind Teil eines umfassenderen Anlegerschutzgesetzes. Mit ihm wird unter anderem bei der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) eine Datenbank eröffnet, bei der Geldinstitute ihre Anlageberater, Vertriebsverantwortlichen und so genannten Compliance-Beauftragten registrieren und deren angemessene Qualifikation bestätigen müssen.

Bei schwerwiegenden Verstößen gegen anlegerschützende Vorschriften sollen Institute die betroffenen Mitarbeiter bis zu zwei Jahre nicht mehr in ihren Positionen einsetzen dürfen. Vorgesehen sind darüber hinaus Bußgelder.

Es sollen auch für alle Banken verbindliche Kurzinformationsblätter für private Investoren eingeführt werden. Die wesentlichen Informationen über das Finanzprodukt wie Risiken, Erträge und Kosten sollen auf dem sogenannten Beipackzettel verständlich formuliert sein. Bankkunden sollen anhand dieser Beipackzettel verschiedene Angebote vergleichen können. Die Finanzaufsicht soll über die Handhabung der Informationsblätter wachen.

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