Offene Immobilienfonds verlieren Schein der Sicherheit
Schlechte Nachricht für die Anleger

Nach dem Zusammenbruch der Aktienmärkte Anfang des Jahrzehnts flüchteten viele Anleger in vermeintlich sichere Anlageformen - wie zum Beispiel offene Immobilienfonds.

HB FRANKFURT. Für deutsche Privatinvestoren versprach ein solches Investment solide Renditen. Dass auch die Immobilienmärkte starken Schwankungen unterliegen - in der Wolkenkratzer-Metropole Frankfurt war vor kurzem ein Leerstand von 17 Prozent zu verzeichnen - mussten sie erst schmerzhaft lernen. Nach den Schwierigkeiten eines Immobilienfonds des Sparkassen-Fondsgesellschaft Deka im vergangenen Jahr traten die Anleger die Flucht aus der Anlageklasse an. Erstmals muss nun ein Fonds sogar vorübergehend geschlossen werden - und das ausgerechnet beim Branchenprimus Deutsche Bank.

Nach einem Vertriebsstopp setzte die größte deutsche Bank am Dienstag auch die Rücknahme der Anteile am Fonds „grundbesitz-invest“ mit einem Volumen von zuletzt 6,1 Milliarden Euro aus. Im abgelaufenen Geschäftsjahr zogen Anleger knapp 1,5 Milliarden Euro aus dem Fonds ab, der vor allem in deutsche Gewerbeimmobilien investiert. Zuletzt soll sich dieser Trend noch beschleunigt haben.

Denn derzeit bewerten externe Sachverständige die Immobilien im Fonds-Portfolio neu. Nach einem Bericht der „Börsen-Zeitung“ könnte die Höhe der Wertberichtigungen zwischen 200 und 600 Millionen Euro liegen - eine weitere schlechte Nachricht für die Anleger. Damit keine Panik ausbricht, wurde der Fonds kurzerhand geschlossen.

Betroffen sind nach Einschätzung von Helmut Knepel, Geschäftsführer beim renommierten Bad Homburger Analysehaus Feri Rating & Research, vor allem die älteren Fonds, die sich zudem auf den Kauf deutscher Bürohäuser spezialisiert haben. Solche Immobilien bereiteten in den vergangenen Jahren ihren Eigentümern wenig Freude.

Eine allgemeine Krise der offenen Immobilienfonds vermag Knepel indes nicht zu erkennen. Die Wahrnehmung einer Krise geht wohl vor allem auf die Probleme eines Deka-Immobilienfonds 2004 zurück, der auch auf Versäumnisse im Management zurückzuführen war. Die Bank musste dem Fonds kräftig unter die Arme greifen. Weil Deka-Vorstandschef Axel Weber laut über eine Schließung nachgedacht hatte, nahm er am Ende sogar seinen Hut.

Der Fall verdarb Anlegern den Spaß an der Vermögensklasse: In den ersten drei Quartalen 2005 zogen sie laut Branchenstatistik netto 196 Millionen Euro aus den Fonds ab, während 2004 noch 3,685 Milliarden Euro in die offenen Immobilienanlagen geflossen waren (2003: 14,354 Mrd Euro).

Ein unausgesprochenes Gesetz ist bisher, dass die Fonds keine Wertverluste verzeichnen dürfen und jederzeit wieder einlösbar sind. „Man hat sich daran gewöhnt, dass sie ähnlich wie Renten- oder Geldmarktpapiere funktionieren“, kritisiert Experte Knepel. Der Struktur der Fonds, die langfristig gebundenes Vermögen verwalten, werde dies aber nicht gerecht.

Mit der Maßnahme der Deutschen Bank könnte die Branche nach Ansicht von Fachleuten nun vor einem Umbruch stehen. Knepel rät Anlegern, sich des Marktrisikos bewusst zu sein, Immobilien aber als Investment nicht grundsätzlich zu verschmähen.

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