Offene Immobilienfonds
Zu viele Anleger für zu wenige Immobilienfonds

  • 0

Welchen Vorteil Altfonds haben

Deswegen geht Knorr ganz generell davon aus, dass die Renditen der Offenen Immobilienpublikumsfonds „eher abnehmen werden“. Zum einen wegen der teuren Ankäufe, zum anderen weil die Zinsen vorerst niedrig bleiben und deswegen Liquidität keine Rendite abwirft. Zurzeit beträgt die durchschnittliche Jahresrendite 2,3 Prozent, ermittelte Scope. Die neuen Fonds könnten besser abschneiden als die vor 2013 aufgelegten.

„Neue Fonds versprechen eine höhere Rendite, gepaart mit einem höheren Abwertungsrisiko für ihre Immobilien“, sagt Sonja Knorr. Und das steckt dahinter: Die neuen Fonds kaufen zwar in einem boomenden Markt zu gemessen an den Mieteinnahmen besonders hohen Preisen. Doch sie müssen weniger an der Rendite zehrende Kassenbestände halten. Immobilienmärkte sind zyklisch. Da zu Hochpreiszeiten wie jetzt aufgelegte Fonds ihre Gebäude teuer kaufen müssen, droht während einer Abschwungphase des Marktes die Abwertungen der Immobilien. Abwertungen reduzieren den Anteilspreis, Aufwertungen erhöhen ihn. In Altfonds schlummern nach Ansicht von Fachleuten in der Regel Bewertungsreserven. Die sind zustande gekommen, weil die für die Bewertung der Fondsgebäude zuständigen Immobiliensachverständigen in der Aufwärtsphase des Immobilienmarktes aus Vorsichtsgründen ihren Aufwertungsspielraum nicht voll genutzt haben. Ein Vorteil für die Altfonds, die nicht nur junge, voll von einer Abwertung betroffene Gebäude in ihren Portfolios haben.

Allerdings überwiegt nach Ansicht von Knorr zunächst der Vorteil geringer liquider Mittel in den jungen Fonds den Nachteil aufgrund der teuren Ankäufe. Fonds, die nach Einführung des  Kapitalanlagegesetzbuches (KAGB) im Jahr 2013 aufgelegt wurden, brauchen weniger Geld in der Kasse, weil ihre Anleger weniger schnell aussteigen können. Anleger dieser Fonds  dürfen ihre Anteile frühestens nach zwei Jahren gegen Geld tauschen und müssen die Anteilsrückgabe ein Jahr im Voraus ankündigen. Unter diesen Umständen seien Mittelabflüsse „wesentlich besser abzuschätzen“, stellt Scope fest und hält Liquiditätsquoten von fünf bis zehn Prozent für ausreichend. Für Altfonds empfiehlt Scope einen Liquiditätsanteil von 15 bis 20 Prozent. Anleger die sich vor der Einführung des KAGB an Offenen Immobilienfonds beteiligt haben, können im Halbjahr Anteile bis zu 30.000 Euro an die Fondsgesellschaft zurückgeben.

Scope rechnet erst dann mit dem Ende der sehr hohen Nachfrage nach Offenen Immobilienfonds, wenn das Zinsniveau spürbar ansteigt und Anleihen wieder attraktiver werden. „An diesem Punkt würden Anleger, die offene Immobilienfonds derzeit als Termingeldersatz verwenden, aussteigen“, schließt die Ratingagentur Scope ihre Analyse. Zur Erinnerung: Vor Großanlegern, die offene Immobilienfonds als Termingeldersatz missbrauchten, wurde auch vor der Finanzkrise, die auch zur Immobilienfondskrise wurde, gewarnt.

Seite 1:

Zu viele Anleger für zu wenige Immobilienfonds

Seite 2:

Welchen Vorteil Altfonds haben

Kommentare zu " Offene Immobilienfonds: Zu viele Anleger für zu wenige Immobilienfonds"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%