Paul Tudor Jones warnt
Hedge-Fonds sehen längst kein Ende der Krise

Die Frage der konjunkturellen Zukunft scheidet die Geister der Experten immer stärker. Während führende Investmentbanken in den USA bereits vom Ende der Rezession sprechen ist für den erfolgreichen Hedge-Fonds-Manager Paul Tudor Jones der Aufschwung an den Aktienmärkten nichts als eine "Rally im Bärenmarkt".

ret/HB FRANKFURT. Jones, der der Spezies der Global-Macro-Manager zuzuordnen ist und somit in seinen Hedge-Fonds das gesamte Spektrum der Kapitalanlage nutzen kann, bezeichnet den Anstieg der Aktienkurse als "Bärenmarkt-Rally".

Seine Zweifel am Aufschwung begründet er mit der schwachen Einkommensentwicklung der privaten Haushalte in den USA. Diese lasse für eine nachhaltige Erholung der US-Konjunktur keinen großen Spielraum, zeigt Jones in einem Brief an seine Klienten. Und die haben Vertrauen zu dem heute 55-Jährigen, der ihnen in den vergangenen Jahren überdurchschnittliche Anlageresultate abgeliefert hat.

Paul Tudor Jones will den Optimismus nicht teilen, den zum Beispiel die großen US-Banken Goldman Sachs und Morgan Stanley zuletzt gezeigt haben. Ähnlich skeptisch wie er ist auch das Management des Hedge-Fonds Clarium Capital Management. "Wenn überhaupt von einer Konjunkturerholung die Rede sein kann, dann ist sie nicht nachhaltig", sagt Clarium-Direktor Kevin Harrington.

Die Weltwirtschaft stecke weiter im Deflations-Szenario, meinen Experten aus der Branche. Aktuelle OECD-Zahlen bestätigen diese Sicht, denn die Verbraucherpreise sind im Monat Juli um 0,6 Prozent gefallen.

Für Paul Tudor Jones, der in seinen Fonds 10,8 Mrd. Dollar verwaltet, ist die US-Wirtschaft längst noch nicht über dem Berg. Die hohe Arbeitslosigkeit, sinkende Löhne und mögliche Fehlentscheidungen von Notenbanken und Politikern sieht er als große Risiken für die Weltwirtschaft. Selbst gegenüber der VR China - für viele Anleger der große Hoffnungswert - bleibt der ehemalige China-Optimist vorsichtig gestimmt.

Ähnlich wie Hedge-Fonds-Guru Jim Rogers hält auch Paul Tudor Jones die Reaktion der US-Regierung auf die Finanzkrise für falsch. Banken hielten weiter illiquide und toxische Vermögenswerte in größerem Ausmaß in ihren Bilanzen, sagt Jones. Die Regierung habe es versäumt, dieses Problem bei der Wurzel zu packen, kritisiert der aus Memphis stammende Hedge-Fonds-Manager. Daher werde das Kreditwachstum wahrscheinlich über einen längeren Zeitraum hinweg sehr niedrig ausfallen.

Zu den Pessimisten gehört auch Jones' britischer Kollege Brevan Howard, der mit Global-Macro-Strategien derzeit 24 Mrd. Dollar verwaltet. Im Vorjahr hat Howard bei seinen Anlagen einen Wertzuwachs von rund 20 Prozent erzielt. Howard erwartet aus dem Mix sinkender Verbrauchereinkommen und geringer Kreditvergaben neue Turbulenzen für die Weltwirtschaft.

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