Pimco-Ökonom im Interview
„Die Fed ist die Notenbank der ganzen Welt“

Das Bekenntnis von Fed-Chefin Yellen zur lockeren Geldpolitik hat Joachim Fels überrascht. Im Interview erklärt der Chef-Ökonom von Pimco, warum die Märkte verwirrt sind und der Zustrom an Flüchtlingen eine Chance ist.

Joachim Fels mag das neue Büro. Im Mai wechselte der Deutsche von Morgan Stanley aus London zu Pimco. Und freut sich nun über das sonnige Wetter in der Zentral im kalifornischen Newport Beach, von wo aus er die Lage der Weltwirtschaft analysiert.

Herr Fels, wie bewerten Sie die Entscheidung der US-Notenbank, die Zinswende noch einmal zu verschieben?
Ende Juli sah es noch so aus, als würde die Fed im September die Zinsen anheben. Doch dann kam der August. Die Turbulenzen in China und an den Märkten haben die Kalkulationen der Fed verändert. Es war abzusehen, dass die Notenbank die Zinswende dieses Mal noch hinausschiebt. Was uns überrascht hat, war wie sehr sich Fed-Chefin Janet Yellen als geldpolitische „Taube“ gezeigt hat – also für eine lockere Geldpolitik und niedrige Zinsen steht. Auch waren wir überrascht, dass die Fed ihren Ausblick für die US-Wirtschaft, den Anstieg der Inflation und ihre Prognose für die Leitzinsen in den kommenden Jahren deutlich nach unten korrigiert hat.

Was hatten Sie erwartet?
Wir hatten damit gerechnet, dass sie zwar die Zinswende verschiebt, aber deutlich den Wunsch nach einer restriktiveren Geldpolitik signalisiert. Das ist ausgeblieben.

Die Märkte haben nach der Entscheidung nachgegeben. Das ist ungewöhnlich.
Die Märkte sind verwirrt und sind besorgt über den Ausblick der Fed. Ich denke, das ist eine Überreaktion, über die man hinwegsehen muss. Denn die Fed hat klar signalisiert, dass sie ihre beiden Mandate ernst nimmt. Sie kümmert sich nicht nur um das Wohl des Arbeitsmarktes, sondern hat auch das Inflationsziel im Auge. Sie ist also bereit, die Wirtschaft weiter zu stimulieren. Das sollte mittelfristig gut für die Märkte sein.

Aber die niedrigen Zinsen richten auch Schaden an, zum Beispiel für die Sparer.
In Deutschland, aber auch in anderen Ländern denken viele, die Anleihe-Renditen sind so niedrig, weil die Notenbanken so viel Geld gedruckt haben. Aber es gibt noch eine andere Meinung, der ich eher zuneige: Es sind fundamentale Kräfte wie der Überhang an Spargeld, die den Zinssatz nach unten drücken, bei dem die Wirtschaft sich im Gleichgewicht befindet. Und die Fed muss diesen Kräften folgen, wenn sie keine Rezession auslösen will.

Wenn alle Notenbanken vorsichtig sind und versuchen, die eigene Währung zu schwächen, rutschen wir dann nicht ab in einen Währungskrieg?
Das Wort „Krieg“ gefällt mir nicht. Ich würde eher sagen, die Notenbanken befinden sich alle in einem Kampf gegen geringe Inflation. Dass die Währungen geschwächt werden, ist eher sekundärer Effekt daraus.

Seite 1:

„Die Fed ist die Notenbank der ganzen Welt“

Seite 2:

„Flüchtlinge sind ein Gewinn“

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%