Pluspunkte für AWD
Dreiländerfonds: Schlappe für Klagevertreter

Ex-Bundesminister Gerhart Baum musste im Streit um den maßgeblich vom Finanzdienstleister AWD vertriebenen so genannten Dreiländerfonds einen Rückzieher machen.

HB HANNOVER. In einem vor dem Landgericht Stuttgart geschlossenen Vergleich hat Baum jetzt zentrale Vorwürfe gegen die Verantwortlichen des bei Anlegern inzwischen höchst umstrittenen Fonds zurückgenommen. Der AWD, gegen den rund 50 Klagen anhängig sind, wollte den am Donnerstag bekannt gewordenen Vergleich nicht kommentieren.

Ex-Minister Baum, der nach eigenen Angaben rund 200 DLF-Geschädigte vertritt, hatte im Juni in einer Presseerklärung behauptet, das Konzept des Fonds sei nach Erkenntnissen der Staatsanwaltschaft Stuttgart bereits im Herbst 1996 als gescheitert zu betrachten gewesen. Dies sei auch den DLF-Initiatoren Walter Fink und Manfred Falk bewusst gewesen.

In einer gerichtlich verfügten und veröffentlichten Richtigstellung Baums heißt es nun, die Staatsanwaltschaft Stuttgart habe solche Feststellungen nicht getroffenen. Baum hatte sich im April erstmals an die Öffentlichkeit gewandt und gerichtliche Schritte von 200 Anlegern gegen den AWD angekündigt. Der mittlerweile zweitgrößte deutsche Finanzdienstleister war bis 1999 einer der wichtigsten Vertreiber des DLF 94/17.

Dem AWD wird nach dessen Angaben in rund 50 Klagen mit einer Schadenssumme von 2,9 Millionen Euro fehlerhafte Beratung vorgeworfen. Das Unternehmen hat in einigen Fällen bereits außergerichtlich Schadensausgleich von insgesamt mehreren hunderttausend Euro gezahlt. Bisherige Gerichtsurteile fielen unterschiedlich aus, in einigen Fällen zu Gunsten des AWD, in anderen zu Gunsten der Kläger. Das Unternehmen schließt einzelne Fehler in der Beratung für den DLF inzwischen nicht mehr aus, lehnt aber einen generellen Vergleich für alle Anleger ab.

Der von der Stuttgarter Kapital Consult um Fink und Falk aufgelegte Immobilienfonds war vor allem als Anteilseigner des Musicalveranstalters Stella durch dessen Insolvenz in Schwierigkeiten geraten. Ausschüttungen blieben aus, der Wert der Fonds-Anteile sank erheblich.

Rechtsanwalt Baum hatte im April zunächst erklärt, es gebe bereits 400 Klagen gegen den AWD. Dies hatte das Unternehmen jedoch dementiert. Auch die von Baum genannte Zahl von 200 von ihm vertretenen Klägern wird von dem Unternehmen bezweifelt, da hierfür keine entsprechenden Legitimationen vorlägen.

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