Politik rudert zurück
Immobilienfonds sollen sich selbst helfen

Die Finanzexperten der großen Parteien sehen derzeit keinen Bedarf für ein Einschreiten des Gesetzgebers bei der Krise der offenen Immobilienfonds. Sie setzen auf die Selbstregulierung durch die Branche. Die überlegt fieberhaft, wie sie verlorenes Anlegervertrauen zurückgewinnen kann.

BERLIN/FRANKFURT. Mit einem ungewöhnlichen Schulterschluss werben Bundesfinanzministerium, Finanzaufsicht und Kreditgewerbe um Vertrauen für offene Immobilienfonds. Die zeitweilige Schließung einzelner Fonds habe nichts mit der Qualität des Produktes an sich zu tun, betonten die Beteiligten am Montag in einer gemeinsamen Erklärung. Die Fonds würden „die Bewährungsprobe bestehen“. Zuvor hatten sich der Staatssekretär im Finanzministerium, Thomas Mirow, Bundesbankvorstand Edgar Meister, die Chefs der Bankenverbände sowie der Chef der Finanzaufsicht BaFin, Jochen Sanio, beraten.

Mit der Stellungnahme wollen sie offenbar verhindern, dass Anleger weitere Gelder aus den Fonds abziehen. Der knapp 90 Mrd. Euro schwere Markt steckt in einer schweren Krise. Auslöser war Mitte Dezember die Entscheidung der Deutschen Bank, einen Fonds ihrer Tochter DB Real Estate zu schließen. Dies hatte in der gesamten Branche Mittelabflüsse ausgelöst. Letzte Woche musste die deutsche Investmentgesellschaft Kanam zwei Fonds schließen.

Bei der Krisenbewältigung setzt die Politik jetzt offenbar doch auf die Selbstheilungskräfte der Branche. Die Finanzexperten von SPD und CDU zeigten sich gegenüber dem Handelsblatt mit Blick auf eine gesetzliche Regelung skeptisch. Vergangene Woche hatten sich zwei Staatssekretäre noch für ein Einschreiten des Gesetzgebers ausgesprochen. Der Branchenverband BVI wird am heutigen Dienstag konkrete Vorschläge zu einer Reform des Produktes machen.

Der DB-Fonds wird ab sofort an der Börse Berlin gehandelt. Finanzkreise erwarten einen Abschlag von rund 10 Prozent – dies entspricht in etwa dem Abwertungsbedarf des Portfolios. Die am Montag erstmals wieder notierten Kanam-Fonds verzeichneten mit knapp 4 Prozent unter dem letzten Rückgabekurs nur leichte Verluste.

Am Montag kam es bei den offenen Immobilienfonds zu weiteren Mittelabflüssen. In der Branche heißt es allerdings, dass die Rückflüsse noch nicht besorgniserregend seien. „Wir verzeichnen aktuell erhöhte Mittelabflüsse“, sagte Dirk Meiwirth, Produktmanager für Immobilien bei Credit Suisse in Deutschland. Allerdings geht er davon aus, dass sich die Lage in den nächsten Tagen wie bereits im Dezember nach der Schließung des ersten Fonds wieder beruhigen werde. In den letzten Tagen hätten offenbar vor allem professionelle Investoren Gelder abzogen, heißt es in der Branche. Dagegen sei die Lage bei den Privatanlegern weiter ziemlich ruhig, hieß es bei der Commerzbank-Tochter CGI. Auch bei der zur Allianz gehörenden Degi und der Hypo-Vereinsbank-Tochter iii Investments bewegten sich die Abflüsse nach eigenen Angaben am Montag in überschaubarem Rahmen.

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