Private Geldanlage
Deutsche Fondsbranche mit schwächerem Neugeschäft

Die deutsche Fondsbranche sammelte 2016 deutlich weniger neues Kapital ein als ein Jahr zuvor. Als Gründe dafür nennen Fondsanbieter die Börsenturbulenzen und die Abneigung der Deutschen gegen Anlagen am Kapitalmarkt.
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FrankfurtGerade mal 6,5 Milliarden Euro neues Kapital steckten Anleger im vergangenen Jahr per Saldo in die vor allem für Privatinvestoren aufgelegten Publikumsfonds. Im Vergleich zum Vorjahr ist das ein Einbruch von rund 90 Prozent. Im Vergleich zu 2015, dem zweitbesten Absatzjahr der Branche nach dem Jahr 2000, „sehen wir 2016 bescheiden aus“, konstatierte denn auch Thomas Richter, Hauptgeschäftsführer des deutschen Fondsverbands BVI auf der Jahres-Pressekonferenz. Zwar gibt es auch international weniger Neugeschäft bei Investmentfonds. Doch in Deutschland ist der Absatz von Publikumsfonds 2016 besonders stark zurück gegangen.

Insgesamt hat sich das Neugeschäft der deutsche Fondsbranche auf gut 91 Milliarden Euro halbiert. Auch Großinvestoren steckten per Saldo mit 84,6 Milliarden Euro rund ein Viertel weniger neues Kapital in die für sie aufgelegten Spezialfonds und in Mandate für die Vermögensverwaltung. Mit 2,8 Billionen Euro verwalteten Fondsgesellschaften Ende 2016 allerdings so viel Geld wie nie, wie der BVI mitteilte. So bilanziert BVI-Präsident Tobias Pross 2016 dennoch als respektabel: „Der deutschen Fondsbranche geht es nach wie vor gut.“

Allerdings floss der Großteil neuer Gelder in Spezialfonds, in die vor allem Versicherer und Pensionskassen investieren. Publikumsfonds sammelten nur 6,5 Milliarden Euro ein, nach noch 72 Milliarden im Jahr zuvor. Aus reinen Aktienfonds, Anleihefonds und Geldmarktfonds zogen Anleger netto jeweils mehr als eine Milliarde Euro ab. Allein die aus verschiedenen Wertpapierarten gemischten Fonds und offene Immobilienfonds verbuchten 2016 gewichtige Kapitalzuflüsse: unterm Strich 11,6 Milliarden Euro und 4,2 Milliarden Euro.

Für die Absatzschwäche verantwortlich macht die Fondsbranche vordergründig die zeitweise massiven Kursturbulenzen an den Börsen. Allerdings hätten die Börsen "das Jahr der volatilen Märkte und politischer Überraschungen" wie etwa die Entscheidung der Briten, aus der EU auszutreten, abgeschüttelt, meint BVI-Präsident Pross. Unterm Strich "waren die Börsen stabil, aber die Anleger nervös“, sagte er.

Für Pross steht hinter der Entwicklung zudem ein strukturelles Problem der Deutschen: „Der Deutsche investiert und spart falsch“, urteilte er. „Nicht mal das Schreckgespenst Negativzinsen bringt einen rational denkenden Menschen dazu, sich mit dem Thema Kapitalanlage intensiv auseinanderzusetzen.“

Für BVI-Hauptgeschäftsführer Richter ist hier der Staat in der Pflicht: Deutschland müsse wie die USA die Altersvorsorge über Aktien und Fonds steuerlich fördern, forderte er. Auch deshalb sei dort der Anteil der Bevölkerung, der direkt oder indirekt am Kapitalmarkt investiert ist, mit 52 Prozent fast vier Mal so hoch wie in Deutschland mit 14 Prozent.

Agentur
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

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