Private Geldanlage Deutsche Fondsbranche mit schwächerem Neugeschäft

Die deutsche Fondsbranche sammelte 2016 deutlich weniger neues Kapital ein als ein Jahr zuvor. Als Gründe dafür nennen Fondsanbieter die Börsenturbulenzen und die Abneigung der Deutschen gegen Anlagen am Kapitalmarkt.
Update: 21.02.2017 - 18:14 Uhr Kommentieren
Der Großteil neuer Gelder ist 2016 in Spezialfonds geflossen, in die vor allem Versicherer und Pensionskassen investieren. Quelle: gms
Boom in der Fondsbranche

Der Großteil neuer Gelder ist 2016 in Spezialfonds geflossen, in die vor allem Versicherer und Pensionskassen investieren.

(Foto: gms)

FrankfurtGerade mal 6,5 Milliarden Euro neues Kapital steckten Anleger im vergangenen Jahr per Saldo in die vor allem für Privatinvestoren aufgelegten Publikumsfonds. Im Vergleich zum Vorjahr ist das ein Einbruch von rund 90 Prozent. Im Vergleich zu 2015, dem zweitbesten Absatzjahr der Branche nach dem Jahr 2000, „sehen wir 2016 bescheiden aus“, konstatierte denn auch Thomas Richter, Hauptgeschäftsführer des deutschen Fondsverbands BVI auf der Jahres-Pressekonferenz. Zwar gibt es auch international weniger Neugeschäft bei Investmentfonds. Doch in Deutschland ist der Absatz von Publikumsfonds 2016 besonders stark zurück gegangen.

Insgesamt hat sich das Neugeschäft der deutsche Fondsbranche auf gut 91 Milliarden Euro halbiert. Auch Großinvestoren steckten per Saldo mit 84,6 Milliarden Euro rund ein Viertel weniger neues Kapital in die für sie aufgelegten Spezialfonds und in Mandate für die Vermögensverwaltung. Mit 2,8 Billionen Euro verwalteten Fondsgesellschaften Ende 2016 allerdings so viel Geld wie nie, wie der BVI mitteilte. So bilanziert BVI-Präsident Tobias Pross 2016 dennoch als respektabel: „Der deutschen Fondsbranche geht es nach wie vor gut.“

Gold klingt verlockend, doch vielen bleibt nur das Sparbuch
Platz 12: Sparbuch
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Die klassischen Sparformen wie das Sparbuch besitzen die meisten Deutschen und rund 40 Prozent der Befragten. Überraschend ist jedoch, dass nur zwölf Prozent der von der GfK befragten Anleger den Klassiker als eine attraktive Geldanlage betrachten. Hier zeigt sich die Diskrepanz zwischen Wunsch und Wirklichkeit am deutlichsten.

Platz 11: Festgeldkonto
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Viele Vorteile sprechen für ein Festgeldkonto: Das angelegte Geld wird sicher und fest verzinst und ist vor Bankkrisen geschützt. Denn gemäß der EU-Richtlinien müssen die Spareinlagen der Kunden abgesichert sein. Weil es höhere Zinsen gibt als auf dem Sparbuch oder Tagesgeldkonto, finden immerhin 17 Prozent der Befragten das Festgeldkonto attraktiv – das reicht für Platz 11. Zwölf Prozent der Befragten nutzen es bereits.

Platz 10: Zu Hause sparen
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Niedrige Zinsen und ein schwindendes Vertrauen in Banken verleiten den deutschen Sparer dazu, sein Geld lieber in den Sparstrumpf zu stecken. Rund 18 Prozent der Deutschen finden diese Methode schlau – womit der zehnte Platz gesichert ist. Insgesamt 23 Prozent horten ihr Bargeld bereits.

Platz 9: Tagesgeldkonto
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Trotz der niedrigeren und schwankenden Zinsen ist das Tagesgeldkonto beliebter als die Festgeldanlage. Und: Wunsch und Wirklichkeit sind beim Tagesgeldkonto im Einklang: 18 Prozent besitzen ein solches Konto – 18 Prozent bewerten es als attraktive Anlageform.

Platz 8: Investmentfonds
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Auch wenn die Deutschen ihr Geld lieber sicher anlegen, gewinnen Investmentfonds langsam an Attraktivität: Mit 20 Prozent landen die Fonds im Attraktivitätsranking immerhin auf Platz acht.

Platz 7: Aktien
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Das Vertrauen in Aktien scheint bei den Deutschen größer zu werden. Immerhin 20 Prozent der Befragten halten die Anlageform für attraktiv – das genügt für Platz sieben. Aufmerksam die Börsenkurse verfolgen sollten die zwölf Prozent, die bereits Aktien besitzen. Viel im Vergleich zu Frankreich, Italien und Großbritannien, wo laut GfK-Umfrage sieben Prozent der Befragten Aktionäre sind.

Platz 6: Private Kapitallebensversicherung
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Die meist zur Altersvorsorge abgeschlossenen Kapitallebensversicherungen landen im Attraktivitätsranking auf Platz sechs. Wie beim Tagesgeldkonto sind auch bei der Kapitallebensversicherung Wunsch und Wirklichkeit eins: 21 Prozent der Befragten finden die Anlageform attraktiv; genauso hoch ist der Anteil derer, die sich bereits auf die sogenannten Ablaufleistungen aus Prämien und teils Verzinsung nach 20 bis 30 Jahren, freuen. Ein Vorteil dieser „Sparanlage“ ist das gesetzlich eingegrenzte Anlagerisiko.

Allerdings floss der Großteil neuer Gelder in Spezialfonds, in die vor allem Versicherer und Pensionskassen investieren. Publikumsfonds sammelten nur 6,5 Milliarden Euro ein, nach noch 72 Milliarden im Jahr zuvor. Aus reinen Aktienfonds, Anleihefonds und Geldmarktfonds zogen Anleger netto jeweils mehr als eine Milliarde Euro ab. Allein die aus verschiedenen Wertpapierarten gemischten Fonds und offene Immobilienfonds verbuchten 2016 gewichtige Kapitalzuflüsse: unterm Strich 11,6 Milliarden Euro und 4,2 Milliarden Euro.

Für die Absatzschwäche verantwortlich macht die Fondsbranche vordergründig die zeitweise massiven Kursturbulenzen an den Börsen. Allerdings hätten die Börsen "das Jahr der volatilen Märkte und politischer Überraschungen" wie etwa die Entscheidung der Briten, aus der EU auszutreten, abgeschüttelt, meint BVI-Präsident Pross. Unterm Strich "waren die Börsen stabil, aber die Anleger nervös“, sagte er.

Für Pross steht hinter der Entwicklung zudem ein strukturelles Problem der Deutschen: „Der Deutsche investiert und spart falsch“, urteilte er. „Nicht mal das Schreckgespenst Negativzinsen bringt einen rational denkenden Menschen dazu, sich mit dem Thema Kapitalanlage intensiv auseinanderzusetzen.“

Für BVI-Hauptgeschäftsführer Richter ist hier der Staat in der Pflicht: Deutschland müsse wie die USA die Altersvorsorge über Aktien und Fonds steuerlich fördern, forderte er. Auch deshalb sei dort der Anteil der Bevölkerung, der direkt oder indirekt am Kapitalmarkt investiert ist, mit 52 Prozent fast vier Mal so hoch wie in Deutschland mit 14 Prozent.

  • rez
  • dpa
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