Probleme mit Immobilienfonds
Finanzbranche kritisiert Deutsche Bank

Die Schließung des Immobilienfonds Grundbesitz-Invest hat der Deutschen Bank auch unverhohlene Kritik aus der Finanzbranche eingebracht.

HB FRANKFURT. So sprach etwa Commerzbank-Chef und Bankenpräsident Klaus-Peter Müller von einer „bedauerlichen Entwicklung“ und warnte vor einer Panik der Investoren. Die Deutsche Bank selbst stärkte dagegen ihrer Immobilientochter DB Real Estate den Rücken und lehnt personelle Konsequenzen ab.

„Ich hoffe, dass die Kollegen die notwendigen Schritte einleiten und es nicht zu einer Massenpanik kommt“, sagte Müller der „Welt am Sonntag“. Deka-Bank-Chef Fritz Oelrich warnte im selben Blatt vor einer Krise auf dem deutschen Immobilienmarkt, wenn viele Anleger ihre Fondsanteile verkaufen. Die Banken stünden dann vor riesigen Problemen. „Wenn die Werte der Immobilien fallen, stehen Bankkredite in Milliardenhöhe plötzlich ungesichert im Raum.“ Die Deutsche Bank schade mit der Schließung des Fonds dem deutschen Finanzplatz und damit dem Ansehen aller deutschen Banken.

Der Deutschland-Chef des größten deutschen Kreditinstitutes, Jürgen Fitschen, sagte dem „Focus“, dass sein Unternehmen hinter der Entscheidung seiner Immobilientochter stehe. Er widersprach Vorwürfen, nach denen die Deutsche Bank mit der Schließung seine Privatkunden verärgert hat. Das Unternehmen habe im Interesse des Anlegerschutzes gehandelt.

Die „Welt“ berichtete unterdessen, dass bei der Deutschen Bank eine interne Diskussion über das Krisenmanagement nach der Fonds-Schließung ausgebrochen sei. „Das war unsensibel und unseres Hauses absolut unwürdig“, sagte ein führender Manager dem Blatt zufolge. Nicht die Schließung des Fonds stehe in der Kritik, sondern dass die Bank den Anlegern nicht sofort eine Teilübernahme der Verluste zusicherte. Intern gab es der Zeitung zufolge bereits im September Berichte über einen drohenden Wertverlust.

Mit der ersten vorübergehenden Schließung eines offenen Immobilienfonds in der Nachkriegsgeschichte hatte die Deutsche Bank schon in den vergangenen Tagen für heftige Kritik von Branchenvertretern, Politikern, Aktionärsschützern und Juristen gesorgt. Vor einigen Monaten waren bereits Immobilienfonds der Sparkassen-Tochter Deka und der HypoVereinsbank in Turbulenzen geraten. Die Mutterhäuser hatten allerdings den Anlegern die Papiere auf Wunsch abgekauft und die Liquiditätslücken auf die eigene Kappe genommen.

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