Prüfung von Gebührenbelastung Investoren schauen auf Kosten

Institutionelle Anleger schätzen zunehmend alternative Anlagestrategien - vor allem die auf stabile Mehrerträge ausgerichteten Hedge-Fonds. Während deren Gebührenbelastung nun auf dem Prüftstand steht, versprechen Muli-Strategie-Produkte Transparenz.
  • Klaus Esswein (Sprecher der Geschäftsführung von State Street Global Advisors)

MÜNCHEN. Pensionsfonds, Stiftungen und Versicherungen stehen derzeit vor einer großen Herausforderung: Die Anleiherenditen verharren auf mäßigem Niveau, und der Aktienmarkt schwächelt. Vor diesem Hintergrund schätzen institutionelle Anleger zunehmend alternative Anlagestrategien - vor allem die auf stabile Mehrerträge ausgerichteten Hedge-Fonds. Eine repräsentative Befragung unter institutionellen Anlegern, die State Street im vergangenen Jahr durchgeführt hat, belegt das wachsende Interesse.

Mit 48 Prozent hat fast die Hälfte der Befragten bereits fünf oder mehr Prozent ihrer Portfolios in Hedge-Fonds investiert, bei 44 Prozent liegt der Hedge-Fonds-Anteil sogar bei oder mehr als zehn Prozent.

Doch nicht nur der Portfolioanteil der Hedge-Fonds ist gestiegen, auch die Zufriedenheit mit den Produkten wächst. 81 Prozent aller Befragten und 63 Prozent der Manager von Pensionsfonds erklärten, ihre Aufsichtsgremien fühlten sich im Vergleich zum Vorjahr deutlich wohler mit Hedge-Fonds als Instrument zur Diversifizierung ihrer Portfolios und zur Reduzierung der Volatilität.

Ein Teil dieser neuen Zufriedenheit geht auf Fortschritte bei quantitativen Analysetechniken zurück. Diese erleichtern nicht nur die Suche nach einer den Gesamtmarkt übertreffenden Rendite - dem so genannten Alpha-, sie verbessern auch die Möglichkeiten der Risikokontrolle bei Hedge-Fonds, die komplexeren Anlagestrategien verfolgen.

Bislang nutzten institutionelle Investoren oft die in verschiedene Zielfonds investierenden Dach-Hedge-Fonds, wenn sie alternative Anlagestrategien in ihre Portfolios holen wollten. Die Investmentbank Morgan Stanley schätzt, dass in den vergangenen Jahren 45 Prozent der in Hedge-Fonds investierten Mittel in Dach-Hedge-Fonds flossen. Nachdem die Hedge-Fonds-Erträge aber von ihren Höchstständen im vergangenen Jahrzehnt auf ein normales Niveau zurückkehrten, begannen Investoren die doppelte Gebührenbelastung der Dach-Hedge-Fonds kritischer zu sehen.

Schließlich können hohe Gebühren die ausgeschütteten Nettoerträge so deutlich belasten, dass dem Investor von einem hohen Alpha am Ende der Betrachtungsperiode nur ein auf Gesamtmarktniveau liegender Ertrag - also das Beta - verbleibt.

Heute suchen Institutionen nach neuen Wegen, Hedge-Fonds-Strategien in ihren Portfolios abzubilden. Immer beliebter werden Multi-Strategie-Produkte aus einer Hand, die Dach-Hedge-Fonds in Bezug auf Kosten, Risikokontrolle und Anlageexpertise überlegen sind. Multi-Strategie-Fonds oder-mandate kombinieren Hedge-Fonds-Strategien mit marktneutralen Anlagen in Aktien und festverzinslichen Wertpapieren, Währungen oder Rohstoffen.

Die Verwaltung derartiger Produkte erfordert allerdings einen hohen Aufwand für Risikokontrolle, Analyse und Research. Die dazu nötigen Investitionen können in der Regel nur von großen, global agierenden Vermögensverwaltern geleistet werden, was die Zahl der Anbieter deutlich einschränkt.

Multi-Strategie-Manager berechnen ihren Kunden jeweils nur eine Basis- und Performancegebühr, während bei Dach-Hedge-Fonds Gebühren für jeden Zielfonds anfallen - selbst bei Verlusten des Dachfonds. Werden verschiedene Anlagestrategien innerhalb eines Hauses verwaltet, hat der für die Gesamtstrategie zuständige Portfolio-Verwalter zudem einen besseren Überblick über die einzelnen Anlagen und Risiken und kann Kapital leichter umschichten, wenn die Märkte dies erfordern.

Im Frühjahr 2006 waren beispielsweise viele Arbitrage-Manager gezwungen, in einem fallenden Markt ihre Anlagen zu verkaufen. Dachfonds-Manager hätten in dieser Lage vielleicht über keine ausreichende Transparenz ihrer Anlagen verfügt, oder mangelnde Liquidität bei Einzelinvestments hätte nötige Umschichtungen behindern können.

Letztlich ermöglicht eine Multi-Strategie-Plattform aus einer Hand auch ein besseres Verständnis für die einzelnen Anlagestrategien und ihre spezifischen Risiken. Absolute-Return-Strategien bieten institutionellen Investoren eine attraktive Alternative zu den bislang dominierenden Dach-Hedge-Fonds. Voraussetzung ist, dass sie in einem Multi-Strategie-Vehikel mit objektiven Allokationsmethoden, moderner Technologie und ausgeklügelter Risikokontrolle innerhalb eines Hauses zusammengefasst sind.

Nicht nur die günstigere Gebührenstruktur, auch die Vorteile bei Transparenz und Risikokontrolle werden in Zukunft dazu beitragen, dass institutionelle Anleger stärker auf Multi-Strategie-Produkte setzen.

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