Radikaler Ausstieg
Manager von Rentenfonds schichten Portfolios um

Über die Anziehung der Konjunktur können sich Rentenfondsmanager nicht freuen. Denn eine Begleiterscheinung ist die Erhöhung der Zinsen, wodurch das Renditeniveau der Anleihen steigt. Für Rentenfonds bedeutet das wiederum fallende Kurse, weil jetzt die Anleihen mit höheren Kupons gefragt sind.

HB HAMBURG. Die Konjunktur zieht an - ein Umstand, über den sich die meisten Marktteilnehmer freuen. Doch für Rentenfondsmanager ist dies keine gute Nachricht. Denn eine Begleiterscheinung ist die Erhöhung der Zinsen, wodurch das Renditeniveau der Anleihen steigt. Für Rentenfonds bedeutet das wiederum fallende Kurse, weil jetzt die Anleihen mit höheren Kupons gefragt sind.

Doch obwohl die Kurse europäischer Anleihen derzeit nachgeben, ist Hans-Joachim Stemann guter Stimmung. Stemann ist Vorstand der GVI AG und als Berater verantwortlich für den Strategie-Euro-Renten-Fonds von Universal Investment. Der Fonds wird mit Hilfe eines Trendfolgemodells gemanagt, das börsentäglich den Kursdurchschnitt öffentlicher Anleihen analysiert. Erkennt es einen Trend nach oben, gibt es ein Kaufsignal ab, bei einem Trend nach unten kommt das Verkaufssignal. Am besten funktioniert das Programm bei einem klaren Trend - wie momentan. Mit einem Plus im März von 0,1 Prozent war der Strategie-Euro-Renten UI einer der wenigen auf Euro-Anleihen ausgerichteten Rentenfonds, die nicht ins Minus rutschten.

"Unser Programm hat uns am 11. Januar ein Verkaufssignal gegeben" erklärt Stemann, der daraufhin das Portfolio umschichtete: Aktuell besteht es zu 54 Prozent aus Renten mit einer Restlaufzeit von weniger als sechs Monaten, 46 Prozent hält Stemann als Barreserve.

Auch der aktuelle Spitzenreiter Raiffeisen-Dynamic-Bonds der österreichischen Gesellschaft Raiffeisen Capital Management arbeitet mit einem Trendfolgemodell. Raiffeisen-Manager Gabriel Panzenböck verkauft jedoch bei einem Verkaufssignal nicht tatsächlich die Anleihen im Fonds. Vielmehr reduziert er das Zinsrisiko mit Hilfe von Derivaten. So hat er im Januar nach dem Verkaufssignal seines Programms die Fondsstruktur so verändert, dass faktisch 96,5 Prozent seiner Anleihen eine Laufzeit von unter einem Jahr haben. "Der Vorteil von computergestützten Fonds ist, dass sie radikal reagieren. Sie sind entweder ganz oder gar nicht investiert", sagt Panzenböck. Die meisten anderen Manager gingen nur Schritt für Schritt voran. Wie lange die beiden Fonds nahezu nicht investiert sein werden, können weder Stemann noch Panzenböck voraussehen. Gegentrends, die ein Kaufsignal liefern könnten, erkennen sie zunächst einmal nicht. Die Chancen für steigende wie auch für fallende Kurse seien etwa gleich hoch.

Für Panzenböck befinden sich die Kurse aktuell aber zumindest auf einem fairen Niveau. Der Raiffeisen-Manager sieht jetzt einen guten Einstiegszeitpunkt für Anleger gekommen, die bisher nicht in Euro-Renten investiert sind oder diesen Bereich deutlich untergewichtet haben.

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