Ratingagentur warnt vor Kollaps
Hedge-Fonds im Würgegriff

Die Turbulenzen an den Weltfinanzmärkten rücken Hedge-Fonds zunehmend ins Rampenlicht. Zuletzt haben sie an den Aktienbörsen massive Verkäufe vorgenommen und so zeitweise die Talfahrt der Aktienkurse verstärkt. Die Verluste vieler Investoren sind massiv.

FRANKFURT/NEW YORK. Goldman Sachs musste in der Vorwoche einräumen, mit drei Fonds in kurzer Zeit 4,7 Mrd. Dollar verloren zu haben. Zwei Fonds von Sowood Capital büßten innerhalb weniger Wochen gar um mehr als 50 Prozent an Wert ein. „Ein Verlust dieses Ausmaßes in einer so kurzen Zeitspanne ist für uns so verheerend wie für Sie“, schrieb die Hedge-Fonds-Firma aus Boston ihren Investoren.

Chris Mahoney, Vize-Chairman der Ratingagentur Moody’s, warnte in der Vorwoche vor dem Kollaps von Hedge-Fonds oder Institutionen, die groß genug seien, um die Finanzmärkte weiter durchzuschütteln. Das sei eine „mögliche Konsequenz der Neubewertung von Risiken“, sagte Mahoney in einer Telefonkonferenz.

Die Not einiger Hedge-Fonds scheint groß. Von der breiten Verkaufswelle wurden nicht nur die unmittelbar mit der Subprime-Krise in Verbindung gebrachten Aktienmärkte in Europa und den USA, sondern zuletzt auch Asiens Börsen erfasst. Im Aktienhandel war in diesem Zusammenhang von „Notverkäufen“ durch aktivistische Hedge-Fonds die Rede.

Die Manager dieser „Aktivisten-Hedge-Fonds“, die nach dem Einstieg in Unternehmen eine aktive Rolle in der Unternehmenspolitik zu spielen versuchen und nicht selten mit Private-Equity-Häusern auf einer Linie liegen, gerieten zuletzt in den Sog der globalen Kreditkrise. In der Vergangenheit hatten aktivistische Hedge-Fonds das Top-Management von Unternehmen oft gedrängt, zur Erreichung bestimmter Ziele stärker eine höhere Verschuldung einzugehen.

„Das Geschäft mit kreditfinanzierten Übernahmen hat jetzt aber einen deutlichen Rückschlag erlitten“, sagt Dirk Söhnholz vom deutschen Hedge-Fonds-Beratungsunternehmen Feri Institutional Advisors dem Handelsblatt. Denn die in der Vergangenheit bei der Kreditvergabe oft sorglos handelnden Banken sind deutlich vorsichtiger bei Krediten geworden. Darunter leiden die Hedge-Fonds.

Weil die Banken nicht mehr so leicht Kredite vergeben, haben mehrere Fonds massiv Aktienpositionen abgebaut, um an Liquidität zu kommen. So geriet der Kurs der Deutschen Börse vergangene Woche kräftig unter Druck, weil Hedge-Fonds ihre Anteile verkauften. „Einige aus dem Lager der Aktivisten dürften im Würgegriff des schwierigen Finanzmarkt-Umfeldes bleiben“, sagt Randy Lampert von der Investmentbank Morgan Joseph & Co.

Ein weiterer Grund für die fallenden Aktienkurse sind massive Verkäufen der Multi-Strategie-Fonds. Nachdem die Manager dieser in unterschiedlichen Strategien und Märkten agierenden Geldpools massive Verluste in der Anlageklasse Kredit hinnehmen mussten, sehen sie sich mit dem Ziel der Liquiditätsbeschaffung zum Verkauf von Aktien veranlasst. Hedge-Fonds-Managern achten in der Notsituation nur selten auf Bewertungskennziffern. Sie verkaufen, was zu verkaufen ist.

Verstärkt wurde der Trend durch Akteure, die nach sogenannten quantitativen Handelsstrategien vorgehen. Diese Quant-Strategien basieren auf bisher als fortschrittlich geltenden Modellen, in denen bestimmte Bewertungsparameter von Unternehmen und die Kursentwicklung der entsprechenden Aktie miteinander verglichen werden. Der massive Kurseinbruch der jüngsten Vergangenheit setzte diese Modelle außer Kraft, so dass sich auch aufgeschreckte „Quants“ zur Reduzierung von Positionen veranlasst sahen.

Im Zuge der jüngsten Marktkapriolen sind indes nicht alle Hedge-Fonds unter die Räder geraten: Informationen der Ratingagentur Standard & Poor´s zufolge liegen eine ganze Reihe von Fonds, die wiederum in Hedge-Fonds finanzieren, seit Jahresbeginn prozentual zweistellig im Plus.

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