Ratingagenturen
Indexfonds auf dem Prüfstand

Viele Anbieter von Ratings für börsengehandelte Indexfonds (ETFs) drängen auf den europäischen Markt. Die Analysefirma Scope steigt bereits Ende des Monats ein, Feri Eurorating ist ebenfalls in den Startlöchern. Für die Indexprodukte ein weiterer Schritt in ihrer steilen Entwicklung.

FRANKFURT. Die Analysefirma Scope beispielsweise stellt bereits Ende des Monats ihr Konzept vor. "Wir werden zum Start 120 Produkte oder mehr abdecken", sagt Analyst Sasa Perovic. Feri Eurorating ist ebenfalls in den Startlöchern. "Wir kommen noch in diesem Jahr", kündigt Researchleiter Christian Michel an. Auch die bisher auf die USA spezialisierte Firma Marco Polo XTF blickt über den großen Teich. "Wir wollen unser Geschäft auf Europa und Teile Asiens ausdehnen", sagt Firmenleiter Mel Herman.

So wird Jakob Baur, der nach Handelsblatt-Recherche bisher einzige Wettbewerber auf dem deutschen Markt, ordentlich Konkurrrenz bekommen. Seit einem halben Jahr veröffentlicht der Gründer der Informations- und Analyseplattform Fund Explorer in der Schweiz eigene Bewertungen für die in Deutschland registrierten Produkte.

Die Welle neuer Ratinganbieter ist eine direkte Folge des Booms für Indexprodukte. ETFs haben durch die Finanzkrise wegen ihrer Transparenz, jederzeitigen Liquidität und ihrer geringen Gebühren einen kräftigen Wachstumsschub bekommen. "Die Zukunft gehört den ETFs", sagt Baur.

Derzeit bieten in Europa laut Barclays Global Investors 32 Anbieter über 700 Produkte mit einem Vermögen von rund 165 Mrd. Euro an. Das Kapital konzentriert sich auf Portfolios für bekannte Indizes wie Euro Stoxx 50 und Dax.

Mit immer neuen und auch spezielleren Indexprodukten ist die Anlegernachfrage gestiegen; das gilt auch für das Interesse an Ratings. Laut Jim Wiand, Leiter der Informationsplattform indexuniverse.com, "haben viele Investoren Verständnisprobleme bei den Produkten". Hier können Ratings und Analysereports Orientierung bieten.

Aber es geht um mehr. "Der Wunsch nach einer neutralen Bewertung ist stark", erkennt beispielsweise Vermögensverwalter Alexander Seibold, der vor allem ETFs einsetzt. "Und manche Verwalter können Produkte auch nur dann einsetzen, wenn dafür ein Prüfstempel wie beispielsweise ein Mindestrating vorliegt." Ähnlich sagt Perovic: "Wir spüren das Interesse von Vermögensverwaltern, Dachfondsmanagern und Vermittlern."

Bisher deckten Fonds-Ratinghäuser ETFs meist mit ihren Konzepten für aktiv verwaltete Investmentfonds ab. Die "aktiven" Fondsmanager versuchen, durch Über- und Untergewichtungen oder Einzeltitelauswahl ihre Vergleichsindizes zu schlagen. Insoweit müssen sich auch die "passiven" Indexprodukte, die lediglich eine Messlatte abbilden, gegenüber ihren aktiven Konkurrenten behaupten.

Wenn Investoren sich jedoch auf Indexprodukte festgelegt haben, kommen sie mit einem solchen Rating nicht weiter. ETFs wollen ausdrücklich keinen Mehrertrag erzielen, sondern ihre Messlatte so genau wie möglich abbilden. "Genau das ist einer unserer Bewertungsschwerpunkte", sagt Scope-Mann Perovic. Er schaut außerdem auf die Diversifikation der Messlatte und darauf, wie der Index ein Basissegment abdeckt. Dazu kommen weitere Bewertungskriterien wie die Emittentenqualität, die Gebühren, Transparenz, Handelsliquidität, die von Handelshäusern gestellten Kauf- und Verkaufskurse für ETF-Orders.

Scope will die Ergebnisse seiner Bewertung in einer Fünf-Sterne-Symbolik abbilden, mit fünf Sternen für die besten Produkte. "Viele junge ETFs kann man noch nicht richtig einschätzen, deshalb verlangen wir eine Mindestexistenz von einem halben Jahr", sagt Scope-Mann Perovic.

Bei dem absehbaren Gedränge auf dem Ratingmarkt in diesem Segment bleibt die Frage, wie viele Konzepte sich am Ende als tragfähig und überlebensfähig erweisen werden. Laut Perovic dürften sich höchstens drei Anbieter durchsetzen.

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