Ratingagenturen
Kritik an Spitzennoten

Führende Fondsmanager und Vermögensverwalter werfen den Ratingagenturen vor, auf dem Markt für zweitklassige (subprime) Hypothekenkredite zu optimistische Bonitätsnoten vergeben zu haben – und fordern die Bonitätswächter zu strengeren und transparenteren Bewertungen auf. Die Ethik der Agenturen stehe auf dem Prüfstand, sagt ein Branchenexperte.

FRANKFURT. Die vom Handelsblatt befragten Asset-Manager fordern mehr Transparenz von den Ratingagenturen. Außerdem müssten sie Interessenkonflikten aus dem Weg gehen. Hintergrund der Kritik ist die Krise im Subprime-Markt, die auch Investoren in die Bredouille gebracht hat, die Wertpapiere mit Spitzenrating gekauft hatten. Die Ratingagentur Fitch wies die Kritik zurück.

„Die Ethik der Agenturen steht auf dem Prüfstand“, sagt Eric Syz, Gründer der auf Alternativ-Investment spezialisierten Banque Syz & Co. „Die größte Schwäche ist die mangelnde finanzielle Unabhängigkeit der Agenturen“, sagt Klaus Wilhelm Hornberg von Oppenheim – Integrated Asset Management. „Da Emittenten das Rating bezahlen, besteht die Gefahr einseitiger Bewertungen“, ergänzt Hornberg. Die Ratingagenturen sollten einen Mittelweg zwischen ökonomischem Eigeninteresse und unabhängigen Ratings suchen, sagt Syz.

Auch Lex Hoogduin, Chefökonom von Robeco, stellt die Frage nach der Qualität von Ratingagenturen. Diese Frage solle diskutiert werden, sobald die drängendsten Krisenprobleme gelöst seien. Diese sieht der Ex-Notenbanker in der Notwendigkeit, stabile Märkte zu schaffen und die Geldpolitik der Zentralbanken den Verhältnissen anzupassen. Man müsse die Rating-Frage auch in Verbindung mit den neuen Eigenkapitalrichtlinien (Basel II) sehen.

Ähnlich argumentiert auch Felix Blomenkamp, auf forderungsunterlegte Wertpapiere (ABS) und Kredite spezialisierter Fondsmanager bei der Allianz-Tochter Pimco. Die Unterlegung mit Eigenkapital solle den Regeln von Basel II zufolge ratingabhängig sein. „Ist dies sachgerecht, wenn wir mit Ratings nur eingeschränkt arbeiten können?“, fragt er. Den Ratingagenturen werde viel Macht und den Banken viel Gestaltungsspielraum eingeräumt. „Nicht jedes Papier verdient sein AAA-Rating“, lautet das Fazit des Pimco-Fondsmanagers. Kritisch sieht Blomenkamp den Fakt, dass die Bewertungsmodelle der Agenturen auf quantitativer Basis beruhen und historische Betrachtungen darstellten. Das funktioniere im aktuellen Krisenumfeld nicht so richtig. Dazu komme, dass die Bewertung der teils komplexen strukturierten Produkte sehr schwierig sei. Es sei daher falsch, den Stab über Agenturen wie Moody’s, Standard & Poors und Fitch zu brechen.

Ein positiveres Bild von der Qualität der Ratingagenturen als die Konkurrenz zeichnet die schweizerische Partners Group. Die begrenzten Erfahrungen, die man mit Ratingagenturen im Zusammenhang mit der Auflegung eigener strukturierter Produkte gemacht habe, seien „grundsätzlich positiv“.

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