„Real Estate Investment Trusts“
Reits könnten von der Krise profitieren

Die Krise bei den offenen Immobilienfonds rückt die seit langem geplante Einführung der Immobilien-Aktiengesellschaft (Reits) wieder in den Vordergrund. Anders als beim eingefrorenen Immobilienfonds der Deutschen Bank wären die börsennotierten Aktien von „Real Estate Investment Trusts“ auch im Falle von massiven Abschreibungen weiter handelbar.

FRANKFURT/BERLIN. „Wir brauchen ein alternatives Anlagevehikel mit dem man indirekt in den Immobilienmarkt investieren kann“, sagte Peter Barkow, Analyst bei HSBC Trinkaus & Burkhardt. Nun sei die Bundesregierung am Zug. Stefan Loipfinger, unbahängiger Fondsanalayst: „Ich vermute, dass die Krise des Grundbesitz-Invest bewusst herbeigeführt wurde, um die Einführung der Reits zu beschleunigen." Die Deutsche Bank gehöre zu den federführenden Promotern der Reits in Deutschland.

In Berlin wird seit Jahren über die gesetzlichen Vorgaben von Reits debattiert, die etwa in den USA und Frankreich bereits erfolgreich am Markt operieren. Dabei handelt es sich um eine spezielle Form der börsennotierten Aktiengesellschaft. Sie ist operativ auf Immobilienverwaltung beschränkt und muss ihre Dividenden praktisch vollständig ausschütten. Im Gegensatz zum Direktkauf von Immobilien können Anleger also schneller und einfacher in den Immobilienmarkt investieren. Reits gelten auch als transparenter, da sie im Gegensatz zu Fonds den üblichen Berichtspflichten an der Börse unterliegen. In Krisenfällen würden Reits-Aktien zwar sicher mit einem Kurseinbruch reagieren, wären aber weiterhin handelbar. Die Fondsgesellschaften hatte sich – wohl aus Angst vor Konkurrenz – lange gegen Reits gewehrt.

In der Immobilienbranche, die von der Einführung von Reits am stärksten profitieren würde, wird die Krise bei den Fonds mit gemischten Gefühlen betrachtet. „Man kann nur hoffen, dass Immobilien als Geldanlage nicht völlig in Verruf geraten, so dass am Ende auch Reits keine Akzeptanz bei den Kleinanlegern finden“, sagte ein hochrangiger Manager, der namentlich nicht genannt werden wollte. Außerdem könnten die Turbulenzen auch Vorbehalte in der Politik gegen Reits fördern.

Knackpunkt in der politischen Diskussion ist die Besteuerung von Reits. Sie sind wegen der Pflicht zur nahezu vollständigen Gewinnausschüttung auf Unternehmensebene weitgehend von Steuern befreit. Stattdessen werde die Dividenden beim Anlegern besteuert. Da Investoren aus bestimmten Ländern aber auf Grund von Doppelbesteuerungsabkommen aber faktisch ohne Abgaben davon kämen, gibt es in der Politik Widerstand gegen die neue Anlageform. Dabei ist es gerade der Staat, der von Reits am stärksten profitiert. Er könnte seine Immobilienbestände in denKapitalmarkt verkaufen und so Geld in die leeren Kassen spülen.

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