„Rechtsfreier Raum beim Zertifikatehandel“
Anlegerschützer greifen Deutsche Börse an

Die Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger (SdK) fährt schweres Geschütz gegen die Deutsche Börse auf. Ihrer Meinung nach herrschen beim Handel mit Zertifikaten an der Frankfurter Börse "skandalöse Zustände".

FRANKFURT. "Regelmäßig werden in Frankfurt völlig willkürlich Geschäftsabschlüsse auf Wunsch von Emissionshäusern als Mistrade klassifiziert und zum Nachteil von Privatanlegern storniert", schreiben die Anlegerschützer in ihrem "Schwarzbuch Börse 2006". An dem Handelssegment für Zertifikate in Frankfurt, Smart Trading, werde praktisch jedem Mistrade-Antrag einer Emissionsbank stattgegeben, unabhängig von der Höhe der angeblichen Preisabweichung. Eine Stellungnahme der Frankfurter Börse zu den Vorwürfen war bislang nicht zu erhalten.

Ein so genannter Mistrade liegt per marktüblicher Definition vor, wenn ein Geschäftsabschluss zu einem Preis zustande kommt, der erheblich und offenkundig vom marktgerechten Kurs abweicht. Auch an der Frankfurter Wertpapierbörse ist laut den geltenden Börsenbedingungen für Einwendungen gegen Geschäftsabschlüsse eigentlich eine "erhebliche und offenkundige Abweichung" erforderlich.

Doch laut SdK gibt es im Gegensatz zu internationalen Börsen oder an der Euwax in Stuttgart, der marktführenden Börse für Derivate in Deutschland, bei Mistrades keine Sicherheitsschwellen. So könne bereits bei kleinen Abweichungen der Handel praktisch willkürlich rückgängig gemacht werden. "Für die Handelsteilnehmer besteht daher keinerlei Rechtssicherheit. Niemand sollte an diesem Platz auf die Verbindlichkeit der Geschäftsabschlüsse vertrauen", lautet das Fazit der Schutzgemeinschaft. Schließlich würden an anderen Frankfurter Börsen wie beim Aktienhandel auf Xetra sowie beim Terminhandel an der Eurex entsprechende Standards existieren.

Die Beispiele der SdK: Am 4. August 2006 wurde ein Anlegerkauf von 1 600 Discountzertifikaten mit der WKN SG0FTE auf Antrag der Emittentin Société Générale wegen einer angeblichen Abweichung vom marktgerechten Kurs in Höhe von 1,60 Euro bzw. 1,3 Prozent storniert. Am 9. November 2006 wurden diverse Kaufaufträge von Anlegern in Discountzertifikaten der Deutschen Bank auf Siemens (z.B. WKN DB3BHK und DB3A4R) in insgesamt siebenstelliger Höhe nach entsprechenden Mistrade-Anträgen der Deutschen Bank wegen einer angeblichen Abweichung von jeweils circa 2 Prozent zum Nachteil der Anleger einfach rückabgewickelt.

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"Zwei Beispiele unter vielen", meinen die Aktionärsschützer. Auch Transaktionen in hoch volatilen Optionsscheinen werden regelmäßig wegen angeblicher Abweichungen von ein paar Prozent zu Lasten von Anlegern storniert. Oft auch dann, wenn identische Transaktionen an einer anderen Börse oder im außerbörslichen Handel bestehen bleiben.

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