Regulierung
EU kommt Fondsbranche entgegen

Der lautstarke Branchen-Protest gegen die geplante EU-Regulierung von Hedge-Fonds und Private Equity trägt erste Früchte: Der schwedische Vorsitzende des EU-Finanzministerrates (Ecofin), Anders Borg, will die geplante Vorschriften für Private Equity und Hedge-Fonds lockern.

BRÜSSEL. Für Private Equity plant Borg Ausnahmen von den geplanten EU-Vorschriften. Auch Hedge-Fonds sollen nicht so strikt reguliert werden wie von der EU-Kommission vorgeschlagen. Das geht aus dem schwedischen Entwurf der Richtlinie zu "Alternativen Investmentfonds-Managern" (AIFM) hervor, die dem Handelsblatt vorliegt.

Vor allem die Hedge-Fonds können sich über das schwedische Papier freuen. Denn ihnen soll es laut dem Entwurf weiterhin erlaubt sein, Investments mit hohen Schulden zu finanzieren. Die strikten Obergrenzen und Offenlegungspflichten für die Kredit-Finanzierung, die im ursprünglichen Entwurf der EU-Kommission noch enthalten waren, sind aus dem neuen Papier weitgehend verschwunden. Ob sich Schweden damit im Ecofin-Rat durchsetzen kann, ist allerdings nicht sicher. Widerstand ist von Frankreich zu erwarten. Die Regierung in Paris hatte sich schon im Frühjahr über die ihrer Meinung nach zu laschen Vorschläge zu Hedge-Fonds beschwert.

Dagegen schenkt Schweden auch den Klagen der Private-Equity-Branche Gehör. So hat Borg die - sehr weitgehenden - Publizitätspflichten für Fonds-Manager teilweise wieder zurückgenommen. Private-Equity-Investoren müssen nun doch nicht befürchten, detailliert die Geschäftsergebnisse ihrer Portfolio-Unternehmen gegenüber Aktionären und Gewerkschaften offenlegen zu müssen. Die im schwedischen Entwurf verbliebenen allgemeinen Offenlegungspflichten sollen zudem nur für Investoren gelten, die eine Kontrollmehrheit an dem jeweiligen Unternehmen besitzen. Minderheitsaktionäre bleiben davon unbehelligt.

Die Schweden lockerten auch die Eigenkapitalanforderungen für Private Equity. Wenn Investoren ihr Kapital für mindestens fünf Jahre im Fonds festlegen, dann sollten die Eigenkapitalanforderungen "reduziert werden", heißt es in dem schwedischen Entwurf. Weitere Voraussetzung: Der Fonds muss schuldenfrei sein. Diese Bedingungen treffen auf Private Equity in der Regel zu, auf Hedge-Fonds dagegen nicht.

Der schwedische Entwurf verzichtet zudem auf die Forderung nach einer regelmäßigen unabhängigen Bewertung des Fonds-Vermögens. Es genüge, wenn der Fonds sein Vermögen selber bewerte und das Ergebnis von einem Wirtschaftsprüfer bestätigen lasse. Auch damit dürfte die Private-Equity-Branche zufrieden sein. Eine unabhängige Bewertung, so die Befürchtung der Branche, würde hohe Kosten verursachen.

Darunter zu leiden hätten auch die kleinen Wagnis-Kapitalfonds. Sie werden von der neuen EU-Richtlinie zwar nicht direkt erfasst, denn ihr Vermögen liegt meist unter dem Schwellenwert von 500 Mio. Euro. Trotzdem könnten kleine Fonds indirekt betroffen sein. Institutionelle Anleger, etwa die großen Versicherungen, lassen bereits durchblicken, dass sie künftig nur noch in AIFM-regulierte Fonds investieren wollen. Kleinen Fonds bliebe also gar nichts anderes übrig, als die Vorschriften der neuen EU-Richtlinie freiwillig zu erfüllen.

Ruth Berschens leitet das Korrespondenten-Büro in Brüssel.
Ruth Berschens
Handelsblatt / Büroleiterin Brüssel
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