Regulierung
Hedge-Fonds im Fokus

Die britische Finanzaufsicht FSA sieht keinen Anlass, ihren liberalen Regulierungsansatz für Hedge-Fonds deutlich zu verschärfen. „Wir können nicht die Handelsrisiken der gesamten Finanzindustrie managen“, sagte Hector Sants, Leiter der Abteilung institutionelle Märkte und Großinvestoren der FSA im Gespräch mit dem Handelsblatt. Die Briten wollen weiter vor allem auf eine freiwillige Selbstregulierung setzen. Einen ähnlichen Ansatz verfolgt auch die Bundesbank.

mm / mak LONDON / FRANKFURT. Das Thema Hedge-Fonds wird auf dem am heutigen Mittwoch beginnenden Gipfel der sieben größten Industrienationen in Essen eine wichtige Rolle spielen. Bundesfinanzminister Peer Steinbrück (SPD) hat das Thema auf die Agenda gesetzt, weil die Berliner Regierung durch das milliardenschwere Geschäft der bisher kaum regulierten Fonds die Sicherheit des Weltfinanzsystems bedroht sieht. Nach dem rasanten Wachstum der vergangenen Jahre verwalten die weltweit etwa 9 000 Hedge-Fonds mittlerweile ein Vermögen von 1,4 Bill. Euro. Bislang standen vor allem Großbritannien und die USA schärferen Regeln für Hedge-Fonds skeptisch gegenüber, weil sie um ihre Wettbewerbsfähigkeit als Finanzplätze fürchten.

„Es ist ein beachtlicher Erfolg, dass Hedge-Fonds auch bei den Regierungschefs ein Thema geworden sind, und es wäre wünschenswert, dass es auf der politischen Agenda bleibt“, sagte Edgar Meister, der im Bundesbank-Vorstand für die Bankenaufsicht zuständig ist, der Nachrichtenagentur Reuters. Mit konkreten Ergebnissen rechnet er aber noch nicht. Deshalb sollten die Fonds auch beim nächsten Weltwirtschaftsgipfel in Heiligendamm im Juni auf dem Programm stehen. Die Bundesregierung wünscht sich unter anderem ein zentrales Kreditregister, das erfasst, welche Banken welchen Hedge-Fonds wie viel Geld leihen. So soll verhindert werden, dass der Zusammenbruch eines großen oder einer Reihe kleinerer Hedge-Fonds zu einer Kettenreaktion in der Finanzbranche führt.

Die britische Finanzaufsicht sammelt solche Informationen bereits alle sechs Monate auf freiwilliger Basis von den Banken ein. „Allerdings muss man klar sehen, dass dieser Prozess seine Grenzen hat, weil es viele verschiedene Wege gibt, Hedge-Fonds mit Fremdkapital zu versorgen“, sagt Sants. Eine zwangsweise Verpflichtung der Banken zur Teilnahme an einem Kreditregister hält er deshalb für wenig realistisch.

Das selbe gilt für eine verschärfte Regulierung der Hedge-Fonds selbst. „Eine Überwachung einzelner Handelspositionen in den Portfolios der Fonds schafft für einen Regulierer kaum zusätzlichen Wert, ein solches Verfahren wäre weder praktikabel noch wünschenswert“, sagt der FSA-Mann. Die britische Aufsicht hofft viel mehr auf den Erfolg einer Initiative der internationalen Vereinigung der Wertpapieraufseher Iosco. Unter Federführung der FSA entwickelt die Iosco derzeit einen freiwilligen Verhaltenskodex für Hedge-Fonds. Sants hofft, dass die Ergebnisse noch in diesem Jahr veröffentlicht werden.

Auch die Bundesbank setzt auf eine Selbstregulierung der Branche, um die Risiken unter Kontrolle zu bringen. „Marktorientierte Regelungen würden am schnellsten und effektivsten greifen - die Hedge-Fonds sollten hier einen essentiellen Eigenbeitrag leisten“, sagt Meister. Schließlich profitierten die Fonds von der Stabilität der Märkte. Der Bundesbank-Vorstand hat zudem Kredit-Ratings für Hedge-Fonds vorgeschlagen. Die Rating-Agenturen verfügten über hohe Expertise, das Risikomanagement von Hedge-Fonds und deren Wirkung auf Teilmärkte zu beurteilen.

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