Rekordabflüsse
Anleger flüchten aus Fonds

Die europäische Fondsbranche leidet unter einer Massenflucht ihrer Investoren. Experten erwarten in diesem Jahr Kapitalabflüsse von knapp 400 Milliarden Euro. Eine Katastrophe für die Investmentgesellschaften. Doch es gibt einen Hoffnungsschimmer.

FRANKFURT. Europäische Anleger haben im Oktober aus Investmentfonds Kapital in der Rekordhöhe von gut 154 Mrd. Euro abgezogen. Dies zeigen Zahlen des Londoner Datenanbieters Lipper FMI. 2008 stehe damit wegen der Finanzkrise als "Katastrophenjahr für die Fondsbranche fest", sagt Diana Mackay, Geschäftsführerin bei Lipper FMI. Mackay erwartet in diesem Jahr Kapitalabzüge von insgesamt knapp 400 Mrd. Euro. Bereits im September hatten Investoren Fondsanteile im Wert von knapp 126 Mrd. Euro abgestoßen. Das verwaltete Vermögen der europäischen Fondsbranche dürfte in diesem Krisenjahr laut Mackay um gut ein Viertel auf knapp vier Bill. Euro zusammengeschmolzen sein; gut ein Drittel machen die Kapitalabzüge aus, der Rest sind Wertverluste am Kapitalmarkt.

Die Krise treffe die Branche mit einer solchen Wucht, weil Investoren aus allen wichtigen Fondsgruppen Kapital herausnähmen, sagt Mackay. Im Oktober haben neben Geldmarktfonds besonders Anleihefonds gelitten, die über 56 Mrd. Euro verloren. Experten interpretieren die Flucht aus den beiden Fondsgruppen unterschiedlich. Mackay macht die in verschiedenen Ländern ausgesprochenen Staatsgarantien für Bankeinlagen dafür verantwortlich. Diese Garantien hätten private Anleger weg von Fonds und hin zu den Banken getrieben, sagt sie. Im Gegensatz zum September hätten im Oktober viele private Investoren Geldmarkt- und Rentenfonds mit kurz laufenden Anleihen verkauft.

Dagegen verweist Werner Hedrich, Leiter Fondsresearch beim Ratinghaus Morningstar, vor allem auf die Strategien institutioneller Anleger. Diese lösen zum Jahresende generell aus bilanztechnisch-steuerlichen Gründen Positionen in Geldmarktfonds auf und stellen sie Anfang des Jahres wieder ein. 2008 dürften vorsichtige Investoren damit früher begonnen haben, um nicht wegen des krisenbedingt zähen Handels am Geldmarkt in Bedrängnis zu geraten, sagt Hedrich.

Einig sind sich die Strategen darüber, dass zumindest in diesem Jahr das Schlimmste überstanden sei. In der Branche schätzt man den Novemberabsatz als weniger dramatisch ein als den der Vormonate. Im Dezember rechnet man bei Lipper FMI vor allem mit den bilanztechnisch bedingten Abflüssen.

Wer einen Hoffnungsschimmer suche, finde ihn bei Aktienfonds in Europa, meint Mackay. Zwar haben deutsche Anleger im Oktober auch aus Aktienfonds knapp fünf Mrd. Euro abgezogen. In anderen großen Fonds-Ländern wie Frankreich hätten Investoren dagegen netto investiert, sagt sie. Vor allem die passiv gemanagten börsengehandelten Fonds ETF gewinnen Kapital. Auch Hedrich meint: "Wer aus Aktienfonds raus wollte, ist jetzt draußen."

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