Rekordabsatz für Investmentfonds
Aktien? Aber bitte gut gemischt!

Noch nie sind deutsche Anleger so vehement mit Fonds auf den Aktienzug aufgesprungen wie in diesem Jahr. Die Börsenabstinenz nimmt ab – doch bei den Käufern steht auch Sicherheit im Fokus.
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FrankfurtDie Deutschen mögen keine Aktien. Das galt über praktisch das gesamte Jahrtausend. In diesem Jahr ist alles anders. Die deutschen Anleger begeistern sich für Fonds, die in Aktien investieren oder diese in Kombination mit anderen Vermögensformen einbauen.

Der deutsche Fondsverband veröffentlichte beeindruckende Zahlen zum neuen Denken. Die Branche setzte in diesem Jahr bis Juli für netto 124,4 Milliarden Euro Fondsanteile ab. Der Clou: Dieser Betrag übertrifft bereits jetzt den bisherigen Rekord des Gesamtjahres 2000 – dem Börsenboomjahr, in dem die Privaten so viele Aktienfonds gekauft hatten wie noch nie zuvor.

Im Gesamtabsatz steckt ein großer Teil Geldes von institutionellen Fondsinvestoren wie Versicherungen und Pensionskassen, die letztlich das Geld privater Anleger investieren. Doch auch beim direkten klassischen Privatkundengeschäft ist ein Rekordjahr 2015 kaum mehr aufzuhalten. Private investierten in die auf sie zugeschnittenen Publikumsfonds bis Juli 49,8 Milliarden Euro. Für das laufende Jahr sollte auch die 2000er-Rekordmarke von 74,7 Milliarden Euro übertroffen werden.

Die neue Lust an der Börse steht heute auf robusterem Fundament als damals. Der frühere Börsenboom war in der Spätphase von Spekulation getrieben. In der zweiten Hälfte der 90er-Jahre begannen sich Anleger um Internetaktien zu reißen, die am Ende völlig überbewertet waren. Der Gedanke an einen schnellen Gewinn trieb viele Sparer in die Aktie – und das ohne Sicherheitsnetz.

Die Nachfrage war so stark, dass Privatanleger im Jahr 2000 praktisch nur reine Aktienfonds gekauft hatten. Mischfonds, die mit Kombinationen verschiedener Wertpapierformen die Risiken streuen, waren weit weniger beliebt. Heute hat sich das Bild gedreht. Die Anleger gehen vorsichtig vor.

Bis Juli kauften sie für 10,3 Milliarden Euro Aktienfondsanteile, aber für 26,9 Milliarden Euro Mischfonds. Laut Branchenschätzungen ist knapp die Hälfte des Mischfondskapitals in Aktien investiert.

Mit dem sich andeutenden neuen Trend könnte eine Ära zu Ende gehen. Über sehr lange Zeit hatten die Deutschen der Aktie den Rücken gekehrt, erst verbrannt vom Börsen-Crash zur Jahrtausendwende, dann vom Absturz im heißen Finanzkrisenjahr 2008. Seitdem ist jedoch die bislang wichtigste Anlageform uninteressant geworden: die Zinsanlage.

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  • Sie werden Ihre Euronen an die Wand nagel, die Aktien nicht behalten ihren Wert
    oder was meinen Sie, warum die "Reichen" jeden Krieg schadlos überstehen?
    Mit den Fond-Papieren können Sie sich allerdings die nicht vorhandenen Zigarren anzünden.

  • Ob ein Sparer eine Rendite erzielt hängt vom Realzinssatz ab. Dieser errechnet sich aus Nominalzins minus Inflation. Insofern ist ein heutiger Sparer selbst bei einem Nominalzinssatz von 0 % bei einer Inflationsrate von unter 1 % noch vergleichsweise gut bedient.

    Früher gabs z.B. eine Sparbuchverzinsung von 2 % bei einer Inflation von 4 %. Da haben die Sparer nicht gemeckert, was sich Geldillusion nennt. ;-)

    Wie zu hören war (= ich suchs jetzt nicht heraus) liegt die reale Aktienrendite bei DAX-Werten noch im positiven Bereich. Ein Einstieg ist daher jetzt noch rentierlich. Selbst wenn ein Crash kommen sollte, sind bald wieder die selben Höhen erreicht. Wo sollten die Leute sonst ihr Geld anlegen?

  • Und prompt steht eine 15% Besteuerung von Fonds an. Passt schon.

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