Renaissance der Growth-Aktien
Trendwechsel zu Wachstum

Growth-Aktien feiern nach sieben Jahren eine Renaissance. Bei Investoren stehen die Titel derzeit hoch im Kurs - denn sie versprechen sich hohe Kurssteigerungen. Immerhin notieren die Titel auf historischen Tiefständen. Doch das ist nicht der einzige Grund für das Interesse der Anleger an den wachstumsstarken Aktien.

FRANKFURT. An den internationalen Aktienmärkten zeichnet sich ein Paradigmenwechsel ab: Nach sieben Jahren billigen gerade die großen institutionellen Anleger den wachstumsstarken Growth-Titeln wieder größere Chancen zu als der Value-Strategie, bei der sie jahrelang nach unterbewerteten konservativen Aktien gesucht hatten. Hauptargument dabei: "Wachstumstitel werden im historischen Vergleich mit extremen Bewertungsabschlägen gehandelt, so dass sich die Abstände insbesondere zu Value-Titeln auf historischen Tiefständen befinden", sagt John Granholm, Senior-Portfoliomanager beim Vermögensverwalter Alliance Bernstein in London.

Das wird anhand einfacher Zahlen deutlich. Durch das lange Jahre angesagte Streben nach Sicherheit waren Wachstumsaktien völlig aus der Mode. Aktuell sind konservative Value-Titel weltweit mit dem 10,5-fachen eines Jahresgewinns bewertet, die spekulativeren, aber auch chancenreicheren Growth-Aktien indes nur mit dem 12,8-fachen. Das haben die Experten der Citigroup berechnet. In den letzten Spitzenzeiten der Growth-Euphorie ging die Bewertung bis auf einen Abstand von fast 30 Punkte.

Weiteres Argument: "Growth" aus den Jahren 1999 und 2000 ist nicht mehr mit Growth des Jahres 2008 zu vergleichen. Waren sogenannte "TMT"-Werte, also Aktien aus den Branchen Technologie, Medien und Telekom, damals mit einem Anteil von 40 Prozent dominant und bei vielen Investoren Inbegriff für potenzielles Wachstum, so ist das Bild heute weit ausgewogener. TMT-Aktien haben im europäischen Growth-Segment nur noch einen Anteil von zehn Prozent. Zudem sind aus einstmals sechs Teilbereichen (TMT, Gesundheitswesen, Konsum, Finanzwesen, Industrie und Rohstoffe/Energie) heute acht geworden, deren Anteil untereinander weit ausgewogener ist als damals (hinzu kam die Unterscheidung in Konsum nicht-zyklisch und Konsum zyklisch sowie in Energie und Rohstoffe). Größte Einzelbranchen sind mit jeweils 16 Prozent der Industrie- und Rohstoffsektor.

"Die Basis ist heute viel breiter gefächert, was die Auswahl geeigneter Titel sehr viel einfacher macht", sagt Heiko Veit, Senior-Portfolio-Manager beim Bankhaus Metzler. Die Tendenz, dass sich Growth-Aktien besser als Value-Titel entwickeln, zeichnet sich bereits seit dem Ausbruch der Finanzkrise im vergangenen Sommer ab.

Inzwischen schwenken mehr und mehr Großinvestoren um. Und das nicht nur in Europa, sondern auch in den USA, das aus europäischer Sichtweise noch weitaus mehr mit der Krise zu kämpfen hat als der hiesige Markt. "Zwar sind US-Aktien in den letzten Monaten gefallen, doch unserer Ansicht nach sollten Wachstumsaktien als Erste anziehen, wenn die Konjunkturindikatoren drehen", sagt Grant Bowers, Portfolio-Manager bei der Fondsgesellschaft Franklin Templeton. Weiteres Indiz für ihn: Zwischen hoch- und minderwertigen Growth-Werten besteht preislich derzeit kaum ein Unterschied. Beide liegen etwa auf dem gleichen Niveau.

Bowers favorisiert deshalb vor allem US-Exporteure, die vom schwachen Dollar profitieren sowie Unternehmen, die einen erheblichen Teil ihrer Tätigkeit oder Umsätze im Ausland haben. Paradebeispiel für ihn ist der unangefochtene US-Marktführer bei Krebsmitteln Celgene, der derzeit Ziele außerhalb der USA ins Visier nimmt.

Für Europa gilt vielen Anlageberatern indes noch ein anderes Argument als Kurstreiber. Laut der Fondsrating-Agentur Morningstar floss zuletzt ein Fondsvolumen von 47,2 Mrd. Euro in 132 Fonds aus dem Value-Segment, dagegen waren nur 10,4 Mrd. Euro in 35 Growth-Fonds investiert. Und das bei gleicher Größe des zugrunde liegenden Anlageuniversums. "Allein diese Zahlen sind als ein exzellenter Kontraindikator zu werten, zeigen sie doch, wie groß die Chancen sind, die derzeit im Growth-Bereich lauern", sagt Heiko Veit.

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