Renditeeinbußen
Überkapazitäten drücken die Renditen der Fonds

Schiffsfonds-Anleger müssen sich auf Renditeeinbußen einstellen, denn die Charterraten für Handelsschiffe sind stark gefallen. Ein Großteil der bestellten Schiffe kommt bereits 2009 auf den Markt – die ersten Schiffe sind ohne Beschäftigung.

HB HAMBURG. Das hat mehrere Gründe. Große Industrieländer wie die USA und Deutschland rutschen in eine Rezession. Aufstrebende Nationen wie China wachsen langsamer als noch vor wenigen Monaten angenommen. In der Folge nimmt das weltweite Handelsvolumen ab. Das hat einerseits bereits zu fallenden Carterraten (Mieten) für Handelsschiffe geführt und andererseits sind bereits die ersten Schiffe ohne Beschäftigung.

Die sich abzeichnende Überkapazität auf dem Schiffsmarkt wird die Charterraten weiter unter Druck setzen. Da erweist es sich sogar als Lichtblick, dass die Banken kaum noch neue Schiffe finanzieren. Die deutsche Anleger, die mit ihrem Geld den größten Teil der Containerschiffe auf den Weltmeeren in Fahrt gesetzt haben und auch in großem Stil an Massengutfrachtern, Tankern und Kühlschiffen beteiligt sind, ziehen jetzt risikoarme Sparanlagen vor und lassen Schiffe links liegen. Mangels Finanzierung und wegen fehlender Charterverträge rechnet Schifffahrtsexperte Jürgen Dobert damit, dass Bauaufträge storniert werden. Aktuell seien weltweit gut 1300 Schiffe für 62,2 Mrd. Dollar bestellt, die nach ursprünglicher Planung bis 2012 abgeliefert würden, berichtete er in dieser Woche auf dem Schiffsfinanzierer-Kongress Hansa-Forum in Hamburg. „Ende des Jahres 2009 werden wir massive Überkapazitäten haben“; sagte Remmo Roeland vom Analysehaus Howe Robinson mit Blick auf die bevorstehenden Ablieferungen von großen Containerschiffen.

Nach Zahlen des Instituts für Seeverkehrswirtschaft und Logistik (ISL) werden bis dahin 271 Schiffe mit 4000 oder mehr Stellplätzen (TEU) abgeliefert. Das sind 40 Prozent der neuen Schiffe, die bringen aber rund drei Viertel der gut 2,3 Mill. zusätzliche Stellplätze auf den Markt. Die Kapazität eines Containerschiffs wird in Zwanzig-Fuß-Normcontainern (TEU) gemessen. Kein guter Zeitpunkt, um in Schiffe zu investieren. Wer dies bereits vor Jahren getan hat, muss mit niedrigeren Ausschüttungen rechnen Anleger, wenn aktuell der Chartervertrag für sein Fondsschiff ausläuft. Ein Beispiel: Für ein 2000-TEU- Containerschiff liegt die Tagesmiete heute etwa bei 15 000 Dollar. Geringer war sie in den vergangenen fünf Jahren nur für einige Wochen im Sommer 2006. In der Spitze lag sie zwischenzeitlich mehr als doppelt so hoch. Die Rateneinbrüche bei Massengutfrachtern und Tankern sind vergleichbar dramatisch. Manchen Schiffen droht, dass sie gar keine Beschäftigung, also keine Ladung finden. Gegenwärtig seien bereits 60 bis 70 Schiffe ohne Beschäftigung, berichtete der Hamburger Schiffsmakler Thomas Rheder.

Bis Mitte des nächsten Jahres laufen Charterverträge für rund 850 Schiffe aus, ergab eine Umfrage des Brachenexperten Dobert. Davon fallen 276 in die bei Fonds häufig vertretene Größenklasse 1200 bis 1900 TEU. „Einige Schiffe werden aktuell Probleme haben, überhaupt einen Charterer zu finden“, sagte Axel Steffen, geschäftsführender Gesellschafter der Reederei Marconsult Schiffahrt (Redaktioneller Hinweis: Eigenname – deshalb nur zwei ff) und zuvor viele Jahre Manager eines Emissionshauses, am Rande des Kongresses.

Anleger, deren Schiffe in einem Einnahmepool fahren, kommen besser über die Phase niedriger Charterraten hinweg. Die Charterverträge liefen zu unterschiedlichen Zeiten aus, erläuterte Sönke Fanslow, geschäftsführender Gesellschafter der Hansa Treuhand, einem der großen Schiffsfondshäuser. Das Prinzip: Niedrige Abschlüsse – wie jetzt – werden durch Einnahmen aus zu Hochzeit abgeschlossenen Verträgen ausgeglichen. Die Hansa Treuhand habe 90 Prozent der Fonds-Flotte gepoolt, sagt Fanslow. Wettbewerber HCI bekannte sich auf dem Forum ebenfalls zur Pool-Philosophie.

Seite 1:

Überkapazitäten drücken die Renditen der Fonds

Seite 2:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%