Rentenfonds
Der Neue muss es richten

Matthieu Louanges will das Ruder herumreißen, der neue Anleihefondschef soll den ehemaligen Vorzeige-Rentenfonds von AGI wieder auf Kurs bringen. Derzeit empfielt der Maklerpool BCA den Fonds nicht: Louanges hat viel zu tun.

FRANKFURT. Matthieu Louanges trägt Verantwortung. Der Anleihefondschef der Allianz-Fondstocher AGI bestimmt seit Januar den Kurs des ins Schlingern geratenen Kassenschlagers, des Allianz Dit Euro Bond Total Return Fonds. Nach fulminantem Start 2002 mit guter Wertentwicklung und raschen Kapitalzuflüssen in Milliarden-Höhe kann der Fonds seit Mitte 2005 nicht mehr an seinen Anfangserfolg anknüpfen. Anleger entzogen dem Fonds, der laut AGI mit aktivem Management verschiedener Anleihearten vor allem aus dem Euroraum möglichst viel Ertrag erzielen will, mehr als die Hälfte seines Vermögens von in der Spitze rund acht Mrd. Euro. Der bekannte Fondsmanager Scott Mather gab den Fonds Ende 2007 ab. Aktuell stecken noch 2,9 Mrd. Euro im Fonds, jeweils die Hälfte kommt von privaten und institutionellen Anlegern.

Als Hauptgrund für das schlechte Abschneiden sehen Fondsanalysten die verfehlte Markteinschätzung der renommierten Allianz-Tochter Pimco, zu der Louanges und Mather gehören. Das US-Haus Pimco, das als einer der besten Vermögensverwalter für Bonds gilt, ist bekannt für konträre Marktmeinungen. Die Fondsmanager formen daraus Anlagestrategien. Mather habe von Mitte 2005 bis Mitte 2007 mit Wetten auf sinkende Zinsen daneben gelegen, sagt Werner Hedrich, Fondsanalyst beim US-Ratinghaus Morningstar: "Pimco hat die Wirtschaftsdynamik im Euroraum unterschätzt." Auch Louanges erklärt die Durststrecke damit, dass die Fondsperformance bis Mitte 2007 gelitten habe, weil man sich zu früh defensiv positioniert habe.

Die Jahresrenditen des Fonds von bis zu elf Prozent aus der Anfangszeit waren damit passé: 2006 und 2007 schloss Mather laut Feri Rating & Research sogar mit einem Minus von je knapp einem Prozent ab. Hedrich von Morningstar kann daher die krasse Reaktion der Anleger verstehen: "Man kann nicht immer recht haben, aber wenn was schief läuft, kann man nicht zwei Jahre abwarten". 2007 verlor der Fonds Kapital von 2,5 Mrd. Euro.

Das Fondsvolumen habe sich seit Jahresanfang stabilisiert, sagt Louanges. Bereits seit Herbst profitiere der Fonds von den steigenden Kursen am Bondmarkt, sagt der 36-jährige Franzose, der für AGI mehr als zehn Mrd. Euro verwaltet. Louanges führt den globalen Ansatz Mathers und die mittel- bis langfristig ausgerichtete Anlagephilosophie fort. Aktuell setzt er darauf, dass im Zuge der Wirtschaftsabschwächung die kurzfristigen Zinsen nach Leitzinssenkungen stärker sinken als die langfristigen, länger laufende Anleihen also relativ attraktiver werden. Den generell gewichtigen Anteil Staatsanleihen im Portfolio hat er deutlich reduziert, da er die Titel für teuer hält. Zu mehr als einem Zehntel befinden sich dort "Bankanleihen solider Häuser in Europa, deren Kurse krisenbedingt stark gelitten haben". Zudem investiert Louanges deutlich stärker als sein Vergleichsindex Lehman Brothers Euro Aggregate-Index in forderungsverbriefte Anleihen (ABS). Zusätzlich zu Emissionen, die von den großen US-Hypothekenfinanzierern Fannie Mae und Freddy Mac garantiert sind, machen klassische ABS etwa 30 Prozent des Vermögens aus. Davon wiederum seien zwei Drittel europäische ABS, ein Drittel auch amerikanische Papiere. Da die Bewertungen weggebrochen seien, belasteten die ABS zwar aktuell den Fondsertrag, sagt Louanges: "Doch diese Titel mit Top-Qualität sind sehr attraktiv."

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