Risikokapital-Initiative der Regierung stockt
Beteiligungsfirmen üben Kritik an Staatsfonds

Der Bundesverband deutscher Kapitalbeteiligungsgesellschaften (BVK) verliert die Geduld mit der Risikokapital-Initiative der Bundesregierung. Im Februar 2004 fiel der Startschuss für den mit 500 Mill. Euro ausgestatteten Dachfonds für Beteiligungskapital. Doch bislang ging der Dachfonds kein einziges Engagement ein.

BERLIN. „Wir sollten eine Evaluierung vornehmen, um zu sehen, wo es klemmt“, fordert BVK-Geschäftsführer Holger Frommann gegenüber dem Handelsblatt. Dagegen wirbt das Management des Dachfonds um Geduld: Auch wenn der deutsche Markt für Venture Capital (Risikokapital) in einer sehr schwierigen Situation stecke, gebe es positive Anzeichen.

Generell sieht der Markt für Beteiligungskapital nicht schlecht aus. Der BVK rechnet in diesem Jahr in Deutschland mit Bruttoinvestitionen von drei Mrd. Euro, was den Vorjahreswert um knapp 600 Mill. Euro übersteigen würde. „Aber es gibt einen Kapitalmangel bei Venture- Capital-Fonds“, konstatierte der BVK-Vorstandsvorsitzende Thomas Kühr unlängst.

Dieses Problem hat auch die Bundesregierung erkannt. Sie schuf daher einen Dachfonds für Beteiligungskapital mit Sitz in Luxemburg, der mit je 250 Mill. Euro vom ERP-Sondervermögen der Regierung und vom Europäischen Investitionsfonds (EIF), einer Tochter der Europäischen Investitionsbank, gespeist wurde. Für das Management des Dachfonds zeichnet der EIF verantwortlich.

„Der Dachfonds ist operationell tätig und voll handlungsfähig“, sagt Matthias Ummenhofer, Manager des Dachfonds, dem Handelsblatt. Doch „die traditionellen Investoren, die in den vergangenen Jahren das Venture-Capital-Geschäft mit aufgebaut und getragen haben – wie zum Beispiel Versicherungen – sind so gut wie nicht mehr im Markt“, setzt er hinzu.

Zudem investiere der Dachfonds nicht in einzelne Unternehmen, sondern in Venture-Capital-Fonds, die sich auf Investitionen in deutsche Unternehmen in der Frühphase (Seed und Start-up) oder in der Wachstumsphase konzentrierten. Da eine Beteiligungsquote von 30 Prozent an einzelnen Fonds nicht überschritten werden soll, müssen die in Frage kommenden Fonds auf jeden Fall weitere Geldgeber mobilisieren. „Ich kenne kaum einen Fonds, der dieses Jahr ein Closing hatte“, sagt Ummenhofer.

Hoffnungen macht man sich in München. „Wir stehen schon länger in sehr intensiven Verhandlungen mit dem Dachfonds, und ich bin zuversichtlich, dass wir uns einigen werden“, sagt Rolf Christof Dienst, Gründungspartner der VC-Gesellschaft Wellington in Bayern. Konkret geht es um einen Technologie- Fonds, der ein Volumen von bis zu 150 Mill. Euro haben soll. „Eine Beteiligung der EIF wäre hilfreich, da der Markt wenig Bereitschaft zeigt, Risikokapital zu mobilisieren“, so Dienst. Wellington ist seit Anfang der 90er Jahre aktiv im Geschäft.

„Bei Wellington sind wir einem Closing sehr nahe“, bestätigt Ummenhofer. Und bei zwei weiteren Engagements bestehe Optimismus. „Wenn alles klappt, können wir in diesem Jahr bis zu 100 Mill. Euro zur Verfügung stellen und damit das Ziel trotz des schwierigen Umfelds erreichen“, sagt Ummenhofer.

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