Riskante Anlagestrategien bei Fonds
„Diese Produkte sind eine Zeitbombe“

Vermögensverwalter legen immer mehr Produkte mit größeren Risiken auf. Selbst in der Branche zeigt man sich beunruhigt und rechnet mit zahlreichen Liquiditätsproblemen. Neu ist diese Diskussion allerdings nicht. Was Anleger besser wissen sollten.
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FRANKFURT. In der Fondsbranche sorgen sich hochrangige Vertreter vor möglichen Schieflagen durch riskante Anlagestrategien. "Ich sehe massive Risiken, diese Produkte sind eine Zeitbombe", sagt Wolfgang Mansfeld, Vorstand des Fondsverbandes BVI und einer der großen deutschen Anbieter Union Investment. Mansfeld spricht über regulierte Investmentfonds, die zunehmend Hedge-Fonds-Strategien mit schwer kalkulierbaren Risiken einsetzen.

"Es wird sicher einige Ausfälle geben", sagt auch Andrej Brodnik, Deutschland-Geschäftsführer der weltgrößten Fondsgesellschaft Blackrock. Fabrice Cuchet, Leiter alternative Investments bei Dexia Asset Management, erwartet: "Viele der Produkte werden in der Zukunft Liquiditätsprobleme bekommen."

Manche Anbieter nutzen Freiheiten bei Derivaten voll aus

Die Debatte über diese Risiken ist nicht neu. Aber sie verschärft sich. Der Grund: Aus der anfänglichen Welle neuer Produkte ist eine wahre Flut geworden. Im laufenden Jahr bis Ende Oktober lancierten Anbieter 193 Produkte mit Hedge-Fonds-Strategien. Das ist mehr als in den vier Jahren zuvor zusammen. Jetzt sind 416 Fonds am Markt.

Über das in diesen Fonds angesammelte Vermögen gehen die Schätzungen weit auseinander, denn der Markt ist wenig transparent. Ahmet Peker, Dach-Hedge-Fondsmanager des Sparkassen-Fondshauses Deka, spricht von 30 bis 40 Milliarden Euro. Andere Experten nennen 50 bis 60 Milliarden Euro, Mansfeld spricht von knapp 100 Milliarden Euro. Die Nettozuflüsse in diesem Jahr beziffern Fachleute auf sechs Milliarden Euro.

Kern solcher Fondsprodukte ist immer der Einsatz von Derivaten, mit denen auch gewagte Positionen eingegangen werden können. Seit Mitte des Jahrtausends gibt es diese Möglichkeiten. Die Wende kam mit der Reform der EU-Fondsrichtlinie, im Branchenjargon Ucits III betitelt. Vorher waren Derivate nur zur Absicherung von Fondspositionen erlaubt, seitdem können sie auch ohne diese Einschränkung gewichtig eingesetzt werden. Auf diese Weise können die Fondsmanager jetzt auch auf fallende Preise und Kurse setzen sowie mit Hebelprodukten arbeiten. "Man kann große Risiken eingehen", bestätigt Alexander Ineichen, Leiter Research und Produktentwicklung beim Vermögensverwalter Prime Capital.

Inzwischen nutzen Fondshäuser diese Freiheiten ausgiebig. Sie wollen in turbulenten Börsenzeiten und bei den historisch niedrigen Anleiherenditen attraktive Anlagestrategien bieten und vergleichsweise hohe Gebühren einnehmen. Deka-Mann Peker rechnet daher "2011 mit einer starken Zunahme der Investitionen."

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  • "aruba" hält aber den Salzstreuer in die Wunde! Durch unverständliche Produkte, hier Zertifikaten, verstand der Anleger nur noch "maximal 14% Rendite" (z.b. DE000CK78057). Dann zwei Seiten Risikoaufklärung - bla. Aber dahinter steckten: höhere Managementgebühren, sprich Kosten, höhere Riskiken und - ja was ist denn das - eine Gewinnkappung auf eben jene z.b. 14%! Sowas gab es beim "guten alten" Aktienfond aber nicht.
    Unterm Strich kommt nichts für den Anleger rum, kann aber deutlich schneller in die Hose gehen, auf jeden Fall langfristig, da sämtliche indices nur noch Fieberkurven statt Charts gleichen, getrieben von einer Menge Krisen, die jedesmal eine Reihe Fonds pulverisieren.
    Da investmentbanker immer kürzer "leben" und immer skrupelloser werden, konzentrieren die sich auf 2 Jahre Party und dann ab durch die Mitte ans rettende Ufer.
    ich hab bei "Onvista" 2009 allein mit Aktien 100% in 6 Monaten gemacht - 3 Monate Performance Platz 1 von 7500 Depots - es geht also - aber eben nicht immer und überall. Das scheint den "Gierigen" eben nicht zu reichen.

  • hallo Aruba,
    Sie machen den gleichen Fehler wie alle Unsicheren: Sie werfen alle Finazberater (oder bankberater, oder Anlagenberater: bitte auswählen welchen Namen Sie möchten) in einen Topf. Und das ohne zu wissen, was dieser beruf beinhaltet. So kann sich ein Makler nicht leisten kriminelle Produkte anzubieten. Grund: er muss dafür haften. Dafür muss er Seit ein paar Jahren eine Vermögenshadenversicherung haben. Und die wirft ihn raus, wenn er sie 2-3 mal schädigt. Dann ist sein beruf zu Ende.
    Er muss auch eine bestimmte Ausbildung haben... die Sie mit Sicherheit nicht haben (soll kein Vorwurf sein, nur eine Vermutung)
    Zum Thema: natürlich gibt es eine Menge "krumme" Kapitalanlagen. Doch warum gibt es die? Weil der Kunde den Hals nicht vollbekommt und über die Renditen die Risiken übersieht (will).
    Oder noch besser: Gier frist Hirn!

  • Viele investmentfonds beinhalten zweifelsfrei Risiken, die für den normalen Anleger nicht sichtbar sind, keine Frage. Für meinen Geschmack suggeriert dieser Artikel aber eine Nähe von Luxemburg zu den Caymans, die es (zumindest im regulierten bereich) so nicht gibt: Ein Fonds nach Teil i des Luxemburger Gesetzes von 2002 (also der mit dem EU-Prüfstempel) kann nunmal nicht hebeln wie er will.
    ich bin auch tatsächlich der Meinung, man sollte den Fondsprospekt lesen und versteht man dann wirklich nichts mehr, dann gibt es sicher auch andere Produkte für das sauer Ersparte. Mit mehr Rendite steigt nämlich immer auch das Risiko. ist sich ein Kleinanleger dessen bewusst, sollte er keine Angst vor den 'skrupellosen Managern' haben. Sonst schießen wir hier mit Kanonen auf Heuschrecken.

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