Riskante Strategie
Hedge-Fonds-Manager setzt alles auf Griechenland

Man kann George Elliott Realitätsferne vorwerfen oder ein Gespür für die ganz großen Chancen. Der Hedgefonds-Gründer will ausschließlich in griechische Aktien investieren. Angeblich wurden ihm viele Millionen anvertraut.
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New YorkAls Gründer eines Hedgefonds, der plant, ausschließlich in griechische Aktien zu investieren, ist es George Elliott gewohnt, wie ein Kuriosum behandelt zu werden. Im März hatte er ein Treffen mit dem Investmentchef einer vermögenden Familie in London, der gleich zu Beginn der Unterhaltung erklärte, dass seine Firma nicht gedenke, in einen Hedgefonds Geld zu stecken, der auf Griechenland setze. Er wolle lediglich Elliotts Geschichte hören, sagt der Gründer der Hedgefondsgesellschaft Naftilia Asset Management Ltd. im Telefoninterview mit Bloomberg News.

Der 39-Jährige antwortete mit einigen Gegenfragen und wollte wissen, ob sein Gegenüber in Russland nach der Währungskrise von 1998 investiert habe?, oder in Argentinien von zehn Jahren?, oder in den Standard & Poor's 500 Index im März 2009, als das Börsenbarometer sein 13-Jahres-Tief erreicht hatte? Zu guter Letzt wollte Elliott wissen, ob der Investmentchef je Aktien von Apple Inc. gekauft habe. Auf alle Fragen erhielt er ein „Nein“. „In dem Fall sind Sie nicht qualifiziert, mit mir über Griechenland zu sprechen, da Sie die besten Investment- Gelegenheiten der vergangenen 20 Jahre verpasst haben“, erinnert sich Elliott, dem Investmentchef erwidert zu haben.

Nach einer längeren Diskussion erklärte sich die Vermögensverwaltung bereit, ein Team nach Athen zu senden, um die Thesen Elliotts zu prüfen. Schließlich investierten sie Geld in den Greek Opportunity Fund von Naftilia. Um wen es sich dabei genau handelt, wollte Elliott nicht sagen, da er seine Investoren geheim hält.

„Es braucht seine Zeit, Leute zu überzeugen, aber wenn wir ihnen die Zahlen zeigen und uns nicht auf Makro- sondern die Mikro-Ebene individueller Unternehmen konzentrieren, werden sie begeistert“, sagt Elliott. Wie viele Mittel der Fonds mittlerweile eingesammelt hat, wollte Elliott nicht angeben, eine informierte Person erklärte jedoch gegenüber Bloomberg News, dass es mehr als 50 Millionen Euro sind. Auf welche Branche der Hedgefonds setzen will, wurde nicht spezifiziert, komplett meiden will Elliott jedoch Banken. Das maximale Fondsvolumen ist auf 250 Millionen Euro begrenzt, da die Aktien nach dem Ausverkauf mittlerweile so günstig sind, dass der Markt keine größeren Summen handhaben könnte. Etwa 75 Prozent der griechischen Unternehmen besitzen einen Marktwert von weniger als 50 Millionen Euro.

Die meisten Investoren sind kritisch, wenn Griechenland mit Argentiniens Merval-Index verglichen wird, der seit Ende 2001 mehr als 600 Prozent zugelegt hat. Und Apple hat sich zum wertvollsten Konzern der Welt gemausert. Griechenland hingegen durchlebt gerade das fünfte Rezessionsjahr in Folge, kommt auf eine Arbeitslosenquote von 21,9 Prozent und mit Mittelabflüssen bei seinen Banken kämpfen. Zinsstratege Harvinder Sian von Royal Bank of Scotland Group Plc sieht eine Wahrscheinlichkeit von 90 Prozent, dass das Land in den nächsten zwei Jahren aus der Eurozone herausfällt.

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Elliot und sein Team analysieren seit 18 Monaten griechische Unternehmen

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  • Im Statistiküberblick "Musterschüler und Sitzenbleiber - so verschuldet sind die Euro-Länder" sind meineserachtens nicht alle Daten korrekt. So wird für Belgien eine Veschuldungsquote von 113,9 angegeben. Eurostat gibt allerdings einen Wert von 100,5 für 2012 an. Für Deutschland wird ein Wert von 82,2 für 2012 vorhergesagt. Der im Artikel angegebene Wert von 81,2 gilt nach Eurostat für 2011.

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