Rohstoff-Boom
Staatsfonds stecken ihr Geld in Private Equity

Wohin mit dem Geld? Wegen des Rohstoffbooms haben die Staatsfonds soviel Geld zu verteilen, das Experten eine kräftige Aufstockung der Mittelzusagen erwarten. So sollen die Risiken gestreut werden. Schon explodiert die Zahl der Private-Equity-Fonds, die sich speziell in den Golfstaaten niederlassen.

FRANKFURT. Staatsfonds werden in den kommenden Jahren immer stärker in Private Equity investieren. "Den Staatsfonds fließen bedingt durch den Rohstoff-Boom Unmengen von Kapital zu", sagt Hellmut Kirchner, Gründungspartner beim Dachfondsanbieter VCM Capital Management. Selbst wenn sie den Anteil ihrer Private-Equity-Investitionen nur konstant halten wollten, bedeute dies eine kräftige Aufstockung der Mittelzusagen. Kirchner geht aber davon aus, dass der Anteil auch relativ betrachtet weiter steigt. "Denn es gibt nur wenig Alternativen, die eine so hohe Rendite erbringen", begründet er seine Prognose.

Einer Studie der US-Investmentbank Lehman Brothers zufolge verfügen Staatsfonds derzeit über 2,5 Bill. US-Dollar. Nur drei Prozent davon - also etwa 75 Mrd. Dollar - stecken in sogenannten alternativen Anlageklassen. Hierzu zählen neben Hedge-Fonds auch Private-Equity-Häuser. Lehman sieht als zentralen Grund für die künftig wohl steigenden Investitionen bei Finanzinvestoren den Versuch, Risiken zu streuen.

Einzelne Fonds sind heute sogar schon weiter. So beträgt der Anteil staatlicher Geldgeber beim europäischen Private-Equity-Haus Permira etwa zehn Prozent. Bei Bridgepoint und Terra Firma ist es sogar noch etwas mehr. Die Finanzkrise scheint dem Interesse der Staatsfonds keinen Abbruch getan zu haben. Erst vor wenigen Wochen soll die chinesische Kapitalsammelstelle SAFE dem derzeit im Aufbau befindlichen neuen TPG-Fonds mehr als 2,5 Mrd. Dollar zugesagt haben.

Dass künftig insgesamt noch mehr Geld zu verteilen ist, steht ohnehin außer Frage. So wird erwartet, dass das Vermögen der Staatsfonds binnen fünf Jahren auf bis zu 11,4 Bill. Dollar klettern könnte - gut das Vierfache des jetzigen Volumens.

Das sorgt dafür, dass sich im Umfeld der Staatsfonds auch neue Private-Equity-Fonds etablieren. Gerade in den Golfstaaten explodiert die Zahl der dort beheimateten Finanzinvestoren, sagt Martin Berlin, Manager bei der Dubaier Anlageholding Tatweer. 2007 habe es im Nahen Osten 22 lokale Private-Equity-Fonds mit Eigenkapitalzusagen von rund sechs Mrd. Dollar gegeben. Verglichen mit etablieren Märkten wie Europa oder den USA sei dies zwar nur ein Bruchteil. Doch stelle die Zahl eine Verdreifachung binnen zwölf Monaten dar, urteilt der Ex-McKinsey-Manager. Für die Zukunft geht er zudem davon aus, dass Staatsfonds nicht nur in Private-Equity-Häuser investieren, sondern ihr Geld parallel mit den Finanzinvestoren in neue Investments stecken.

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