Royal Bank of Canada
„Bank hat ihre Produkte nicht verstanden“

Eine Millionen-Strafe kommt auf die Royal Bank of Canada zu, weil sie ihren Kunden Verluste mit komplexen Indexfonds (ETFs) verschafft haben soll. Außerdem habe sie Fonds verkauft, deren Risiken sie selber nicht verstanden habe.
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FrankfurtIn den USA muss mit der Royal Bank of Canada (RBC) ein weiterer Anbieter für Verlustgeschäfte von Kunden im Handel mit börsennotierten Indexfonds (ETFs) geradestehen. Der oberste Finanzaufseher des US-Bundesstaates Massachusetts, William Galvin, verdonnerte das Geldhaus zu einer Zahlung von 2,9 Millionen Dollar. Damit sollen Verluste ausgeglichen werden, die Investoren beim Handel mit komplexen ETFs erlitten. Wie bei der Millionenstrafe gegen vier andere Banken geht es auch in diesem Fall um Short-ETFs, die auf fallende Kurse setzen, sowie um gehebelte ETFs, die Wertentwicklungen von Indizes überproportional nachvollziehen.

Am Dienstag hatte die US-Finanzaufsichtsbehörde Financial Industry Regulatory Authority (FINRA) die Citigroup, Morgan Stanley, UBS und Wells Fargo zu einer Strafe von 9,1 Millionen Dollar verurteilt.

Die RBC muss zudem 250.000 Dollar berappen, weil ihre Kapitalmarktsparte nach Galvins Einschätzung „hochvolatile, nicht-traditionelle“ Fonds verkauft habe, die mit den Investitionszielen mancher Anleger nicht übereinstimmten. Die Bank habe Produkte verkauft, die sie selbst nicht verstanden habe, und als sie schließlich die Risiken und Tücken der Investments erkannte, habe sie die Werbung dafür nicht umgehend zurückgefahren. RBC erklärte, die Pflichten gegenüber den Kunden ernst zu nehmen und voll mit den Behörden in dem Fall zusammengearbeitet zu haben.

Short-ETFs vollziehen die Wertentwicklungen von Indizes auf täglicher Basis umgekehrt nach, machen also zum Beispiel aus Verlusten Gewinne. Auch gehebelte ETFs basieren auf der täglichen Wertentwicklung von Indizes. Das macht die Fonds für langfristige Investitionen ungeeignet, weil Anleger die Wertentwicklungen kaum abschätzen können. Von dem 1,2 Billionen Dollar schweren ETF-Markt in den USA sind nach Angaben des Analysehauses Lipper knapp 30 Milliarden in solche Produkte angelegt.

In den Vereinigten Staaten rücken wegen der härteren Gangart gegenüber ETF-Anbietern auch Internetbroker wie Charles Schwab, Fidelity Investments und TD Ameritrade in den Fokus. Ihr Geschäftsmodell basiert darauf, dass ihre Handelsplattform von privaten Selbstentscheidern genutzt wird. Mit der zunehmenden Komplexität von ETFs laufen die Unternehmen Gefahr, für mögliche Ausfälle geradestehen zu müssen, falls sie die Kunden nicht hinreichend über die Risiken aufgeklärt haben.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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